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Der Computer ordert
die Brötchen
Eine Brotauslage wird am 17.09.2012 auf der internationalen Bäckereiausstellung (iba 2012) in München (Bayern) den Besuchern präsentiert. Foto: Bildquelle
Innovation

Der Computer ordert die Brötchen

Zur richtigen Zeit das richtige Produkt im Regal. Mit einer neuen Software sollen Bäcker und Lebensmitteleinzelhändler ihre Bestellungen optimieren können.

15.01.2017
  • SIMONE DÜRMUTH

Ulm. Vor dem Feiertag will man noch schnell Baguette fürs Fondue kaufen, aber die Regale sind leer. Oder: Beim Bäcker im Supermarkt ist die Auslage auch um 19 Uhr noch prall gefüllt. Wenig später wird alles einfach weggeworfen. Zwei Szenarien wie sie häufig vorkommen. Eine kleine Firma aus Mannheim hat sich die Lösung des Problems mittels eines Algorithmus' zum Ziel gesetzt.

Der Verschwendung von Lebensmitteln etwas entgegensetzen und zugleich die Gewinne der Händler maximieren. Das ist die Idee hinter Opal, kurz für Operational Analytics. Mit einem Analysetool wollen die Gründer ihren Kunden den Bedarf zum Beispiel bei Backwaren tages- und sogar stundengenau vorhersagen. So seien die Kunden zufrieden, weil genug Ware da ist, der Händler muss aber auch nichts wegwerfen. Die Softwarelösung werde als Dienstleistung über das Internet angeboten. Diese könnten so ihre Daten unkompliziert und in Echtzeit analysieren und so ihre Bestellmengen präzise prognostizieren.

Alexander Gossmann, Geschäftsführer von Opal, nennt ein Beispiel: „Wenn das Wetter gut ist, kaufen die Menschen mehr Baguette und Grillprodukte.“ Was zunächst mal wie ein Allgemeinplatz klingt, ist aber nur der Anfang. So wertet Opal zum Beispiel die Kassendaten eines Supermarkts oder eines Bäckers aus und stellt so fest, dass am Vormittag vor allem herzhafte Snacks gekauft werden, am Abend, wenn viele auf dem Heimweg von der Arbeit sind, steigt die Nachfrage nach Brot. Und im Sommer werden generell weniger Backwaren gekauft.

Kundendaten und Wetterbericht

Die Daten der Kunden kombiniert Opal mit externen Werten, zum Beispiel dem Wetterbericht. So werde zum Beispiel weniger Baguette nachgefragt, wenn mittags ein Gewitter aufzieht. Und auch die Kundenströme an sich können sich verändern. „Wenn es regnet gehen die Kunden eher nicht zum Supermarkt an der Ecke, sondern sie setzen sich ins Auto und fahren zum Einkaufen. Oft zu einem weiter entfernten Markt“, so Gossmann.

Eine möglichst genaue Planung ist bei Lebensmitteleinzelhändlern und Bäckern längst üblich. „Schon seit längerer Zeit arbeiten viele Unternehmen des Bäckerhandwerks im Bereich Bestellwesen mit den Daten aus der Vergangenheit, zum Beispiel mit den Verkaufszahlen des Vorjahres, und auch mit den Wetterdaten von Morgen“, sagt Heino Scharfscheer vom Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks.

Diese Art der Planung sei aber personalintensiv und anfällig für Fehler, erklärt Daniel Gürtler, kaufmännischer Leiter von Görtz mit Sitz in Ludwigshafen. Die Bäckerei mit 152 Filialen ist der erste Kunde von Opal. Bei vier Einzelhändlern in Deutschland und bei einem Kunden im Ausland befinde der Algorithmus außerdem in der Testphase, heißt es von Opal. „Im Moment ist das Planen mit dem System noch ein größerer Aufwand, es wird aber jeden Monat einfacher“, so Gürtler. Das neue System bringe im Arbeitsalltag zwar keine Erleichterung, allerdings habe er festgestellt, dass sich die Verfügbarkeit von Produkten verbessert habe – und damit seien die Kunden zufriedener. Bei Görtz werden Teiglinge in die Filialen geliefert, die dort dann gebacken werden.

Bäcker sind aufgeschlossen

Grundsätzlich stünden die Bäcker Innovationen positiv gegenüber, glaubt Scharfscheer. So hätten in den vergangenen Jahren einige Betriebe zum Beispiel Programme eingeführt, die die Berechnung der Nährstoffe und die Auszeichnung von Allergenen übernehmen. Dazu muss der Bäcker nur seine Rezeptur eingeben. Trotzdem glaubt er, dass das Einsatzgebiet für Opal beschränkt sein wird.

Gerade kleinere Bäckereien mit wenigen Filialen, und die machen beim Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks einen großen Teil der Mitglieder aus, seien eher zurückhaltend, was die Digitalisierung angehe. Je größer ein Betrieb, desto effektiver könnten neue Technologien eingesetzt werden. Entsprechend werde auch das Einsparpotential größer. Außerdem hänge der Erfolg des Programms davon ab, ob es an die Bedürfnisse der verschiedenen Betriebe angepasst werden kann.

Die jungen Gründer aus Mannheim haben sich vorgenommen, mit Opal möglichst viele Bäckereien und Backshops zu erreichen. Aber auch den Lebensmitteleinzelhandel sehen sie als mögliche Kunden, vor allem beim Einkauf leicht verderblicher Lebensmittel wie Fleisch. „Beim Bäcker ist der Zusammenhang unmittelbar: Was nicht verkauft wird, wird weggeworfen und wird als Verlust verbucht“, so Gossmann. Ähnlich sei die Situation beiFrischwaren im Supermarkt. Andererseits bedeute es einen großen Imageschaden für Händler, wenn ein Produkt fehlt.

In der Vernetzung sieht Gossmann generell die Zukunft des Lebensmitteleinkaufs. „Es wird immer stationären Handel geben, aber wir werden zum Beispiel schon von zu Hause aus über eine App unseren Warenkorb zusammenstellen. Vor Ort kann man sich dann noch ein paar Dinge anschauen.“

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15.01.2017, 06:00 Uhr

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