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„Der Euro ist eine Währung auf Zeit“
Marc Friedrich (links) und Matthias Weik Foto: Bildquelle
Finanzwelt

„Der Euro ist eine Währung auf Zeit“

Die Bestseller-Autoren Matthias Weik und Marc Friedrich schreiben zusammen mit dm-Gründer Götz Werner ein „Wachrüttel-Buch“.

26.10.2016
  • SUSANN SCHÖNFELDER

Göppingen.. Matthias Weik und Marc Friedrich stürmten 2012 mit „Der größte Raubzug der Geschichte“ über Nacht die Bestseller-Listen. Auch ihr zweiter Wirtschaftskrimi „Der Crash ist die Lösung“ und der dritte Coup „Kapitalfehler“ trafen den Nerv der Zeit und wurden ein Riesenerfolg. Mittlerweile haben die zwei 40-jährigen Finanzstrategen und Querdenker aus dem Remstal mehr als 300 000 Bücher verkauft, unter anderem gibt es eine englische, koreanische und eine chinesische Übersetzung. Nun arbeiten Weik und Friedrich an ihrem vierten Buch – zusammen mit Götz Werner, dem Gründer und Aufsichtsratsmitglied der Drogeriemarktkette dm. Werner ist für seine besondere Art der Unternehmensführung sowie sein politisches und soziales Engagement bundesweit bekannt.

Herr Friedrich, wie kam es dazu, dass Sie mit dem bekannten Unternehmer Götz Werner ein Buch schreiben?

Marc Friedrich: Wir haben Götz Werner bei einer Podiumsdiskussion im Forum 3 in Stuttgart, einem anthroposophischen Zentrum, kennen gelernt. Es ging um unser erstes Buch und das Thema „Neue Wirtschaft – neues Banking“. Wir fanden uns auf Anhieb sympathisch, Herr Werner hat auch unsere Bücher gelesen und fand sie klasse. Im Sommer, kurz nach dem Brexit, haben wir dann gesagt, wir müssen gemeinsam ein Buch schreiben, ein Wachrüttel-Buch vor der Bundestagswahl. Die Idee kam von uns, und er war sofort Feuer und Flamme.

In Ihren ersten drei Büchern rechnen Sie mit den Machenschaften der Finanzindustrie ab. Worum geht es in Ihrem vierten Buch?

Friedrich: Unsere Welt ist wirtschaftlich und politisch aus den Fugen geraten, und zwar weltweit. Extremistische Parteien haben enormen Zulauf. Wir schreiben daher ein überparteiliches Buch mit Lösungsansätzen für eine Politik, die allen Menschen dient und nicht nur einigen wenigen. Wir stellen ein Programm für die Zukunft Deutschlands auf. Es geht beispielsweise um das Steuer- und Rentensystem oder die Schaffung von Arbeitsplätzen, die durch die Digitalisierung immer weniger werden. Das Buch wird so etwas wie eine Fibel mit kurzen, prägnanten Kapiteln sein, die man dann immer schnell nachlesen kann.

Wann kommt das Buch auf den Markt?

Matthias Weik: Im Frühjahr 2017. Es wird im Eichborn-Verlag erscheinen. Wir haben uns bereits mit Herrn Werner getroffen und arbeiten fleißig an dem Buch.

Sind Sie sich denn stets einig, was Sie zu Papier bringen wollen?

Friedrich: Ja, die Deckungspunkte sind da. Wir sehen alle drei die Brisanz. Götz Werner ist der lebende Beweis, dass wirtschaftlicher Erfolg und Fairness funktionieren können. Er ist Milliardär, unheimlich erfolgreich und ein guter Mensch, der seine Mitarbeiter fair behandelt und sich mit seiner gemeinnützigen Stiftung sozial engagiert. Seine Leidenschaft und sein Antrieb, Gutes zu tun, sind beeindruckend.

Sie geißeln seit vielen Jahren den Finanzkapitalismus als schlechten Kapitalismus ...

Weik: Ja, weil das Vermögen global ungleich verteilt ist. 62 Milliardäre besitzen heute so viel wie 3,5 Milliarden Menschen – das ist die Hälfte der Weltbevölkerung. Die globale Umverteilung von unten, der Mitte und oben nach ganz ganz oben geht immer schneller. Durch die Digitalisierung erreicht der Kapitalismus seinen Zenit: Wir machen Online-Banking, scannen unsere Produkte im Supermarkt selbst ein, kümmern uns am Flughafen ums Einchecken. Wir sind kostenlose Mitarbeiter großer Konzerne, die ihren Profit auf unsere Kosten maximieren.

Immer wieder treten Vorhersagen Ihrer Bücher tatsächlich ein. Jüngstes Beispiel ist die ins Trudeln geratene Deutsche Bank. Haben Sie eine Glaskugel daheim?

Friedrich: Wir haben keine hellseherischen Fähigkeiten und auch keine Kristallkugel bei Ebay bestellt. Unsere Vorhersagen beruhen auf einer Mischung aus Recherche, Analyse, Insider-Informationen und Bauchgefühl. Bei der Deutschen Bank waren es schlichtweg die Zahlen. Als wir die gesehen haben, wussten wir: Bei der Deutschen Bank brennt die Hütte. Aufgrund ihrer Größe ist eine Pleite ausgeschlossen. Ein Konkurrent wird eine Bank, die 8000 laufende Verfahren an der Backe hat und Derivate in Höhe von 42 Billionen Euro außerhalb der Bilanz, wohl auch nicht übernehmen. Daher dürfte es auf eine Verstaatlichung hinauslaufen.

Was wird als nächstes passieren?

Weik: Die Negativzinsen werden kommen. Mit unserem ersten Buch vor vier Jahren haben wir mit dieser Ankündigung für Kopfschütteln gesorgt. Damals klangen Null-Zinsen abstrus, heute ist es bittere Realität. Und es wird noch viel schlimmer werden. Das fatale System der Notenbank wird nicht funktionieren, es treibt einen Keil zwischen die Menschen, führt zu Armut und Jugendarbeitslosigkeit. Das ist wie mit dem Frosch im Wasser: Erst wird es schön warm. Und wenn es zu heiß ist, kommt er nicht mehr raus. Das Problem ist: Wir sind der Frosch.

Haben Sie sonst noch eine düstere Vorahnung – so wie Sie auch den Brexit vermutet haben?

Friedrich: Die Beschränkung beziehungsweise Abschaffung des Bargelds wird kommen. Und ich glaube, Trump hat gute Chancen, US-Präsident zu werden. Es werden extremistische Kräfte in Europa weiter an Zulauf gewinnen.

Sie prophezeien schon seit einigen Jahren den Untergang des Euro. Wann wird es soweit sein?

Weik: In den nächsten fünf Jahren werden wir ein anderes Geldsystem haben. Der Euro ist eine Währung auf Zeit. Wer die Zerfallserscheinungen nicht erkennt, dem ist nicht mehr zu helfen. Mehr denn je ist zu erkennen, dass in Europa mehr gegeneinander anstatt miteinander gearbeitet wird. Die Zinsen werden nie wieder steigen, denn dann wäre Südeuropa pleite. Nur Nullzinsen halten das Geldkarussell am Leben.

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26.10.2016, 06:00 Uhr

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