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Deponie im Schlacken-Schlamassel
Experte Jürgen Traub zeigt ein Stück Schotter, das aus dem Giftschlacke-Berg (im Hintergrund) stammt. Foto: Madeleine Wegnder
Umweltschutz

Deponie im Schlacken-Schlamassel

Bei der Erweiterung der Reutlinger Erddeponie wurde tonnenweise giftiges Material verbaut. Die Staatsanwaltschaft sucht nach den Verantwortlichen – und die Stadt nach Lösungen.

23.11.2016
  • MADELEINE WEGNER

Reutlingen. Die Reutlinger Erddeponie „Saurer Spitz“ soll größer werden. Doch die Erweiterung zieht sich seit Jahren. Zunächst mussten geschützte Tiere umgesiedelt werden. Und nun stellt sich heraus, dass beim Bau der neuen Deponie gepfuscht wurde: Giftige Schlacke wurde auf einer Fläche von knapp vier Hektar eingebracht. Diese Elektro-Ofen-Schlacke sollte als Entwässerungsschicht dienen. Doch sie enthält Schwermetalle, die bei Regen ausgespült und in den angrenzenden Bach gelangen würden.

Bei einer Baustellenbegehung im Herbst vergangenen Jahres war der Leiter des Umweltschutzamtes im Reutlinger Landratsamt, Andreas Neft, auf das Material aufmerksam geworden. Seine Zweifel, dass die Schlacke mit dem Planfeststellungsbeschluss vereinbar – und damit nicht genehmigt – sei, bestätigten sich im Laufe der folgenden Monate.

Die Technischen Betriebe Reutlingen (TBR) ließen die Bauarbeiten einstellen und versuchten, den Schaden zu begrenzen: Eine 1,2 Kilometer lange Leitung zur benachbarten Deponie sollte das giftige Sickerwasser ableiten, Bereitschaftsdienste überwachten fast rund um die Uhr, ob das Wasser zuverlässig abgepumpt wurde oder zusätzliche Saugwagen nötig waren. Im April stand fest: Das Material darf definitiv nicht als Entwässerungsschicht der Deponie genutzt werden.

Alternative Nutzung denkbar

Wer für das Schlacken-Schlamassel verantwortlich ist, das ermittelt derzeit auch die Tübinger Staatsanwaltschaft. Das Ermittlungsverfahren wegen Verdachts auf Umweltstraftaten sei nach den ersten Medienberichten von Amts wegen eingeleitet worden, sagte eine Sprecherin. Die Stadt Reutlingen steht in Verhandlungen mit dem Ingenieurbüro und dem Bauunternehmen, die mit dem Bau der neuen Deponie beauftragt waren. Auf deren Einschätzungen und Kenntnisse habe man sich verlassen, sagt Madlen Michels, Rechtsamtsleiterin der Stadt Reutlingen. Nun gehe es auch um Schadenersatz. Die Vertragspartner zeigten sich kooperations- und gesprächsbereit, sagte sie.

Einen sechsstelligen Betrag haben die Sicherungsmaßnahmen laut TBR-Chef Hans Fröb bislang gekostet. Die Schlacke auf einer anderen Deponie zu entsorgen, würde 1,4 Millionen Euro kosten. Deshalb wollen die TBR die Schlacke anderweitig nutzen. „In der Deponie ist das Material als Ersatzbaustoff zulässig“, sagt Jürgen Traub,der als externer Berater hinzugezogen wurde. So könnte der Schotter in der Abgrenzung zwischen der alten und der neuen Deponie als Trag- und Ausgleichsschicht dienen – vorausgesetzt, er wird unter einen dichten und schützenden Lehmschicht eingebaut, die verhindert, dass Wasser eindringt und Schadstoffe ausspült. Dies würde mit 633 000 Euro deutlich günstiger zu Buche schlagen.

Ein von jungen Bäumen bewachsener Hügel, das ist die alte Deponie. Die angrenzende neue Anlage soll Platz für drei Millionen Kubikmeter Erd- und Bauschutt bieten. Unter dem Hügel liegt auch belastetes Material. Die zukünftige Anlage aber ist ausschließlich für unbelastete Stoffe ausgelegt. Dafür neben anderem Material auch die Schlacke zu verwenden, das haben Experten von der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz vorgeschlagen.

Dem TBR-Betriebsausschuss liegt bereits ein entsprechender Beschluss vor. Anfang Dezember soll die Öffentlichkeit einbezogen werden. Ob das Material tatsächlich so genutzt wird, hängt von der Genehmigung durch das Landratsamt ab. Bis dahin soll der Schotter noch dichter zusammengeschoben und abgedeckt werden, damit keine weiteren Giftstoffe ausgespült werden.

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23.11.2016, 06:00 Uhr

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