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Belastung für Export - Endet damit ein kostenloses Konjunkturprogramm?

Der Euro wird wieder stärker

Von wegen Euro-Schwäche: Der Außenwert der europäischen Gemeinschaftswährung legt seit geraumer Zeit wieder zu. Zwischen längerfristigem Trend und Strohfeuer gibt es viele Interpretationen.

06.04.2016
  • FRIEDRIKE MARX, DPA

Frankfurt. Der Euro gewinnt an Stärke. Zwar ist die europäische Gemeinschaftswährung mit etwa 1,14 Dollar derzeit noch weit entfernt von ihrem Höchststand von knapp 1,60 Dollar im Jahr 2008. Doch zuletzt machte sie gegenüber der US-Währung an Boden gut. Hier Fragen und Antworten zum Thema:

Wieso steigt der Euro? Ein wichtiger Faktor ist die Geldpolitik der Notenbanken in Europa und den USA. Die Europäische Zentralbank (EZB) flutet im Kampf gegen die Mini-Inflation und Konjunkturschwäche in mehreren Euro-Staaten die Märkte mit Geld, die Zinsen sind praktisch abgeschafft. Dagegen erhöhte die US-Notenbank Fed im vorigen Dezember erstmals seit der Finanzkrise wieder die Zinsen. Für Investoren wird es so attraktiver, Geld in Dollar als in Euro anzulegen. Das stärkte den "Greenback".

Zuletzt trat die Fed jedoch auf die Bremse. Für 2016 sind nur noch zwei Zinsschritte die Zielmarke, bisher waren vier geplant. Derzeit sei die Versuchung in den USA, Japan, China und Europa groß, Wachstum über eine Abwertung der eigenen Währung zu erreichen, kritisiert der Chef der Allianz-Tochter AGI, Andreas Utermann. "Das ist eine direkte Folge der geldpolitischen Lockerung", sagte er dem "Handelsblatt".

Was bedeutet das für die deutsche Wirtschaft? Ein stärkerer Euro kann die Absatzchancen der exportorientierten deutsche Wirtschaft auf dem Weltmarkt dämpfen, weil er Produkte "made in Germany" außerhalb der Eurozone verteuert. Der Effekt des niedrigen Euro-Kurses "scheint erwartungsgemäß zu verpuffen, und die Probleme der Weltwirtschaft treten zutage", warnte jüngst der Präsident des Außenhandelsverbandes BGA, Anton Börner. Die deutschen Maschinenbauer gehen davon aus, dass ihnen in diesem Jahr der Rückenwind durch den einst sinkenden Euro-Kurs fehlt, der Maschinen aus Deutschland auf dem Weltmarkt zuletzt billiger gemacht und damit die Nachfrage angekurbelt hatte.

Was bringt ein schwacher Euro den Unternehmen konkret? Nach Schätzungen des Beratungsunternehmens EY profitierten im vergangenen Jahr allein die Dax-Konzerne mit etwa 46 Mrd. EUR von der Euro-Sonderkonjunktur. Denn bei einem schwachen Euro steigen im Ausland erzielte Einnahmen bei der Umrechnung in die Gemeinschaftswährung.

Hat ein stärkerer Euro auch Vorteile? Ja, Importe - zum Beispiel Rohstoffe, die in Dollar abgerechnet werden -, aber auch Metallerzeugnisse sowie Gummi- und Kunststoffwaren werden dadurch billiger. Das entlastet rohstoffverarbeitende Unternehmen und auch die Verbraucher beim Tanken und Heizen. Allerdings ist der Preisauftrieb in Deutschland wegen der niedrigen Rohölpreise ohnehin gering: Im März lag die jährliche Teuerungsrate bei nur 0,3 Prozent. Positiv bemerkbar macht sich ein stärkerer Euro im Urlaubsbudget. Reisen zum Beispiel in die USA können dadurch günstiger werden.

Hält der Anstieg des Euro-Kurses an? Das ist eher unwahrscheinlich. EZB-Präsident Mario Draghi wird nicht müde zu betonen, dass die Zinsen im Euroraum auf absehbare Zeit niedrig bleiben dürften und die Notenbank im Kampf gegen die Mini-Inflation noch genug Pfeile im Köcher hat. "Wir werden nicht vor der niedrigen Inflation kapitulieren", sagte der EZB-Präsident Draghi Anfang März. Wenn im Laufe des Jahres wieder über eine weitere Lockerung der EZB-Geldpolitik spekuliert werde, dürfte der Euro erneut fallen, erwartet Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Ähnlich sehen das auch Ökonomen der Postbank. Sie gehen davon aus, dass die unterschiedliche Politik der Notenbanken steigende Zinsen in den USA und "damit eine nachhaltige Abwertung des Euro zur Folge haben wird". Der Chef der Allianz-Tochter AGI fordert ein neues internationales Währungsabkommen. "Versuchen wir doch, den Abwertungswettlauf der Währungen zu stoppen", sagte Utermann im "Handelsblatt".

Währungen werden am Devisenmarkt gehandelt

Riesige Summen Währungen oder Devisen werden wie Aktien oder Rohstoffe gehandelt. Der Devisenmarkt ist der größte Finanzmarkt überhaupt. Hier werden Währungen im Wert von unvorstellbaren fünf Billionen Euro gehandelt – pro Tag. Aus Angebot und Nachfrage ergibt sich der Wechselkurs zwischen zwei Währungen; etwa zwischen Euro und Dollar. Das heißt immer auch: Fällt der Eurokurs, steigt spiegelbildlich der Dollarkurs und umgekehrt. Eine mittlerweile seltene Alternative zu freien Wechselkursen sind feste beziehungsweise nur in einer bestimmten Spanne schwankende Wechselkurse. hes

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06.04.2016, 06:00 Uhr

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