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Der Asphalt der Zukunft
Praxistest bestanden: Im September wurde die Landesstraße 1205 zwischen Sielmingen und Wolfschlugen (Kreis Esslingen) unter Einsatz der neuen Methodik rasch und reibungslos saniert. Foto: Drees & Sommer
Straßenbau

Der Asphalt der Zukunft

Stuttgarter Firmen haben als Reaktion auf das gestiegene Verkehrsaufkommen eine intelligente Software entwickelt, mit deren Hilfe Sanierungen seltener notwendig werden.

03.11.2016
  • BARBARA WOLLNY

Stuttgart. Morgens früher aufstehen, deutlich längere Fahrzeiten, zusätzliche zähe Staus. Und das für Wochen, Monate oder gar Jahre. Jeder Pendler ahnt, was es heißt, wenn auf seinem Arbeitsweg eine Straße renoviert oder ausgebaut wird.

Doch Schilder, die auf solche Baustellen hinweisen, sollen künftig seltener zu sehen sein. Das ist das Ziel von „Smartsite“. So lautet der Name einer Software, die im Rahmen eines Forschungsprojekts erprobt wurde. Es ist das einzige Vorhaben, das sich im bundesweiten Programm „Autonomik 4.0“ des Wirtschaftsministeriums dem Straßenbau widmet und mit drei Millionen Euro bezuschusst wurde. Unter Leitung der Stuttgarter Bau- und Immobilienberatung Drees & Sommer haben verschiedene Partner wie die Universität Hohenheim und die Stuttgarter Bauunternehmung Züblin drei Jahre daran gearbeitet, die Qualität des Asphaltstraßenbaus zu verbessern und damit die Haltbarkeit zu erhöhen. „Das trägt dazu bei, dass Sanierungen künftig in deutlich größeren Abständen vorgenommen werden müssen und weniger Energie und Ressourcen verbraucht werden“, sagt Burkard Seizer, Projektpartner bei Drees & Sommer und dort auch für „Smartsite“ verantwortlich.

Erneuerung alle acht Jahre

Hintergrund: Die Schichten einer Asphaltstraße werden unterschiedlich belastet. In der Theorie sollte die Trageschicht 32 Jahre, die Bindeschicht 16 Jahre und die am meisten beanspruchte Deckschicht zehn Jahre halten. Im echten Leben aber muss die oberste Schicht alle sieben bis acht Jahre erneuert werden. Entscheidend für die Haltbarkeit sind neben äußeren Faktoren wie Verkehrsbelastung, Klima und Topografie auch Qualitätskriterien während des Baus. Dazu zählen unter anderem die Wahl der eingesetzten Maschinen, des Materials, die ausreichende Verdichtung sowie die richtige Asphalttemperatur. „Smartsite“ berücksichtigt all diese Schritte. Die cloudbasierte Software erlaubt es den verschiedenen Beteiligten, in Echtzeit zusammenzuarbeiten – von den ersten Planungsschritten im Büro bis zur letzten Walzenrunde vor Ort. Die Nutzer können den gesamten Prozess durchgehend überwachen und steuern. Dazu gehören auch der dynamische Informationsaustausch zwischen den Baumaschinen und eine intelligente Prozessteuerung, die ständig den Abgleich der Planungs- mit den Ist-Daten durchführt.

Die Logistiksteuerung vom Asphaltmischwerk über den Transport per Lkw bis zur Bauausführung ist ein zentraler Aspekt. Er sorgt für kontinuierliche Produktion. Verzögerungen werden berücksichtigt, die Software kann aber auch versteckte Ressourcen aufdecken und damit den Bauprozess beschleunigen. Asphalt ist ein teurer Baustoff, weil er hoch erhitzt werden muss. Jeder Kubikmeter mehr bedeutet einen deutlich höheren Energieaufwand. Das Programm plant präzise die richtigen Einbaudicken und gibt diese als 3D-Daten an den Fertiger weiter. Der steuert damit vollautomatisch und effizient seinen Materialfluss auf die Straße. Bisher sind dafür lediglich die Erfahrung und das Gefühl des Maschinenführers entscheidend – ebenso wie bei der Verdichtung, der letzten Phase des Straßenbaus.

30 Bausstellen weniger

Wenn der Asphalt bei den Walzvorgängen zu heiß, zu kalt oder zu fest ist, leiden Qualität und Lebensdauer. „Smartsite“ überwacht die Asphalttemperatur und sorgt für homogene, blasenfreie Oberflächen. „Durch den kontinuierlichen Einbau und die gleichmäßige Verdichtung kann die Lebensdauer von Straßen um rund 30 Prozent gesteigert werden. Das heißt auch 30 Prozent weniger Baustellen“, zeigt sich Seizer überzeugt.

Das Projekt hat seinen ersten Praxistest erfolgreich absolviert. Im September wurde die Landesstraße 1205 zwischen Sielmingen und Wolfschlugen (Kreis Esslingen) unter Einsatz der neuen Methodik rasch und reibungslos saniert. Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) war vor Ort und kündigte an, dass „Smartsite“ im nächsten Jahr in Baden-Württemberg bei verschiedenen Projekten zum Einsatz kommen soll.

Potenzial dafür ist genügend vorhanden. Jahr für Jahr muss das Land höhere Summen in die Erhaltung des Straßennetzes investieren. 2014 wurden dafür noch 420 Millionen Euro aufgewendet, im vergangenen Jahr bereits 470 Millionen.

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03.11.2016, 06:00 Uhr

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