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Der Bundestrainer verlässt sich auf sein Gespür für das Spiel
Joachim Löw erlebte beim 1:1 im WM-Testspiel gegen Spanien ein Wechselbad der Gefühle. Zuerst präsentierte sich seine Auswahl ungewohnt fahrig, doch dann trumpfte sie im Stil des Weltmeisters auf. Foto: Ina Fassbender/dpa
Nationalmannschaft

Der Bundestrainer verlässt sich auf sein Gespür für das Spiel

Auch das Duell mit Rekordweltmeister Brasilien nutzt Joachim Löw dazu, die Abläufe in seiner Auswahl mit Blick auf die WM zu optimieren.

26.03.2018
  • ARMIN GRASMUCK

Berlin. Stark am Ball, ja bitte. Hart im Zweikampf, unbedingt. Von unerschütterlichem Willen, selbstverständlich. Und alles: schnell, schnell, schnell. Die Erfolg versprechenden Attribute sind im modernen Spitzenfußball schlicht umrissen, doch die Messlatte ist hoch. Den Ausschlag über Sieg und Niederlage gibt oft ein taktisches Stilmittel, das die sehr guten von den guten Mannschaften unterscheidet: der Rhythmuswechsel.

Joachim Löw hat es in seiner charmanten Art vermieden, in der ersten Analyse zu sehr ins Detail zu gehen. In der ersten halben Stunde der Partie gegen Spanien, die 1:1 endete, dürfte er jedoch wie die meisten seiner Spieler von dem Gefühl des mittelschweren Schwindels geplagt worden sein. Es schien beängstigend, wie die deutsche Mannschaft in diesem als Härtetest für die Weltmeisterschaft beschriebenen Duell ins Hintertreffen geriet.

Die spanische Elf, angeführt vom dem überragenden Regisseur Andres Iniesta, spielte mit den Deutschen phasenweise Katz und Maus. Sie kombinierte nach Belieben, ließ den Ball auf engstem Raum zirkulieren, fix und elegant. Löws Weltmeister hatten Mühe, sich dieses Angriffswirbels zu erwehren. Sie konnten von Glück reden, dass die Spanier vergaßen, ihre spielerische Überlegenheit in Tore umzumünzen.

Entsprechend angefressen präsentierte sich Jerome Boateng nach der Partie. „Wir müssen zielstrebiger zum Tor spielen und auch besser zusammenarbeiten“, sagte der Innenverteidiger. „Das Umschalten muss auch besser werden. Wir kriegen drei oder vier Konter, das geht nicht.“ Tatsächlich wirkte die deutsche Abwehr ein paar Mal wie überrascht und überrumpelt.

Es lag auch daran, dass die Marschroute, die der Bundestrainer im Aufeinandertreffen mit dem spielstarken Gegner ausprobierte, einige Mängel offenbarte. Weit in ihrer Hälfte wollte Löw die Spanier attackieren und so den kontrollierten Aufbau ihrer Angriffe unterbinden. Doch den Gästen gelang es spielend leicht, sich zu befreien und blitzschnell nach vorne zu stürmen.

„Wir haben wichtige Erkenntnisse gewonnen“, so formulierte es Löw schließlich – und fügte verhältnismäßig entspannt hinzu: „Wer glaubt, dass es eine einfache Geschichte wird bei der WM, der täuscht sich gewaltig.“

Es spricht für das taktische Geschick des Trainers wie für die Qualität und die Reife seiner Spieler, dass es ihnen gelang, den Rhythmus der Partie grundlegend zu verändern. Bereits kurz vor der Pause und über weite Phasen der zweiten Hälfte übernahmen die Deutschen im zentralen Bereich durch die Verteidiger Boateng und Mats Hummels sowie die Mittelfeldspieler Sami Khedira und Toni Kroos die Kontrolle und inszenierten ihrerseits höchst ansehnliche Vorstöße.

Gündogan, der neue Taktgeber

„Es war ein hochklassiges Spiel, aber beide Mannschaften können bei der WM noch mehr zeigen“, sagte Löw. Die Partie gegen Rekordweltmeister Brasilien, die morgen in Berlin ausgetragen wird, möchte der Bundestrainer als nächsten Akt des Feinschliffs nutzen. Thomas Müller, der mit einem prächtigen Weitschuss im Spiel gegen Spanien den Ausgleichstreffer erzielte, und Mesut Özil durften bereits vorzeitig abreisen, weil sie mit ihren Klubs in den nächsten Wochen noch im Europapokal im Einsatz sind. Auch Khedira, der sich mit Problemen am Rücken plagt, wird voraussichtlich geschont. Auf seiner Position ist Ilkay Gündogan als versierter Taktgeber vorgesehen.

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26.03.2018, 06:00 Uhr

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