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Ein begeisterter Bauarzt

Der Arzt und Krankenhausplaner Hans-Ulrich Riethmüller starb kurz vor seinem 100. Geburtstag

Im Januar wäre er 100 Jahre alt geworden, doch Hans-Ulrich Riethmüller erlebte diesen runden Geburtstag nicht mehr. Der ehemalige Inhaber des Büros für Planung und Beratung medizinischer Gebäude verstarb am Sonntag vor einer Woche. Seine Vorstellungen waren für die Krankenhausplanung visionär.

09.09.2014

Tübingen. Dem umfangreichen Lebenswerk von Herrn Prof. Hans-Ulrich Riethmüller kann man sicher nicht in wenigen Worten gerecht werden. Visionen, gepaart mit Weitblick und der bewundernswerten Fähigkeit zum interdisziplinären Denken, haben sein Berufsleben geprägt und standen sicher auch Pate, als im Jahr 1955 aus dem bisher praktizierenden Mediziner ein begeisterter Krankenhausplaner wurde.

Als Angehöriger der Medizinischen Fakultät der Universität Tübingen von 1945 bis 1954 wurde er von den Professoren Bennhold und Heni zum sogenannten „Bauarzt“ berufen und mit Planungsaufgaben für den Neubau der Medizinischen Klinik betraut. Der Grundstein einer Entwicklung vom Einmannbüro zum freiberuflichen Einzelunternehmen mit bis zu 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern war gelegt.

Auf zahlreichen Studienreisen in europäische und außereuropäische Länder hat Hans-Ulrich Riethmüller sich umfassende Kenntnisse in der internationalen Entwicklung des Krankenhauswesens erworben und den tiefgreifenden Wandel im Gesundheitswesen erspürt, der die Modernisierung vorhandener und die Schaffung neuer Bausubstanz erforderlich machte. Er erschloss sich die Aufgabenfelder Betriebs-, Raum-, Funktions- und Objektplanung. Er war sicher einer der Ersten, der versucht hat, jede noch so kleine Bauaufgabe sinnvoll in eine Gesamtzielplanung einzuordnen. Diese Masterplanungen, wie sie heute oft genannt werden, sind mittlerweile zu unverzichtbaren Managementinstrumentarien geworden. Die Medizin- und Labortechnikplanung, die sich später entwickelt hat, rundeten das Leistungsbild ab.

Nach umfangreicher Tätigkeit für die Universität Tübingen kamen Aufträge unter anderem aus Frankfurt, München, Freiburg, Heidelberg, Würzburg und Wien. In den ersten zwölf Jahren seiner Bürotätigkeit war er bereits für neun Universitätsklinika tätig und hat als Berater des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst des Landes Baden-Württemberg Wesentliches zu den Planungen für medizinische Lehr- und Forschungsstätten beigetragen.

Im September 1967 wurde Herr Riethmüller zum Honorarprofessor für „Struktur und Organisation im medizinischen Hochschulbereich“ an der Universität Tübingen ernannt. Ein Novum an den deutschen medizinischen Fakultäten zur interdisziplinären Ausbildung von Ärzten und Architekten.

Es war ihm wichtig, das Wohl der im Krankenhaus handelnden Personen, nie aus den Augen zu verlieren. Schon früh wurde die Idee entwickelt, der „Pflege die Zeit für die Pflege“ zu geben. Neue Berufsgruppen wie Versorgungsassistenten, Stationssekretärinnen wurden diskutiert. Diese Problematik ist bis heute aktuell geblieben.

Hans-Ulrich Riethmüller hat Stationsgrößen definiert, die schon damals einen wirtschaftlichen Betrieb ermöglichten und noch heute, den derzeitigen Entgeltformen, den sogenannten DRG’s, gerecht werden würden. Heute Standard, damals ein Novum, das Plädoyer für das Zweit-Bett-Zimmer mit zugehörigem Sanitärbereich.

Für seine Verdienste wurde ihm im Dezember 1980 durch den Tübinger Oberbürgermeister Eugen Schmid das Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland verliehen. 135 Projekte an 80 Standorten, davon 21 Universitätsklinika, zahlreiche große und mittelgroße Krankenhäuser einschließlich verschiedenster Fachkliniken, die Teilnahme an zahlreichen Preisgerichten, ungezählte Veröffentlichungen und Gutachten, sowie die Gründung eines Archivs für den Krankenhausbau des 20. Jahrhunderts krönen sein Wirken und dokumentieren eindrucksvoll seine Pionierleistung auf diesem Gebiet.

Es ist sicher nicht vielen Menschen vergönnt, dass ihr Lebenswerk so nachhaltig weiterlebt, denn keine heutige Krankenhausplanung könnte ohne die von ihm geschaffenen Grundlagen entstehen, die die Architekten heute als ganz selbstverständliches Handwerkszeug einsetzen.

Peter Schmieg, Professor für Sozial- und Gesundheitsbauten, Institut für Gebäudelehre und Entwerfen der Technischen Universität Dresden

Der Arzt und Krankenhausplaner Hans-Ulrich Riethmüller starb kurz vor seinem 100. Geburtstag
Hans-Ulrich RiethmüllerPrivatbild

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09.09.2014, 12:00 Uhr

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