Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Der Turn- und Sportverein setzte auf musikalische Erfolgsgaranten

Der Ergenzinger Wasen bebte wieder

Das Ergenzinger Fußball-Pfingstturnier der U20-Junioren ist nicht nur eine viele Zuschauer anziehende Sportveranstaltung, sondern nebenher auch eine Miniausgabe des Cannstatter Volksfests mit Rummelplatz und Musik für alle Generationen im Festzelt.

29.05.2012

Die Schaustellerfamilie Spangenberger aus Saarlouis kommt seit 30 Jahren zum Pfingstturnier nach Ergenzingen. Ihr gehören die 15 Jahre alte Magic-Schleuder und ein Kinderkarussell. Der 33-jährige Juniorchef Mike Spangenberger sitzt im Kassenhäuschen und verkauft Fahrchips. Im Kinderwagen neben ihm schläft seine Tochter. Mit seiner Frau und seinem Vater löst sich der Schausteller bei der Betreuung der Kleinen ab.

16 Stunden haben Spangenberger und seine vier rumänischen Angestellten benötigt, um die Magic-Schleuder aufzubauen. Schwangeren und Kindern unter sechs Jahren rät Spangenberger von der rasanten Fahrt ab, bei Senioren hat er dagegen keine Bedenken. „Es fahren immer wieder 70- und 80-Jährige mit. Gesundheitliche Probleme gab‘s dabei noch nie.“

Am Festzelt stehen Security-Mitarbeiter in weißen Hemden. Der Einsatzleiter, ein 33-jähriger aus Vöhringen, ist im Hauptberuf Schornsteinfeger. Dass er, wie viele seiner Kollegen, Kickboxen kann, sei für die Arbeit kaum entscheidend: „Wir brauchen hier keine Killer oder Profischläger, sondern Leute, die ins Team passen, schlichten können und Autorität ausstrahlen.“ Wichtig für die Security-Leute ist, dass ihr Einsatzort weit genug vom Wohnort entfernt liegt. „Wenn ich den Sohn von meinem Chef aus dem Festzelt werfen müsste, wäre das nicht so schön“, sagt der Türsteher. Sein Trick: „Bei Betrunkenen holen wir gerne die Helfer vom Roten Kreuz. Von Sanitätern lassen sich Jugendliche oft eher beruhigen.“

Am Samstagabend schickt Rot-Kreuz-Helfer Horst Staud, ein ehemaliger Polizist, gerade einen Jugendlichen nach Hause, damit er seinen Rausch ausschlafe. Mehr als 20 Helfer der Ergenzinger DRK-Ortsgruppe sind im Einsatz. „Wir sind immer zu viert im Zelt und zu zweit am Fußballplatz“, berichtet Staud. „Den Einsatzort wählen wir nach Vorliebe. Bei uns gibt es Schlagerfans und Fußballfans, aber auch welche die sich für beides begeistern und den Einsatzort wechseln.“ Unter den Pfingstturnier-Helfern sind auch solche, die längst nicht mehr im Ort leben. Friederike Heller wohnt in Schlaitdorf. „Mit dem Roten Kreuz beim Pfingstturnier und in Seebronn beim „Rock of Ages“ mitzuhelfen, ist für mich der Höhepunkt des Jahres“, erzählt sie.

Während am Samstag draußen der Ball gedroschen und gestreichelt wird, muntert Allein-Unterhalter Kurt – ein ehemaliges Bandmitglied der Picadores – beim Seniorennachmittag 200 Frauen und Männer an den Biertischen im Festzelt auf. Anschließend erhitzt die Gruppe Herzschlag mit Trinkliedern wie „Ein Prosit der Gemütlichkeit“ die Stimmung, bevor der Stargast des Abends die Bühne erklimmt: Schlagerbarde Oliver Thomas.

Er erinnert nicht nur mit seinem Künstlernamen – eigentlich heißt er Oliver Dyba – und mit dem langen blonden Haar an seinen Tübinger Kollegen Dieter Thomas Kuhn, er hat auch zwei von dessen bekanntesten Nachsing-Hymnen im Programm: „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“ (im Original von Jürgen Marcus ein Riesen-Hit) und „Ti Amo“ (Original von Umberto Tozzi, deutsch von Howard Carpendale).

Auf seine Ähnlichkeit mit Kuhn angesprochen, sagt der 35-jährige Balinger Oliver Thomas: „Ich bin ursprünglich Schlagzeuger. Deshalb hab’ ich seine Lieder rhythmisch etwas aufgepeppt.“ Neben alten Schlagern singt Thomas auch eigene Hits, etwa „Mädchen sind was Wunderbares“, mit dem er 1997 die ZDF-Hitparade gewann, und den brasilianischen Sommer-Hüftbieger „Ai eu su te pego“.

Das Zelt ist nach 22 Uhr mit 2000 Leuten voll besetzt. 23 Uhr: Die Stimmung kocht. Es jubeln auch etliche Frauen, die T-Shirts mit der Aufschrift „Oliver-Thomas-Fanclub“ tragen. „Ich kenne die Fans alle persönlich. Die meisten kommen aus meiner Geburtsstadt Alpirsbach. Eine Frau ist aber auch aus Köln, eine aus Ulm angereist“, sagt Thomas.

Bereits am Freitagabend füllte ein junges Publikum bei der „Players Night XXL“ mit DJ Boa das Festzelt. Mit von der Partie waren auch die A-Jugend-Kicker des TuS Ergenzingen. „Aber wir sind offensichtlich auch rechtzeitig um eins ins Bett gegangen“, sagt einer der Spieler nach dem Unentschieden gegen die Nationalmannschaft Bulgariens.

Die Bedienungen eines Herrenberger Catering-Services haben am Sonntagmittag am meisten zu tun, weil reichlich Gäste zum Mittagessen kommen. Im Anschluss an den ökumenischen Jugendgottesdienst blasen die Randenmusikanten zum Frühschoppen. Hier und da sind auch Frauen zu sehen, die wie gewünscht Dirndl tragen. Von bayerischen Verhältnissen kann im Gäu aber keine Rede sein.

Die beim Ergenzinger Mittelalter so beliebten Randenmusikanten beweisen Kondition und musizieren den Nachmittag böhmisch-mährisch durch: Klassische Volksfeststimmung. Danach das selbe Spiel wie voriges Jahr: Die Joe Williams Band machte Party-Power-Musik mit gecoverten Titeln zum Mitsingen, zum Körperschütteln, zum Hände-hoch-Werfen. Um 22.30 Uhr ist es so voll, dass niemand mehr reingelassen wurde: Der Ergenzingen Wasen bebt.

Der Ergenzinger Wasen bebte wieder
Bildunterschrift: Flattersatz links Bildunterschrift: Flattersatz rechts

Der Ergenzinger Wasen bebte wieder

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

29.05.2012, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball