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Jung schafft in Luhmühlen Historisches

Der Altheimer Weltmeister holt als erster Reiter überhaupt einen Doppelsieg

Das hat es bei Deutschlands bedeutendster Vielseitigkeit, dem seit 1958 stattfindenden Luhmühlen-Turnier, noch nie gegeben. Vor Michael Jung – der Altheimer (wir berichteten) kehrte mit River of Joy als neuer Deutscher Meister und mit Leopin als Viersternesieger heim – gewann noch nie ein Reiter auf einen Schlag beide Prüfungen des Heide-Klassikers.

19.06.2012
  • Frank Häusler

Luhmühlen. Wenn einem Weltklassevielseitigkeitsreiter wie Michael Jung (RSG Altheim) alles derart überzeugend gelingt, muss es doch im hohen Norden Lobeshymnen hageln. Beifallsstürme blieben bei zwei glorreichen Siegen freilich nicht aus. Doch statt des waschechten Schwaben, in den diesjährigen Luhmühlener Starterfeldern einziger Baden-Württemberger, hätten norddeutsche Schlachtenbummler wohl auch gern ihre Stars siegen sehen. Seit 2009 allerdings zeigt Jungs Beliebtheitsskala in Luhmühlen steil nach oben, schließlich erfolgte da in der Lüneburger Heide der erste Paukenschlag. Mit seiner heutigen Nummer eins La Biosthetique Sam, damals für Pferd und Reiter die allererste Viersterne-Prüfung, sprang sensationell der Sieg in Luhmühlens Hauptprüfung heraus. Seither zählt Michael Jung bei den Bundestrainern Hans Melzer und Christopher Bartle zu den ins geheimen Lieblingen, kein internationales Vielseitigkeits-Championat fand seither mehr ohne ihn und seinen derzeit zwölf Jahre alten Württemberger Sam statt. Die jahrelange Dominanz ausschließlich von norddeutschen „Buschreitern“ hat ein Reitsportler aus dem Nordschwarzwald höchstpersönlich für beendet erklärt.

Regelrecht gedemütigt müssen sich Ostholt, Klimke und Co. jetzt bei ihrem eigentlichen Heimspiel im hohen Norden gefühlt haben. Ausgerechnet einem Schwaben gelingt mit seinen zwei Siegen der erstmalige Doppelschlag bei Deutschlands einzigem Viersterne-Vielseitigkeitsturnier. Und das sogar ohne Spitzenpferd La Biosthetique Sam überhaupt an den Start gebracht zu haben. Sam steht erst wieder im Juli beim CHIO in Aachen auf der Starterliste. Einer von Michael Jungs Championats-Kollegen, der im vorigen Jahr zum ersten Mal in der Luhmühlener Hauptprüfung siegreiche Andreas Dibowski, brachte es in seiner Schlussbilanz des internationalen Turniers auf den Punkt. Mit viel Humor allerdings. „Man muss akzeptieren, dass Michael Jung zurzeit einfach das Maß aller Dinge ist, wenn er eine Frau wäre, könnte man nur hoffen, er käme mal durch eine Schwangerschaft aus dem Wettbewerb“, sagte der Lokalmatador .

Andreas Dibowski, auf dem neuen Nachwuchspferd Avedon (9) am Sonntag hinter Viersternesieger Michael Jung und Leopin sowie der zweitplatzierten Australierin Lucinda Fredericks auf Flying Finish Viersterne-Dritter, steht nun dank des Luhmühlen-Ergebnisses auf der gestern vom Ausschuss Vielseitigkeit des Deutschen Olympiade Komitees (DOKR) veröffentlichten Olympia-Longlist. Gemeinsam in Gruppe zwei mit Ingrid Klimke (Münster), den Brüdern Andreas und Frank Ostholt, Dirk Schrade (Sprockhövel) und Peter Thomsen. Zehn Vielseitigkeitsreiter, nach Luhmühlen aufgeteilt in drei Gruppen, können jetzt noch von einem etwaigen London-Einsatz träumen. Zumindest bis Aachen, dort erfolgt im Juli die letzte Sichtung und Erstellung einer Shortlist.

Nur zwei Reiter gehören mit der Turnierbeendigung von Luhmühlen der bessergestellten ersten Gruppe an und gelten schon vor Aachen bereits als so gut wie gesetzt für Olympia: Zum einen Mannschaftseuropameisterin Sandra Auffarth (Ganderkesee) mit Toppferd Opgun Louvo und zum anderen natürlich Michael Jung. Erwartungsgemäß mit La Biosthetique Sam (12) und dem mit 13 Jahren ein Jahr älterem Viersterne-Newcomer Leopin. Erst seit Sonntag erfüllt dieses in Sachsen geborene Pferd, dessen Besitzerin RSG-Altheim-Vereinskollegin Anke Hoyer ist, die nur im Deutschland-Kader angewandte strenge Olympia-Norm. Leopins Ausrutscher voriges Jahr in Luhmühlen und der danach erfolgte freiwillige Abbruch, hat das Paar kurioserweise noch stärker gemacht. „An dem Geländewall war ich doppelt aufmerksam“, verriet der frischgebackene Viersternesieger, „und so wie Leopin gegangen ist, wusste der das an dieser Stelle bestimmt nicht mehr.“

Durch Michael Jungs Viersterne-Sieg (CCI****) auf Leopin rückt der erstmalige DM-Sieg des Altheimers im Ü-21-Lager schon beinahe etwas in den Hintergrund. Aber in dieser Dreisterne-Prüfung (CIC***) dominierte der 29-Jährige das Starterfeld auf dem elf Jahre alten Rubicell-Nachkomme Weidezaunprofis River of Joy noch stärker. Mit nur 27,80 Minuspunkten nach Dressur, Gelände und Parcours-Springen die Gesamtwertung einer schweren international offenen Dreisterneprüfung anführen, das gelang Michael Jung bis dato noch nie.

Der Altheimer Weltmeister holt als erster Reiter überhaupt einen Doppelsieg
In Luhmühlen als Ü21-Crack erstmals zu DM-Gold gesprungen: Michael Jung und River of Joy alias „Rocky“.

Der Altheimer Weltmeister holt als erster Reiter überhaupt einen Doppelsieg
Michael Jung wurde nach seinen Luhmühlen-Ritten stets vom Fernsehkamerateam des NDR umlagert. Bild: fh“

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19.06.2012, 12:00 Uhr

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