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1.700 Fans begeistert beim 1:3 des TVR gegen Haching

Den Rechner wieder hochgefahren

Ein gefühlter Sieg: Vor 1.700 Zuschauern in der Tübinger Paul-Horn-Arena ist Volleyball-Bundesligist TV Rottenburg beim 1:3 (18:25, 19:25, 32:30, 26:28) nah dran gewesen, gegen den Champions-League-Teilnehmer Generali Haching ins Tie-Break zu kommen.

12.11.2012
  • Tobias Zug

Tübingen. Jugendliche gröhlen auf der Tribüne zur Melodie von „Seven Nation Army“. Keiner der Zuschauer sitzt mehr, alle klatschen im Rhythmus, der Diskjockey lässt „Oh, wie ist das schön“ laufen. Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger dreht Pirouetten. Die Spieler fallen sich in ihre verschwitzten Arme – soeben hat der TV Rottenburg einen Satz gewonnen.

Den Anschlusssatz zum 1:2. Aber es war ja auch kein Satzgewinn gegen irgendwen und irgendwie. Der Gegner hieß Generali Haching, ist regelmäßiger Champions-League-Teilnehmer, Vize-Meister. „Ein absolutes Spitzenteam“, urteilt Rottenburgs Coach Müller-Angstenberger, „das sich gegen uns mehr als strecken musste.“ Nicht unbedingt in den ersten beiden Sätzen, auch wenn da der TVR beide Male flott begann, 6:2, 7:3 im ersten führte, 5:3 mal im zweiten, aber ebenso flott auch wieder nachließ.

Was danach passierte, beschrieb Zuspieler Michael Neumeister in der Computersprache: „Wir haben uns neu rebootet.“ Der Rechner ist zwar an, wird aber nochmals hochgefahren – was war, ist gewesen, das Spiel beginnt von Neuem. Trainer Müller-Angstenberger nutzte die Pause, um neue taktische Anweisungen zu geben. „Die ersten beiden Sätze haben wir zu lange gebraucht, um uns an deren Aufschläge zu gewöhnen“, sagte der überragende Außenangreifer Dirk Mehlberg. „Wir haben anders zugespielt und mehr die Drei-Meter-Schüsse gespielt“, erläuterte Neumeister. „Und bei uns hat die Konzentration nachgelassen“, sagte Hachings Trainer Mihai Paduretu.

In der Summe all jenem ergaben sich zwei Sätze, die „schön für die Zuschauer waren“, wie Paduretu sagte. Haching führte schnell, 9:6, 14:11. Rottenburg kämpfte sich zurück, doch Haching ging mit einem 18:16 in die Auszeit. In dieser ließen die zwei Jungs der Showgruppe auch noch ihre Cheerleaderin fallen. Doch Rottenburg ließ sich nicht beirren, kämpfte sich auf 22:22 zurück.

Als Felix Isaak den Ball ins Aus schmetterte, hatte Haching beim 24:22 zum ersten Mal einen Matchball. Den sollten sie in diesem Satz noch vier Mal haben. Doch Rottenburg hatte zum einen Glück, weil Hachings Roy Friedrich beim 26:26 und Simon Hirsch beim 28:28 ihre Aufschläge ins Netz schlugen. Und Rottenburg hatte einen Michael Neumeister, dessen Zuspiele meist einer mit Karacho verwertete: Dirk Mehlberg. „Ich kenne den Dirk ja von klein an“, sagte Neumeister über seinen Schweriner „Landsmann“, „uns verbindet ein unsichtbares Band, jeder weiß wie der andere läuft, was er vorhat.“

Dieses Band hielt auch noch im vierten Satz beste Bewährungsproben stand. Als Mehlberg zum 12:13 blockte, rutschte Müller-Angstenberger auf seinen Knien übers Parkett, Hallensprecher Ingo Pufke wedelte mit seinem rot-weißen TVR-Schal. Haching ging zwar mit 16:14 in Führung, doch Mehlberg drosch seine Mannschaft wieder zum Ausgleich. Meist suchten Willy Belizer oder Neumeister Mehlberg am Netz, fast immer dankte dieser mit Punkten. „Ich wollte nach den ersten Sätzen zeigen, dass ich es viel besser kann“, sagte Mehlberg.

20:22, 21:22, 21:23, 22:23, 22:24, Matchball Haching – abgewehrt! Ein Hachinger hatte beim Angriff das Netz berührt. Zuspiel Belizer, Schmetterball Mehlberg – 24:24. Haching punktet zum 25:24, Felix Isaak schafft den Ausgleich. Doch dieses Spiel brauchte wohl einen tragischen Helden wie in der Literatur: Und dieser hieß Dirk Mehlberg.

Denn der schlug beim Stand von 26:27 ein Zuspiel seines „Verbindungsmanns“ Michael Neumeister ins Netz. „Die bessere Mannschaft, die besser gearbeitet hat, war der TV Rottenburg“, sagte Trainer Müller-Angstenberger. Und Dirk Mehlberg? Sank nach dem letzten Punkt in die Knie. „Beim letzten Ball hat die Konzentration nachgelassen“, sagte er. „Es ist so schade, dass es nicht ganz geklappt hat“, sagte Michael Neumeister. Den Fans war’s egal: Sie feierten den Verlierer.

Den Rechner wieder hochgefahren
Und dann die Hände zum Ball: Rottenburgs Zuspieler Michael Neumeister (rechts) und Hachings Alexander Shafranovich.Bilder: Ulmer

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12.11.2012, 12:00 Uhr

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