Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Kein Tabu, kein Randthema

Depressionen werden immer häufiger bei Jugendlichen diagnostiziert

Spätestens seit dem Suizid von Fußball-Nationaltorwart Robert Enke ist das Thema Depression in der öffentlichen Debatte angekommen. Brigitte Anheier von der Psychologischen Beratungsstelle in Horb beobachtet, dass immer häufiger Jugendliche mit depressiven Symptomen zu ihr und ihren Kollegen kommen.

15.03.2014

Von Madeleine Bregulla

Horb. Es gibt immer mehr depressive Jugendliche in Baden-Württemberg, stellte die DAK fest. Die Zahl der 10- bis 19-Jährigen, die wegen psychischer Probleme stationär behandelt werden mussten, ist um mehr als das Sechsfache gestiegen. Brigitte Anheier von der Psychologischen Beratungsstelle in Horb berichtet, dass auch sie und ihre Kollegen beobachten, dass Depressionen bei Kindern und Jugendlichen häufiger diagnostiziert wird. Für sie gibt es aber nicht mehr Jugendliche mit depressiven Symptomen, sie werden heute nur eher wahrgenommen. „Es ist eher bekannt und der Blick hat sich geschärft?, sagt sie.

Wenn Kinder oder Jugendliche mit solchen Problemen in die Beratungsstelle kommen, verweisen Anheier und ihre Kollegen zum Beispiel an ärztliche Beratung, teilweise kommen die jungen Patienten dadurch auch in stationäre Behandlung in eine Klinik oder werden von einem niedergelassenen Psychotherapeuten betreut. „Manchmal reicht es aber auch schon, was wir hier in der Beratungsstelle tun können.? Je nachdem, wie alt die Jungen oder Mädchen sind, muss Brigitte Anheier allerdings die Eltern mit einbeziehen, bevor sie weitere Schritte einleiten kann.

Zu ihr in die Beratungsstelle kommen mehr Frauen und Mädchen mit depressiven Symptomen als Männer oder Jungen, sagt sie. Sie erklärt sich das so: „Frauen gehen damit eher zum Arzt als Männer und suchen sich da eher Hilfe.? Dennoch würden die Männer „aufholen? ? nicht damit, Depressionen zu haben, sondern diese behandeln zu lassen.

Die Krankheit erfährt

eine größere Akzeptanz

„Seit den Fällen von Robert Enke und Adolf Merckle ist das Thema Depressionen bei Männern weniger ein Tabu.? Der Fußballspieler Enke hatte sich Ende 2009 das Leben genommen, Ratiopharm-Gründer Merckle Anfang 2009. „Es ist seither eher akzeptiert, zu sagen: ?ich habe Depressionen?, auch als Mann.?

Depressionen bei Kindern und Jugendlichen galten früher eher als Randthema, heute werde mehr darauf geachtet. Trotzdem ist es Brigitte Anheier wichtig, dass man, egal ob bei Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen, nicht zu schnell von Depressionen spricht. „Kinder können wild sein, ohne ADHS zu haben. Und nicht jedes Kind, das ein bisschen traurig ist, hat gleich Depressionen?, betont sie. Genau wie bei Erwachsenen gehöre es zum Leben dazu, dass es einem auch mal nicht so gut gehe und dass man mal niedergeschlagen sei. „Erst wenn dadurch das Leben eingeschränkt wird, wenn ein Kind nur noch im Klassenzimmer sitzen bleibt, weil es sich nicht auf den Schulhof traut, dann sollte man genauer hinschauen.?

Sie spricht daher eher von depressiven Symptomen und nicht von einer Depression. Solche Symptome können extreme Stimmungsschwankungen, vermindertes Selbstvertrauen und Konzentrationsprobleme, teilweise sogar Schlafstörungen sein. Bei jüngeren Kindern treten auch „laute? Symptome wie Aggressionen auf. „Kleine Jungs zeigen häufiger die lauten Symptome, aber auch das gleicht sich mittlerweile langsam zwischen den Geschlechtern aus?, erklärt Anheier.

Zum Artikel

Erstellt:
15. März 2014, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
15. März 2014, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 15. März 2014, 12:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen