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Einen Lama kann man alles fragen

Der Buddhistische Lehrmeister Ole Nydahl lehrte und plauderte

Lama Ole Nydahl ist ein Star. Mehr als 1000 Zuhörende wollten am Samstagabend wissen, was er unter „Freiheit des Geistes“ versteht.

15.02.2010
  • Mario Beisswenger

Tübingen. „Hugh, ich habe gesprochen.“ So beendet Ole Nydahl seinen Vortrag in der Mensa Morgenstelle. Er macht sich über sich selbst lustig in seiner Rolle als großer Lehrmeister des Diamantweg-Buddhismus. Dabei gilt er als einer der großen Lehrer, der weltweit die Massen mit der tibetischen Weltanschauung in Verbindung bringt. Zusammen mit seiner Frau Hannah zählte er zu den ersten westlichen Schülern des Karmapas, des geistigen Oberhaupts dieser Schule. Hunderte von Lehrzentren hat er auf der Welt gegründet, zu seinen Vorträgen kommen auch mal zwei- oder dreitausend Interessierte.

Sie lauschen seinen Vorträgen und fragen. Und in Tübingen fragen sie viel: zur Wiedergeburt, zu Organspenden, zur Schmerztherapie – oder zum Zusammenleben in einem pietistisch geprägten Dorf auf der Alb. Ole Nydahl hat auf alles eine buddhistisch begründete Antwort. Es sei sicher nicht leicht, mit wenig lebensfrohen Menschen zusammenzuleben. Grenzenlose Liebe und frohes Leben sind aber Grundpfeiler des Buddhismus. Was also tun? Sein Hinweis: In den Pietisten den allen innewohnenden Buddha erkennen. „Die sind nur etwas langsam.“ Vielleicht brauche es da einfach ein bisschen „Schmiermittel“, um mit ihnen besser zusammenzukommen. „Nach einem Bier oder einem Fest kann es ganz gut gehen.“

Nydahl, der 68-jährige Däne, gibt die Ratschläge auf seinen fast ununterbrochenen Reisen. Trotz einer Beinverletzung, die er sich in Uruguay zuzog und in Deutschland auskurierte, kam er über Israel und Russland nach Tübingen, morgen fährt er weiter in die Schweiz. Die Station in Tübingen ist ihm ganz lieb, 1965 hat er hier ein Semester studiert. Deutsch konnte er schon zuvor, gelernt hat er es bei seinem Vater, einem Deutschlehrer.

Nydahl kann selbst über die Fasnet plaudern. „Das ist für alle Kulturen gesund, wenn man mal aus dem Trott rauskommt.“ Immerhin „eine kleine Transzendenz“ erlaubten sich da die Leute. Komplexeren Fragen weicht er nicht aus. Wie er den Buddhismus denn gegen das Christentum abgrenze, zum Beispiel. Kein Problem für Nydahl, dessen rüstiger Erscheinung man abnehmen kann, die wiedergeborene Form eines buddhistischen Kämpfers aus Osttibet zu sein.

Zunächst gelte: „Wir missionieren nicht. Wir wollen nicht alle.“ Es gebe Leute, die glücklich sind als Christen und das sollten sie dann auch bleiben. „Ein moderner Protestant oder ein entspannter Katholik ist schon ein guter Mensch.“ Außerdem übernähmen Christen mit ihren caritativen Einrichtungen wichtige Aufgaben. „Wir sind nicht so gut in der sozialen Arbeit.“

Andererseits seien die Christen „nicht so wirkungsvoll in der Arbeit mit dem Geist“.

Ziel dieser Arbeit sei, sich das Erleben dauerhaften Glücks zu sichern. Das geschieht mit vielen lebenspraktischen Tipps. Zorn zu vermeiden zum Beispiel oder den rechten Umgang mit seinen Mitmenschen üben. „Wenn man die Leute für dumm hält, verbringt man sein Leben in schlechter Gesellschaft.“ Dazu komme die beständige Meditation zur Lenkung des Geistes.

Das sei ein wichtiges Element, sagt der Lama und bemerkte in seinem Vortrag – er spreche da aus eigener Erfahrung –, dass dies auch viel besser sei als Drogen. Meditation sei eine Art Beschleunigungsmittel, um die buddhistische Lehre aufzunehmen. Das gehe zwar auch alles über den Kopf, „aber dann dauert es lang, bis es ins Herz einsickert“.

Selbstverständlich möchte man von einem, der sich tief in den Buddhismus versenkt hat, auch wissen, wie er sich seine eigene Wiedergeburt vorstellt. Nydahl, muss man wissen, ist leidenschaftlicher Fallschirm-Springer, der im freien Fall gern „die Kraft des erleuchteten Geisteszustands spürt“ und auch auf dem Motorrad nur ungern das Tempolimit einhält. Deshalb hat er einem Frauenmagazin schon vor Jahren erklärt: „Ich komme wieder. Nur wenn es hier zu langweilig wird, stehe ich nicht mehr zur Verfügung.“

Unterweisung und Meditation

Ole Nydahl lehrt den Diamantweg-Buddhismus, eine der klassischen Formen der tibetischen Weltanschauung. Die Anhänger entwickeln mit Lehrern ihre Fähigkeiten durch Unterweisung und Meditation. In Reutlingen und Tübingen gibt es Zentren mit etwa 75 Mitgliedern und etwa drei Mal so viel regelmäßigen Besuchern. Am 7. März laden die Zentren nachmittags zu einem Tag der offenen Tür.

Der Buddhistische Lehrmeister Ole Nydahl lehrte und plauderte
Auch in einem Pietisten steckt ein Buddha, meint Lama Ole Nydahl. Bild: Ulmer

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15.02.2010, 12:00 Uhr

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