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Dem Geld auf der Spur
Wer wissen will, wohin das Geld jeden Monat verschwindet, kann ihm mit einem Haushaltsbuch auf die Schliche kommen. Foto: Gettyimages
Vorsätze

Dem Geld auf der Spur

Es lohnt sich, seine Einnahmen und Ausgaben zu verfolgen. Ein Haushaltsbuch kann helfen, den eigenen Spielraum auszuloten.

05.01.2017
  • VON SIMONE DÜRMUTH

Ulm. Manch einer nimmt sich zum Jahreswechsel vor, besser zu haushalten, die Finanzen endlich in den Griff zu bekommen. Doch oft fehlt der Überblick: Wie viel Geld steht zur Verfügung und in welchen Löchern verschwindet es, ohne dass man es bemerkt? Da bietet es sich an, das gute alte Haushaltsbuch wieder zu entstauben. Aber auch, wer sich seine Traumreise finanzieren oder ein kleines Polster ansparen will, kann davon profitieren.

Grundsätzlich für eine gute Idee hält Korina Dörr, Leiterin des Beratungsdienstes Geld und Haushalt der Sparkassen-Finanzgruppe, das Haushaltsbuch. Auch wer nur für ein paar Wochen oder Monate aufschreibt, was er ausgibt, entwickle ein Bewusstsein für seine Finanzen. Neben dem klassischen Haushaltsbuch auf Papier, das zum Beispiel auf der Homepage der Verbraucherzentrale zum Kauf angeboten wird, gibt es inzwischen auch einige Apps fürs Handy. Man sollte darauf achten, dass der Anbieter in Deutschland sitzt, dann wird in der Regel das hiesige Datenschutzrecht angewandt.

Wichtig ist vor allem, zunächst seine Einnahmen und wiederkehrende Ausgaben zu kennen. In einer Jahresübersicht können auf der Einnahmenseite neben dem regulären Einkommen auch Kinder-, Weihnachts- oder Urlaubsgeld stehen.

In einem zweiten Schritt werden alle Fixkosten, die über das Jahr anfallen, aufgelistet. Neben Miete und Nebenkosten sollten auch Zahlungen, die nicht jeden Monat anfallen nicht vergessen werden. So zum Beispiel der Rundfunkbeitrag, Müllgebühren oder Versicherungen. Bei Posten, die nicht jeden Monat anfallen kann man sich entscheiden, ob sie zum jeweiligen Fälligkeitsdatum aufgeführt werden oder, entsprechend umgerechnet, jeden Monat auftauchen.

40 Prozent für freie Ausgaben

Wer so sein monatliches Budget ermittelt hat, hat schon mal einen besseren Überblick über seine finanziellen Möglichkeiten. „Viele unterschätzen, wie hoch die festen Ausgaben sind“, berichtet Dörr aus ihrer Erfahrung. Sie halte es für sinnvoll, wenn etwa 40 Prozent des Budgets für freie Ausgaben zur Verfügung stehen. „Und dann stellt sich die Frage, ob man diesen Rahmen einhalten kann“, sagt Meike Kesenheimer-Wenzel, Schuldnerberaterin bei der Diakonie in Ulm.

Dann geht es an die Kleinarbeit: Täglich werden alle Ausgaben aufgelistet. Für eine bessere Übersicht geordnet nach Kategorien wie „Ernährung“, „Mobilität“ oder „Kleidung“. Dabei gebe es so manche Überraschung, weiß Nadine Borchers von der Schuldnerberatung der Diakonie in Ulm: „Kaum jemand, der bei mir in der Beratung ist, weiß, wie viel er für Kleidung ausgibt.“ Auch die Kosten für Verpflegung unterwegs oder während der Arbeit unterschätzen viele.

Sollte sich herausstellen, dass das Budget nicht reicht, um die Ausgaben zu decken, oder will man sein Konsumverhalten ein wenig disziplinieren, haben die Schuldnerberaterinnen ein paar hilfreiche Kniffe auf Lager. Um das monatliche Budget zu unterteilen könne man sich beispielsweise Umschläge mit einem Wochenbudget oder geordnet nach Kategorien wie „Lebensmittel“ oder „Kleidung“ zurechtlegen. Ist das aufgebraucht, könne man zwar immer noch zur Bank gehen, aber die Hemmschwelle sei viel höher. Eine andere Möglichkeit, um größere Ausgaben, die nur einmal im Jahr anfallen, abzufedern, ist das klassische Sparschwein. Wer zum Beispiel jeden Monat fünf oder zehn Euro beiseite legt, hat im Januar wahrscheinlich genug zusammen, um die KFZ-Versicherung zu bezahlen. Und von Karten- und Kreditzahlungen raten die Schuldnerberaterinnen generell ab. Wer statt Scheinen und Münzen nur Plastikkarten über den Tresen schiebt, der verliere das Gefühl für das Geld, das er ausgibt.

Nie bei der Miete sparen

Wer sich einen Überblick verschafft hat, findet wahrscheinlich auch Posten, an denen man sparen könnte. Doch manche sind dafür tabu, warnt Kesenheimer-Wenzel: „Man sollte niemals aufhören, für Miete, Nebenkosten und Telefon zu bezahlen.“ Sinnvoller könnte es sein, sich nach einer neuen Bleibe oder einem anderen Telefonanbieter umzuschauen, wenn diese Kosten zu hoch sind. Korina Dörr empfiehlt, die festen Ausgaben zu durchforsten. Versicherungstarife ändern sich, da könnte ein Anbieterwechsel sinnvoll sein. „Man sollte sich auch die Kündigungsfristen notieren“, empfiehlt Dörr. Sonst kann es passieren, dass sich der Vertrag fürs Fitness-Studio gerade um zwei Jahre verlängert hat, weil man zu spät ans Kündigen gedacht hat.

Bei der Ursachenforschung helfen kann ein Referenzbudget, das zum Beispiel über die Sparkassen-Finanzgruppe erhältlich ist. Hier kann man sehen, was ein durchschnittlicher Haushalt für verschiedene Posten ausgibt. „Es gibt oft gute Gründe für Abweichungen, man kann so aber auch Kostentreiber entlarven“, so Dörr.

Grundsätzlich muss individuell beurteilt werden, wo man sparen kann. Dem einen ist das „Landlust“-Abo unverzichtbar, während der andere seinen „Sky“-Vertrag nicht aufgeben möchte und der dritte kann einfach nicht ohne Auto. Doch auch hier heißt es genau hinschauen. „Die meisten unterschätzen die Kosten für Mobilität“, berichtet Dörr aus ihrer Erfahrung.

Wenn aber regelmäßig etwas Geld übrig bleibt, können Rücklagen gebildet werden. Dörr empfiehlt, zunächst zwei bis drei Monatsgehälter auf die hohe Kante zu legen. Am besten auf einem separaten Konto, damit der Zugriff nicht so leicht fällt. Ist dieser Notgroschen beisammen, kann man auf einen besonderen Wunsch sparen, zum Beispiel auf eine große Reise oder ein neues Auto. Alles darüber hinaus diene dem langfristigen Vermögensaufbau, so Dörr.

Oft reicht es schon, das Haushaltsbuch einige Wochen oder Monate zu führen, um die größten Geldfresser zu entlarven. Wenn man aber tatsächlich sparen möchte, reicht es nicht, die Beträge nur zu notieren. Sie wollen regelmäßig ausgewertet werden. „Ein paar Hundert Euro im Jahr sind da schon drin“, davon ist Dörr überzeugt.

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05.01.2017, 06:00 Uhr

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