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30 Jahre Jugendclub Pfäffingen

Den Stier bei den Hörnern packen

PFÄFFINGEN (ska). Mit seinen 30 Jahren ist der Pfäffinger Club der älteste im Ammertal, wenn nicht sogar im gesamten Landkreis.

05.03.1999

Im Dunkeln leuchten von weitem die Laternen an dem kleinen holzverkleideten Häuschen gleich neben dem Pfäffinger Feuerwehrhaus. Innen ist die Decke mit kleinen Lichtern übersät, an der Theke gibt es Bier und, weit billiger, Alkoholfreies. Neben den Klotüren leuchten als Wahrzeichen des Clubs die „Scheißhaus-Ampeln“: Geht jemand rein, schaltet die Fußgängerampel von grün auf rot um; bei den Mädels leuchtet dann ein sitzendes Figürchen auf der Kloschüssel, bei den Jungs muß es natürlich ein Steh-Männchen sein. Alles ist liebevoll in Eigenarbeit gemacht, und man kann sich vorstellen, wie hier seit dreißig Jahren Jugendliche schwätzen, schwofen, schmusen, aber auch bauen und renovieren.

Das Gründungsjahr 1969 hört sich nach wild bewegter Hippiezeit an, doch die Entstehungsgeschichte des Clubs kommt ohne Flowerpower und sexuelle Revolution aus. Vielmehr berichtet die Chronik des Clubs, daß der Ortspfarrer Ernst Ergenzinger den Anstoß zur Gründung gab. Er habe eines Sonntags zwei Mädchen auf der Straße getroffen, „toll aufgemacht, als hätten sie etwas Größeres vor an diesem Tag.“ Im Gespräch stellte sich heraus, daß es für Teenager in Pfäffingen allerdings gar keine Möglichkeit gab, etwas vorzu-haben. Außer dem Milchhäusle, vor dem sich rechts die Jungs und links die Mädchen die Beine in den Bauch standen und sich gegenseitig beäugten, war überhaupt nichts los. Dies gab Ergenzinger zu denken, und er machte sich für die Pfäffinger Jugendlichen stark.

Trotz der Hilfe durch Pfarrer und Bürgermeister war es nicht leicht, die Räume in der Zehntscheuer zu bekommen. Der dortige Farrenstall war gerade erst frei geworden, weil die künstliche Befruchtung der Stierhaltung den Garaus gemacht hatte. Noch waren die Bauern mißtrauisch und wollten sich die Chance, zur guten alten Befruchtungstechnik von Stier zu Kuh zurückzukehren, nicht verbauen lassen. Auch CVJM und Sportverein waren anfangs in Sorge, der Club könne ihnen die Mitglieder abwerben. Nach langer zäher Eigenarbeit der Pfäffinger Jugendlichen und mit der finanziellen Unterstützung von Gemeinde, Firmen und Privatleuten stand dann schließlich aber doch der erste Jugendclub in der Gegend. Sein Logo: ein Stierkopf.

Ärger mit den Nachbarn, das ist normal, wenn ständig Autos und Motorräder brummen; an manchen Abenden zählte der Club schon 150 Gäste. Doch auf dem Land hält man auch zusammen. Als einmal eine Rockerclique telefonisch ankündigte, sie werde den Laden kurz- und kleinschlagen, bewaffnete sich eine ganze Reihe der älteren Pfäffinger mit verschiedenen landwirtschaftlichen Geräten, um „ihren“ Club zu verteidigen.

Normalerweise geht es friedlich zu; an Schlägereien kann sich Ausschußmitglied Jürgen Schauer nicht erinnern, „wahrscheinlich, weil von jeder Art Leute jemand da ist und es immer eine gewisse Mischung gibt“.

Man könnte meinen, so ein Club wird mit seinen Gründern alt; schließlich kommen inzwischen nicht nur Vierzehn- sondern ebenso Vierzigjährige. Aber in Pfäffingen gelingt es immer noch, alle Clubgenerationen unter einen Hut zu bekommen. Ausschußmitglied Volker Baumgärtner stand mit 17 zum ersten Mal hinter der Clubbar und ist jetzt acht Jahre dabei; andere, Jüngere kommen neu dazu. Diese Ausgewogenheit soll sich auch im Programm spiegeln: Am Donnerstag können die Älteren ihre Lieblingsmusik von CCR über Queen bis Pink Floyd erwarten, freitags gibt es Techno für die Jungen und am Sonntag ist für alle was dabei.

Den Stier bei den Hörnern packen
Der Ausschuß des Pfäffinger Jugendclubs plant die Jubiläumsveranstaltungen zum 30-jährigen Bestehen. Von Links: Oliver Holzwarth, Timo Wellhäußer, Evelyn Sauermann, Achim Höckh, Jürgen Schauer, Christina Braun und Volker Baumgärtner.

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05.03.1999, 12:00 Uhr

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