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Kommentar

Denn sie wissen nicht, was sie tun

„Go easy Go Bahn“ – es gibt Werbeslogans, die Wahrheiten auf den Kopf stellen. Denn anders als die Bahn mit ihren Sprüchen glauben machen will, ist das inzwischen privatisierte Schienenverkehrs-Unternehmen eher schwerfällig. Das konnte auch das Tranchieren der alten Bahn in unzählige Geschäftsbereiche und Firmen nicht ändern. Im Gegenteil: Der Großkonzern ist für Außenstehende wie Insider kaum noch zu durchschauen.

30.09.2012
  • Matthias Stelzer

Bahn AG, DB Netze Fahrweg, DB Station & Service AG, DB Netze Energie, DB Mobility Logistics AG, DB Bahn Fernverkehr, DB Arriva, DB Bahn Regio, DB Schenker Rail, DB Schenker Logistics, DB Dienstleistungen und dazu hundert andere Einzelfirmen – der Konzern ist so verästelt, dass selbst erfahrene Bahner nicht mehr blicken, wer wofür zuständig ist.

Was einst der Bahnhofsvorsteher im Blick haben musste, teilen sich heute verschiedenste Bahn-Beschäftigte auf. Weshalb sich am Tübinger Hauptbahnhof dann auch wirklich niemand mehr für einen Geisterzug zuständig fühlt, der nur ein paar Schienenmeter entfernt im Güterbahnhof steht. Man wundert sich zwar, aber wissen tut man nichts Genaues. In der organisierten Verantwortungslosigkeit macht niemand heiß, was er nicht weiß. Die in Frankfurt, Mainz, Berlin, Stuttgart oder Karlsruhe (je nach Geschäftsbereich) werden schon wissen, was sie tun.

Ein Eindruck, der sich bei Recherchen zu Bahnthemen nicht erhärten lässt: Denn sie wissen zumindest nicht überall, was sie tun. Wenn mehrere Geschäftsfelder und Akteure beteiligt sind, scheint die Konzernstruktur auch für die eigenen Öffentlichkeitsarbeiter eine Herausforderung zu sein. „Ich suche manchmal auch länger “, sagt der Stuttgarter Bahnsprecher Martin Schmolke – und ergänzt: „Das ist unserer Größe geschuldet.“

Schmolke, der als offizieller Stuttgarter Bahnsprecher, eigentlich gar nicht namentlich genannt werden will, wenn er Auskünfte über seinen Arbeitgeber gibt, ist nicht zu beneiden. Sein Job verlangt Nehmerqualitäten. Denn die Pressesprecher der Bahn sind Öffentlichkeitsarbeiter im Dienste einer gewollten Intransparenz. So sehr sie sich, wie Schmolke, auch bemühen, das schlechte Image der Bahn-Konzernpolitik können sie nicht ausbügeln. Der Konzern hat sich seinen 2006 verliehenen Negativpreis auch im Nachhinein noch tausendmal verdient. Die „Verschlossene Auster“, vergeben vom „Journalisten-Netzwerk Recherche“, gebührt dabei vor allem den mächtigen Männern ohne Vornamen: Bahnchef Mehdorn und Bahnchef Grube.

Jetzt ist ein rostender Zug auf dem Tübinger Güterbahnhof ja kein Stuttgart 21. Aber gerade so ein weniger komplexer Fall zeigt, wie wenig man auf die Kommunikation der Bahn vertrauen sollte. Mal gehören ihr knapp 500 Meter Zug, dann wieder nicht. „Müssen Sie das gleich wieder schreiben?“, fragte der Bahnsprecher noch. Eine rhetorische Bitte, der wir – auch Martin Schmolke zuliebe – nicht nachgeben konnten und wollten. Denn irgendwie glauben wir Journalisten ja noch daran, dass Einsicht und Selbsterkenntnis einen fahrenden Zug aufhalten können. Oder eine stehende Wagenkolonne wieder in Bewegung setzen können. Oder wie es die Bahnwerber formulieren würden: „Die Bahn macht mobil“.

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30.09.2012, 12:00 Uhr

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