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Der Bus rollt elektrisch
Na dann viel Spaß: Bussparten-Chef Hartmut Schick (rechts) und sein Nachfolger Till Oberwörder. Foto: Daimler AG
Daimler

Der Bus rollt elektrisch

Der E-Citaro wird jetzt erprobt und soll vom kommenden Jahr an in Serie gehen. Die Batterie reicht für 150 Kilometer. Im Jahr 2030 sollen es 400 Kilometer sein.

06.03.2018
  • THOMAS VEITINGER

Stuttgart. Auch wenn Experten über so eine Aussage vermutlich nur enttäuscht den Kopf schütteln würden: Der Bus sieht aus wie andere auch. Er hat große Reifen und Außenspiegel, Lichter an allen Ecken und ist lang. Nur die Tarnfolie auf dem Dach lässt erahnen, dass es sich bei dem Stadtbus um etwas Besonderes handelt. Daimler selbst spricht dem Gefährt bei der Präsentation allerdings jegliche Alltäglichkeit ab und nennt ihn seinen „Stargast“. Nicht weniger als ein „neues Zeitalter“ sei angebrochen, sagte der Chef der Bussparte Hartmut Schick – ein batteriebetriebenes Zeitalter: Der Mercedes-Benz Citaro fährt vollelektrisch.

„Mit ihm werden elektrische Omnibusse in Europa vom Experiment zur Normalität“, sagt Schick, der seinen Posten zum Monatsende an Till Oberwörder übergibt und für Daimlers Lastwagen in Asien zuständig sein wird. Nun werde der Bus bei den Verkehrsbetrieben Rhein-Neckar erprobt. Die Batteriekapazität von 243 Kilowattstunden entspricht etwa der von 14 Elektro-Smarts. Die Reichweite liegt bei etwa 150 Kilometern – zunächst, denn die Entwicklung soll voranschreiten. Im Jahr 2030 könnten es 400 Kilometer sein.

Aber eines stellt Entwicklungsleiter Gustav Tuschen klar: „Es ist unmöglich, den Verbrennungsmotor von heute auf morgen durch einen vollelektrischen Antrieb zu ersetzen.“ Dagegen sprächen im Moment die Kosten, die noch eingeschränkte Reichweite, die aufwändigen Stromversorgung, die Umstellung beim Service und Schulung der Mitarbeiter. Ende des Jahres werde die Serienproduktion des E-Citaro mit seinen 80 Fahrgastplätzen bei Evo-Bus in Mannheim anlaufen, wo das Fahrzeug entwickelt wurde. „Danach können wir die Produktion je nach Kaufinteresse hochfahren“, sagt Schick. Der Elektrobus wird auf dem gleichen Band gebaut wie sein Diesel-Bruder. Derzeit beteilige sich Daimler an Ausschreibungen und geht „davon aus, dass bis 2030 etwa drei Viertel aller Stadtbusse in Europa über einen alternativen Antrieb verfügen werden“.

Mit dem Kauf eines E-Busses ist es laut Schick aber nicht getan: „Denn wenn ein Verkehrsbetrieb seine Flotte vollständig elektrifizieren möchte, ist dies ein komplizierter Eingriff in alle Betriebsabläufe und dauert mehrere Jahre.“ Daimler schaue sich dazu die Stadt genau an. Welche Strecken werden gefahren? Wo wird geladen? Wo kann zwischengeladen werden?

Vor allem das Wetter spielt eine entscheidende Rolle. Unter Idealbedingungen fährt der Bus fast 250 Kilometer weit. Aber sehr hohe oder tiefe Temperaturen, dichter Verkehr, viele Haltestellen und ansteigendes Gelände lassen die Reichweite stark schrumpfen, sagt Tuschen. Die nun angegebenen 150 Kilometer werden wohl auch nur erreicht, wenn „an wenigen sehr kalten Tagen im Jahr punktuell fossil zugeheizt wird“ – dann ist es vorbei mit der Vollelektrik.

Wann es vollelektrische Reisebusse geben wird – die dann in Neu-Ulm gebaut werden sollen – lässt Schick offen. „Unsere Ingenieure haben viele Ideen, aber Pläne gibt es noch nicht“, sagt der Sparten-Chef. Und wenn, würde sie Schick vermutlich nicht bekannt geben – wie die Tarnfolie am Busdach, die Mitbewerbern Informationen über Batterie und Ladestruktur vorenthalten soll.

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06.03.2018, 06:00 Uhr

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