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Mittwochs-Interview: Erst Bahn – dann Prüfung

Der Eutinger Radfahrer Fabio Nappa über seine nahen und fernen Zukunftspläne

Die Hoffnung auf die ganz große Karriere hat Radfahrer Fabio Nappa (23) aus Eutingen aufgegeben. Am Freitag fährt er ab 18 Uhr in Öschelbronn beim Bahnmarathon über 1001 Runden. Veranstalter RSV Öschelbronn ist Nappas Heimatverein und wirbt mit dem Slogan „Längstes Bahnrennen der Welt“. Im Interview spricht Nappa über gemischte Gefühle vor dem Rennen, sein neues Leben als Amateurfahrer und seine Zukunftspläne.

08.07.2015
  • Interview: Vincent Meissner

SÜDWEST PRESSE: Herr Nappa, früher sind Sie häufig mal fünf Stunden am Tag im Sattel gesessen und haben Trainingskilometer runtergerissen. Inzwischen sind es gerade noch dreieinhalb bis vier Stunden pro Tag. Sind Sie faul geworden?

Fabio Nappa: (Lacht) Nein. Aber es ist schon alles ziemlich zeitintensiv. Ich studiere per Fernstudium im vierten Semester Betriebswirtschaftslehre mit der Vertiefung Sportmanagement auf Bachelor. Und der Aufwand dafür wird auch von Semester zu Semester mehr.

Wie sehr vermissen Sie die Quälerei?

Eigentlich gar nicht. Es ist eher angenehm.

Waren Sie heute schon auf dem Rad?

Nein, das werde ich nachher noch machen.

Haben Sie Spezialtricks bei der Hitze?

Puh! Viel, viel trinken. Das ist das Wichtigste. Ich bin wirklich froh, dass ich vergangenes Wochenende keinen Wettkampf hatte.

Wo fahren Sie denn im Training so rum im Gäu?

Das ist ganz unterschiedlich und kommt darauf an, mit wem ich unterwegs bin. Man trifft sich dann irgendwo in der Mitte und dreht zusammen eine Runde. Gerade fahre ich gern auf dem Nagoldtal-Radweg. Da gibt es viel Schatten.

Am Freitag fahren sie bei den 1001 Runden in Öschelbronn praktisch einen kräftigen Pedaltritt vor Ihrer Haustüre. Wie groß ist die Vorfreude?

Das ist so eine Sache. Einerseits ist es immer ein schönes Rennen. Andererseits ist es aber auch ganz schön hart. Aber die Vorfreude ist schon da. Klar. Und es kommen auch einige Freunde und Verwandte zum Anfeuern.

Sie fahren erstmals gemeinsam mit Christoph Muche im Zweierteam, der 2011 Deutscher Meister im U 23-Einzelzeitfahren auf der Straße war und auch auf der Bahn erfolgreich unterwegs ist. Wie kam es dazu?

Ich kenn’ ihn schon seit dem Juniorenalter und wir fahren ja zusammen im Ratisbona-Team. Und ich hab’ ihn einfach mal gefragt, ob er nicht Lust hätte, mit mir in Öschelbronn zu fahren. Wir gehen im Laufe der Woche noch mal gemeinsam nach Öschelbronn zum Trainieren. Ob es am Freitag mit uns hundertprozentig klappt, weiß ich aber auch nicht.

Was ist Ihr Ziel in Öschelbronn?

Das ist schwierig zu sagen. Wir sind meistens auf der Straße unterwegs. Und das ist eben was ganz anderes als auf der Bahn. Teilweise kommen echte Bahnspezialisten nach Öschelbronn. Da ist es schwierig, ganz vorne rein zu fahren. Außerdem ist noch gar nicht klar, wer alles mitfährt. Häufig gibt es auch noch Nachmeldungen bis kurz vor Rennbeginn.

Vergangenes Jahr haben Sie den Traum vom Profi-Radsport ad acta gelegt und beim Amateurteam Ratisbona Regensburg unterschrieben. Wie zufrieden sind Sie dort?

Sehr. Ich habe dort deutlich mehr Freiheiten, muss weniger trainieren und fahre auch weniger Rennen. Bislang hatte ich etwa 20 Renntage diese Saison.

Auf welchen Rennen treiben Sie sich rum?

Das ist ganz unterschiedlich. Im März war ich bei einer viertägigen Rundfahrt in Kroatien, bei der „Istrian Spring Trophy“. Da kam ich direkt aus der Wintervorbereitung und das Ziel war einfach, die Form zu holen für die Saison und Rennkilometer zu sammeln.

Welchen Platz haben Sie belegt?

Ich bin auf der letzten Etappe ausgestiegen. Ich war einfach zu platt.

Und sonst?

Ansonsten fahre ich immer wieder Bundesliga-Rennen oder bei sonstigen Veranstaltungen in Süddeutschland. In Ilsfeld-Auenfeld bei Heilbronn Anfang Juni bin ich in der Bundesliga um Platz 30 reingefahren. Da ist es ganz gut gelaufen.

Was macht eigentlich Ihr Traum von einem kleinen Amateur-Team bei ihrem Heimatverein RSV Öschelbronn?

Das schwankt immer ein bisschen hin und her. Dieses Jahr sind vermehrt Fahrer vom RSV Öschelbronn bei Rennen auf ganz kleinem Baden-Württemberg-Niveau unterwegs gewesen. Ich unterhalte mich auch mit potenziellen Fahrern, die in Öschelbronn einsteigen könnten. Es gibt aber noch nichts Konkretes.

Ist das vom Niveau her nicht zu niedrig für Sie?

Eigentlich suche ich ein Zwischending zwischen dem, was ich jetzt mache, und dem, was gerade mit Öschelbronn möglich wäre. Die Bundesliga-Rennen in Regensburg will ich eigentlich auch nicht mehr. Die Rennen, bei denen Öschelbronner Fahrer dieses Jahr unterwegs sind, sind aber auch nichts. Und irgendwo als Einzelfahrer zu starten und da nur Passagierrennen zu fahren, will ich auch nicht.

Sie sind jetzt im vierten Semester Ihres Studiums. Haben Sie schon einen Plan, wie es nach dem Studium beruflich weiter gehen soll?

Es kommt jetzt schon die Zeit, in der man sich mehr Gedanken macht. Aber entschieden habe ich mich noch nicht. Dadurch, dass ich im ersten Studienjahr noch auf Continental-Team-Niveau gefahren bin, werden es bei mir wahrscheinlich eh sieben statt üblicherweise sechs Semester werden. Am Samstag nach den 1001 Runden in Öschelbronn habe ich jedenfalls eine Prüfung in Controlling und Qualitätsmanagement.

Oha, das klingt nach Stress!

Ach, das passt schon. Ich hab mich ganz gut vorbereitet. Das dürfte am Freitag keine Probleme machen.

Wenn es schon nicht als Fahrer zu einem Profirennstall gereicht hat, könnten Sie ja auch über das Hintertürchen Sportmanagement in den großen Radzirkus einsteigen. Es gibt ja jetzt mit Giant-Alpecin auch wieder ein deutsches Team der höchsten Kategorie. Würde Sie das reizen?

Ja, warum nicht. Aber da müsste man mal die Möglichkeiten abwägen, die es gibt. Die Frage ist auch, wie gut sich das in den nächsten ein, zwei Jahren entwickelt.

Läuft bei Ihnen gerade ständig der Fernseher mit der Tour de France?

Eher weniger. Ich schau’ mir abends die Schlussankunft an. Aber ansonsten habe ich grade andere Prioritäten, etwa mit Lernen.

Wer gewinnt die Rundfahrt?

Ich tippe auf Christopher Froome.

Wie genervt sind Sie von den nicht nachlassenden Doping-Diskussionen?

Was heißt genervt. Man hat sich damit inzwischen abgefunden. Ich weiß schon gar nicht mehr, wie es ohne ist.

Sind Sie selbst mal in Berührung mit verbotenen leistungssteigenden Mitteln gekommen?

Nein, in die Leistungsklassen bin ich nie vorgedrungen.

Der Eutinger Radfahrer Fabio Nappa über seine nahen und fernen Zukunftspläne

Der Eutinger Fabio Nappa (23) hat seine Karriere einst beim RSV Öschelbronn begonnen und fährt nach dem Ende seiner Profi-Ambitionen seit diesem Jahr für das Amateurteam Veloclub Ratisbona Regenburg. Zuvor war er als Profi drei Jahre in einem Kontinentalteam unterwegs. Zu seinen größten Erfolgen zählt der Gewinn des Bergtrikots bei der Indonesia-Tour im Jahr 2011 (Gesamtwertung Rang vier). Auf nationaler Ebene fuhr er 2010 in der Altersklasse U 19 auf Platz fünf. Ebenfalls Fünfter war Nappa 2012 der Deutschen Berg-Meisterschaft der U 23.

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08.07.2015, 12:00 Uhr

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