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Kirchentellinsfurter Kickers-Kicker

Der 21-jährige Marco Gaiser hat beim Drittligisten Stuttgarter Kickers den Durchbruch geschafft

Vor knapp drei Monaten lief Marco Gaiser erstmals in der Dritten Liga auf – das Debüt als Profi-Fußballer. Der 21-Jährige aus Kirchentellinsfurt hat im Sommer mächtig geschuftet und sich seinen Platz im Kader der Stuttgarter Kickers erkämpft. Mittlerweile darf er sich sogar Stammspieler nennen.

05.11.2014
  • Moritz Hagemann

Stuttgart-Degerloch. Des einen Glück, des anderen Leid – ein Spruch, der die Situation des Marco Gaisers passend beschreibt. Der kann lachen, ist schließlich der Glückliche: Der 21-jährige Mittelfeldspieler feierte am 20. Oktober, also vor wenigen Tagen, sein Startelf-Debüt im hellblauen Kickers-Dress – das Team verlor allerdings mit 1:5. Ausgerechnet bei der zweiten Mannschaft des großen Rivalen VfB Stuttgart. Der gebürtige Tübinger rutschte rein, weil sich Spielmacher Enzo Marchese kurz zuvor verletzt hatte: Außenbandriss, drei Monate Pause. Der Kapitän war der Kopf der Mannschaft. Sogar das renommierte Fachmagazin Kicker titelte nach der herben Schlappe beim VfB II: „Bitteres Startelf-Debüt für Gaiser.“ In jenem Artikel wird Gaiser aber von Kickers-Trainer Horst Steffen in Schutz genommen. Er könne das zwar besser, habe ein paar Ballverluste gehabt, die er sich nicht erlauben dürfe, „aber für‘s erste Spiel war das ganz ordentlich“, sagte Steffen.

Das erste Spiel war es aber eigentlich nicht. Denn bereits im ersten Saisonspiel durfte Gaiser ran. Bei der 1:2-Auswärtsniederlage beim SV Wehen Wiesbaden wurde er 19 Minuten vor Schluss eingewechselt – das Profi-Debüt. „Da hatte ich einiges im Kopf“, sagt Gaiser dem TAGBLATT. „Ich hab‘ einfach versucht zu spielen wie im Training und den Rest auszublenden.“ Mittlerweile bringt es Gaiser auf zehn Saisoneinsätze, davon zwei über die vollen 90 Minuten. „Im Vergleich zur Oberliga ist das ein krasser Unterschied.“

Im April diesen Jahres bat Kickers-Sportdirektor Michael Zeyer ihn in sein Büro. Auf Gaiser wartete nach 31 Oberliga-Einsätzen bei den Stuttgartern ein Drittliga-Vertrag, datiert bis Ende Juni 2016. Sein Marktwert liegt mittlerweile bei 50.000 Euro. „Ich war überglücklich, da ist ein Traum in Erfüllung gegangen.“ Er habe keine Sekunde gezögert und sofort unterschrieben. Für den Vertrag bei den Kickers brach Gaiser seine Ausbildung als Industriemechaniker ab, setzt voll auf die Karte Profi-Fußball. „Ich habe dem Verein viel zu verdanken, deshalb war das klar für mich“, sagt Gaiser. In der Saison 2011/2012 verletzte sich der 21-Jährige in der Saisonvorbereitung der Kickers-A-Junioren: Kniescheibe rausgesprungen, zwei Operationen. „Ich habe kein einziges Pflichtspiel gemacht, aber der Verein hat mir einen Vertrag für die zweite Mannschaft gegeben“, erinnert er sich. Er habe sich selbst schon ein Fragen gestellt: Ob es reicht, nach der Verletzung zurückzukommen, ob sich die harte Arbeit noch auszahlen würde?

Bewährungsprobe bis zur Rückkehr Marcheses

Bei den Kickers sind sie überzeugt, dass Gaiser noch viel Potenzial in sich trägt: „Wir halten große Stücke auf ihn“, sagte Sportdirektor Michael Zeyer der Stuttgarter Zeitung. Um seinen Traum zu leben, nimmt Gaiser auch einiges in Kauf. Täglich pendelt er von seinem Wohnort Kirchentellinsfurt nach Stuttgart – außer montags, da ist trainingsfrei. Trainer Horst Steffen sei dabei weder ein harter Hund noch ein Kumpeltyp. „Er hat aber einfach immer ein genauen Plan, arbeitet sehr akribisch“, sagt Gaiser. Insbesondere die ausführlichen Videoanalysen betont der 21-Jährige. Im 4-3-3-System der Kickers sehe Steffen Gaisers Rolle in der Zentrale des Dreier-Mittelfeldes. Dort kommen Gaisers Stärken, „mein Passspiel, Spielverständnis und Kopfballspiel“, am ehesten zur Geltung. Allerdings, so sagt der Mittelfeldspieler, würden ihm noch ein paar Einheiten im Kraftraum ganz guttun.

Anfang des neuen Jahres wird schließlich Enzo Marchese zurück erwartet. Bis dahin hat Gaiser Zeit, sich in den Vordergrund zu spielen. Er erwähnt, dass das Team in einer Dritten Liga, „die mit keiner anderen dritten Liga auf der Welt zu vergleichen ist“, seinen Kapitän Marchese braucht – auch Gaiser: „Ich kann von ihm nur profitieren und lernen.“ Den Tabellenführer Wehen Wiesbaden und den Zwölften VfB Stutt gart II trennen dabei nur fünf Punkte, die Kickers als Siebter sind mittendrin im Aufstiegsrennen. Gaiser spricht es zwar nicht aus, hofft aber natürlich, dass es für den großen Coup reicht. Den Aufstieg in die Zweite Bundesliga.

Der 21-jährige Marco Gaiser hat beim Drittligisten Stuttgarter Kickers den Durchbruch geschafft
Beim Foto-Termin für die Internetseite: Marco Gaiser von den Stuttgarter Kickers.

Das Kicken lernte Marco Gaiser bei seinem Heimatverein TB Kirchentellinsfurt und dem Nachbarverein SV Rommelsbach. Später ging er den fast schon klassischen Weg für Talente aus der Region: in die Jugend des SSV Reutlingen, dann weiter zum VfB Stuttgart. Dort spielte er beispielsweise 2010 mit den B-Junioren in der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft. Im Halbfinale gegen Bayer Leverkusen schied der VfB aus, Gaiser spielte in beiden Partien jeweils 30 Minuten. Er ging zurück zur U 19 nach Reutlingen und 2011, ein Jahr später, zu den A-Junioren der Stuttgarter Kickers. Von dort wechselte er 2012 in die Oberliga-Mannschaft der Stuttgarter – und ist jetzt Profi-Fußballer.

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05.11.2014, 12:00 Uhr

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