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Übrigens

Der Charme vom Dings – Scheck

Jetzt hat sie auch in Tübingen ihr charmantes Wissenschaftswerk vorgestellt: Giulia Enders, die junge Frau mit dem Bestseller über den Darm. Dein unbekanntes Wesen. Ich muss gestehen: Auf Seite 202 blieb ich stecken. Das ging mir dann doch zu weit, zu sehr ins Detail – Toxoplasmen in Katzendärmen.

03.12.2014
  • Ernst Bauer

Dabei hatte ich schon begonnen, meine Sitzhaltung auf gewissen Örtchen zu korrigieren.

Umso mehr war ich von einem anderen Bestseller dieses Herbstes gefesselt, obwohl dessen Autor schon nach wenigen Seiten einen wirklich ekeligen „Lurch“ aus dem Klausner-Abwasch zaubert. Aber ein magischer Ort. War auch schon mal dort, ganz oben am Steilufer auf Hiddensee, vorletzten Sommer – eine der freundlichen Saisonkräfte brachte uns dürstenden Tagestouristen kühles Weizenbier; nebenan auf dieser Terrasse am Ende der alten DDR-Welt saß ein Mann und stöhnte, offenbar völlig unterzuckert, es klang schwäbisch, was seine Frau der Bedienung flüsterte. Einer wie „Kruso“ eilte aus dem Klausner zur Hilfe – Lutz Seiler hat daraus einen ganzen Roman gemacht.

Wie macht das eigentlich Denis Scheck? Immer einen dicken Koffer voller Bücher im Schlepptau. Immer alles schon gelesen. Auch das schwer Verdauliche. „Lesen Sie ‚Kruso‘ von Lutz Seiler“, empfahl das vielbewanderte Literaturpäpstle auf der diesjährigen Buchmesse seinem Publikum an der ARD-Schaubühne. Konnte dort auch noch, eher zufällig, ein ganz anderes literarisches Genie kennenlernen, Genius loci Puntigami – Krimiautor Wolf Haas, vom vifen Scheck interviewt. Seit ich den Wiener Schriftsteller von meinem Schwiegersohn vor einiger Zeit empfohlen bekam, verschlinge ich dessen „Knochenmann“ und sämtlichen Brenner-Stoff.

Und nun saß der leibhaftig da oben, plauderte munter mit dem Scheck, gestand ihm ganz und gar unverblümt: Ja, das Krimi-Schreiben, „das werd‘ ich wohl noch können, wenn ich für das andere zu blöd bin“. Aber wenn du denkst, der Haas, der feixt da jetzt bloß herum, dann Fehlschluss. Ließ noch ganz andere Sätze fallen, philosophisch, wie der Brenner, seine große Detektiv-Romanfigur: „Na ja, ich glaub‘, mit dem Erzählen beginnt jeder Mensch, wenn er seine Eltern anlügt.“

Aber interessant. Schon dem Denis Scheck ist aufgefallen, dass du bei der Lektüre dieses Brenner-Stoffs unwillkürlich in die etwas hoppelnde, abgehackt daherkommende Sprache des Autors verfällst. Frauen mögen das offenbar auch, ein Charmeur, Lachen steckt an. Aber er verrät nicht viel über sich. „Fragen Sie die Frau in Rot“ – die kenne seine weiteren Termine, meinte er hinterher beim Signieren meines zerfledderten „Knochenmanns“. Der ebenfalls stets charmante Scheck musste sein ganzes literarisches, biografisches Wissen aus dem Gehirnkastl hervorkramen, um den Autor etwas aus der Reserve zu locken. Scheck-Buch sozusagen. Aber spannend. Schon wieder was passiert.

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03.12.2014, 12:00 Uhr

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