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Europa-Idee wichtiger denn je

Der Brüsseler Abgeordnete Andreas Schwab besuchte Sulzer Gymnasiasten

Mal was Neues hat die Sulzer CDU ausprobiert: Zwar absolvierte der Europaabgeordnete Andreas Schwab am Freitag auch das übliche Besuchsprogramm bei Sulzer Firmen, doch zuvor stand er im Albeck-Gymnasium eineinhalb Stunden lang den Schülern Rede und Antwort.

10.07.2010

Von Hans-Jörg Schweizer

Sulz. Zugegeben, manche der zahlreich in der Aula versammelten Gymnasiasten konnten die Augen kaum noch offen halten, aber das ist Freitagmittags um Zwölf so kurz vor den Sommerferien ja verständlich. Dafür saßen im Auditorium aber auch einige Schüler, die sich augenscheinlich sehr gut auf den Gast vorbereitet hatten. Einer konfrontierte den Europaabgeordneten gar ganz konkret mit dessen Abstimmungsverhalten, das der Schüler bei abgeordnetenwatch.de recherchiert hatte.

Doch Andreas Schwab ? das muss man ihm lassen ? war um keine Antwort verlegen. Warum er für Swift und gegen die Lebensmittelampel gestimmt hat, konnte Schwab recht plausibel erklären. Swift sei inzwischen nachgebessert worden, nachdem das Europäische Parlament samt Schwab die erste Version des Bankdatentransfers nach USA abgelehnt hatte. Und eine Lebensmittelkennzeichnung nur mit rot, gelb oder grün erscheint Schwab dann doch zu undifferenziert. Da seien dann Butter und Schokolade einfach rot und somit ungesund, was ja so auch nicht stimme.

Eingangs schoss sich Schwab auf die Griechenland-Pleite ein. Da haben seiner Meinung nach Generationen von Politikern versagt. Man hätte schon in den 1990er Jahren merken müssen, dass Griechenland in finanziellen Problemen steckt. Aber mit der Kontrolle der Mitglieder sei es eben in der EU nicht all zu weit her. Und das liege daran, dass gerade Länder wie Deutschland sich nur ungern in die Karten schauen ließen.

„Niemand lebt so stark von Europa wie wir?, betonte Schwab gegenüber den Schülern, deren Eltern bei Mittelständischen Betreiben arbeiten würden, von deren Produktion immerhin zwei Drittel in den europäischen Binnenmarkt gingen. Deshalb sei es auch nicht klug, Griechenland einfach aus der EU rauszuwerfen und in die Insolvenz zu schicken, wie es eine Schülerin vorschlug. Auch hiesige Firmen hätten noch Forderungen an griechische Kunden, die im Falle einer Insolvenz vielleicht nicht mehr bezahlt würden, so Schwab. Wie auch bei der Bankenrettung seien die 22 Milliarden für die Griechenland-Rettung eben billiger als die Folgen einer Insolvenz.

Allerdings sei „Solidarität keine Einbahnstraße?, so Schwab, der passend zur gegenseitigen Hilfe auch mehr gegenseitige Kontrolle fordert. Eine eigene Rating-Agentur der EU zu gründen sieht Schwab indes kritisch, denn der könnte dann leicht vorgeworfen werden, die Zahlen im Sinne der EU zu beurteilen. Dass aber Staaten von Rating-Agenturen abhängig sind, deren Arbeit sich als „nicht besonders profunde? erwiesen habe, führe auch dazu, dass jetzt verunsicherte Kapitalmärkte Angst vor einem Bankrott Spaniens oder Portugals schüren. „Diese ganze Krise ist ja aber eine Vermutung?, so Schwab. „Beweise für eine Zahlungsunfähigkeit Griechenlands gibt es nicht.?

Auch in der Frage nach dem Sitz des Europäischen Parlaments bekannte Schwab Farbe: „Brüssel und Straßburg, Bonn und Berlin, Stuttgart und Karlsruhe, Villingen und Schwenningen ? Doppelstandorte aus Proportsgründen sind uns Deutschen nicht fremd?, sagte Schwab. Er selbst ist für Straßburg. Sowas könne aber lange dauern, wie auch die genannten Beispiele aus dem Ländle zeigten. Gerechtigkeit sei eben, dass jeder etwas kriegt, Deutschland die Zentralbank, Luxemburg den Gerichtshof und Frankreich sowie Belgien eben den Parlamentsstandort.

Türkeibeitritt, Schwellenpreise, neue Mitgliedsstaaten im Osten, ungleiche Verhältnisse bezüglich Infrastruktur und Lohnniveau ? es waren wirklich viele Themen, zu denen die Sulzer Schüler nachfragten und zu denen Schwab immer erklärende Worte fand. Trotz aller Probleme sei die Europa-Idee heute wichtiger denn je, sagte Schwab, denn die einzelnen EU-Mitglieder allein seien für China, USA oder Russland völlig uninteressant. „Wir müssen uns eben zusammentun, wenn wir europäische, deutsche, Sulzer Interessen weltweit zur Geltung bringen wollen.?

Eineinhalb Stunden lang diskutierte gestern der Europaabgeordnete Dr. Andreas Schwab (CDU) mit Schüler des Sulzer Albeck-Gymnasiums. Bild: hz

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Erstellt:
10. Juli 2010, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
10. Juli 2010, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 10. Juli 2010, 12:00 Uhr

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