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Dolce Vita, palettenweise

Der 18. Umbrisch-Provenzalische Markt ist eröffnet

Seit Donnerstag zieht wieder Lavendelduft durch die Altstadt-Gassen. Hinter den mediterranen Marktfreuden steckt großer logistischer Aufwand für Stadt und Händler.

14.09.2012

Tübingen. Schon Stunden vor der offiziellen Eröffnung des Umbrisch-Provenzalischen Markts herrschte in der Altstadt reges Treiben: Am frühen Morgen hatten die Händler begonnen, ihre Stände zu dekorieren, die Ware anzuordnen und dem Ganzen den letzten Feinschliff zu geben. Auch die Tübinger mochten nicht auf die Eröffnungsrede von Oberbürgermeister Boris Palmer warten: Während am einen oder anderen Stand noch aufgebaut wurde, kauften und kosteten sich die Kunden nebenan schon durch das mediterrane Sortiment.

„Es ist kein Durchkommen mehr in der Stadt“, befand OB Palmer bei der offiziellen Eröffnung auf dem Marktplatz. Über den Markt müsse er ohnehin „nicht so viele Worte verlieren“ – eher atypisch für den umtriebigen Grünen. Im vergangenen Jahr hatte Palmer noch von der Pflicht gesprochen, zum Erhalt Europas ordentlich Geld auszugeben. „Jetzt, wo der Rettungsschirm steht, gibt es keinen Grund mehr, das Geld zu verstecken – also geben Sie es erst recht aus.“ Die zu erwartende Genuss-Rendite sei höher als die auf dem Sparbuch. Margit Wenke vom Tübinger Handel- und Gewerbeverein freute sich über den „Handel auf Augenhöhe“ zwischen italienischen, französischen und deutschen Marktbeschickern. Die Gäste aus den Nachbarländern „bringen den europäischen Gedanken mit“.

Auch einige neue Händler haben in diesem Jahr den Weg nach Tübingen gefunden. Für manchen eine kurze Strecke – Karl-Heinz Klink aus Dußlingen etwa bietet in der Hafengasse „Trüffelpflanzen“ an: unscheinbare Bäumchen, deren Erde etwas Kostbares birgt. Sie ist mit Trüffelsporen „geimpft“, bei korrekter Pflege wachsen die teuren Knollen dann auch im heimischen Garten.

Hinter dem Markt, der alljährlich Tausende nach Tübingen zieht, steckt eine umfangreiche Logistik, sagt Ordnungsamtschef Rainer Kaltenmark. Für ihn gilt: „Nach dem Markt ist vor dem Markt.“ Und das seit mittlerweile 18 Jahren. Mit einer dicken Mappe stand er zum Aufbau auf dem Marktplatz, koordinierte die Arbeiten, die Elektriker und die lange Liste der Gerätschaften, die die Marktakteure brauchen: Vom Cantuccini-Ofen über die Nudelmaschine bis hin zum Kühlschrank. Ohne die seitenlange Telefonliste geht da gar nichts.

Eine Spedition liefert alljährlich Ware an, die dann in diverse dezentrale Lager geschafft wird. Spediteur Bernd Eschner hat heuer 19 Paletten mit insgesamt zwölf Tonnen Fracht umgeschlagen: „Wein, Nudeln, querbeet, was auf dem Markt angeboten wird“. Das alles wird bei ihm mit großen Lastern gebracht, die Spedition lädt dann um und liefert direkt „frei Stand“. Die Händler wiederum lagern ihre Ware dann auch in der Altstadt zwischen: Vier Lagerplätze stellt die Stadt dort zur Verfügung, darunter auch das ehemalige Lager der Brauerei Alpirsbacher beim Technischen Rathaus. Was von den zwölf Tonnen übrigbleibt? „Das geht immer alles weg, wir haben noch nie etwas zurückbekommen“, sagt Eschner. Doch läuft längst nicht der komplette Warenfluss über die Spedition: Seifensiederin Najet bringt ihre Produkte „mit einem großen Laster“ selbst nach Tübingen. Wo sie ihre duftende Fracht über Nacht unterbringen soll, wusste sie gestern noch nicht zu sagen.

Wesentlich eingespielter ist da Marie Odile Ihringer: Seit dem zweiten Marktjahr verkauft sie Lavendelprodukte in der Neckarstadt. Ihre Tochter wohnt in Nebringen, stellt dort Lagerplatz und Unterkunft zur Verfügung.

Die Gäste aus den Partnerstädten verteilen sich kreuz und quer über die Stadt: Sie sind in Hotels, Ferienwohnungen oder privat untergebracht. Manche sogar in der Jugendherberge. Hinter dem reibungslosen Ablauf des Markts stecken auch Ehrenamtliche: Martina Herre zum Beispiel vermittelt seit vergangenem Jahr zwischen den italienischen Gästen und der Stadt. Sie erfährt von ihrem Ansprechpartner Antonio Trampolini, wann Ware in Tübingen ankommt und was die Händler brauchen. Andersherum kommuniziert sie auch die Wünsche aus Tübingen. „Es geht um die Vermittlung“, sagt sie – und hilft natürlich auch mal bei der Zimmersuche in letzter Minute.

Der 18. Umbrisch-Provenzalische Markt ist eröffnet
Schon vor der offiziellen Eröffnung stürzten sich die Tübinger in den Trubel des Umbrisch-Provenzalischen Marktes.

27 Händler reisten in diesem Jahr aus der französischen Partnerstadt
Aix-en-Provence an den Neckar, 24 aus dem italienischen Perugia. Mit den Händlern und Gastronomen aus der hiesigen Region kommt der Umbrisch-Provenzalische Markt auf annähernd 90 Stände, an denen Mediterranes verkostet und verkauft wird. Heute ist um 10 Uhr Marktbeginn, bis 22 Uhr kann geshoppt werden. Die Gastronomie bietet ihr Sortiment bis 1 Uhr in der Frühe an. Um 20 Uhr gibt esdas Theaterstück „Pasta Amore“ in der Begegnungsstätte Hirsch. Samstag ist ab 10 Uhr Kindertag im Innenhof des Pfleghofs, der Markt und die Gastronomie beginnen wie am Freitag. Sonntag startet um 9.30 Uhr der Erbe-Lauf, der Umbrisch-Provenzalische Markt endet in diesem Jahr um 20 Uhr.

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14.09.2012, 12:00 Uhr

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