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Gewerbe

Der Fachkräftemangel und wie man ihn beheben kann

Günther Kuch, Handwerksmeister aus Isenburg, beschreitet neue Wege, um neue qualifizierte Mitarbeiter für seinen Betrieb „Stein & Design“ zu gewinnen.

16.03.2018
  • Manuel Fuchs

Handwerksbetriebe brauchen zweierlei: lukrative Aufträge und kompetente Mitarbeiter. Über die Auftragslage für Stein & Design kann deren Inhaber, Straßenbaumeister Günther Kuch nicht klagen. Niedrige Zinsen kurbeln schon seit einiger Zeit die Geschäfte im Baugewerbe gründlich an: „Die Leute investieren Ihr Geld lieber in Haus und Garten, als auf der Bank Strafzinsen zu zahlen“, erklärt er.

Aufträge von der öffentlichen Hand laufen stabil, Geschäftskunden, beispielsweise Autohäuser werden immer wichtiger für Stein & Design: „Gerade erst haben wir für eines dreieinhalbtausend Quadratmeter Parkplatz gepflastert. Viel Stein, etwas weniger Design“, schmunzelt er. Dazu komme, dass sich sein Unternehmen in der Region einen gewissen Bekanntheitsgrad und einen guten Ruf erarbeitet habe, daher auch öfter einmal weiterempfohlen werde.

Gleichzeitig gibt es ingesamt immer weniger Handwerksbetriebe, auch immer weniger ausgebildete Handwerker. „Heutzutage meint ja jeder, Abitur machen und studieren zu müssen. Das Handwerk ist dagegen unattraktiv geworden“, wirft sein Bautechniker Andreas Henne ein.

Das Ende vom Lied: Stein & Design muss Aufträge ablehnen oder die Auftraggeber lange vertrösten, weil Arbeitskräfte fehlen. Das Grundproblem kennt jeder, der in der letzten Zeit einen Handwerker beauftragt hat oder es tun wollte: Oft sind die Betriebe auf Wochen ausgebucht oder winken ganz ab. „Wir suchen Straßenbauer, Garten- und Landschaftsbauer, Maurer und Maschinisten“, listet Kuch auf. Er würde sofort aus jeder Sparte einen Mitarbeiter ausbilden oder einstellen. Aber: „Es gibt leider keine!“

Stein & Design geht neue Wege

Deshalb hat Kuch sich etwas Neues einfallen lassen, das in der Branche noch sehr unüblich ist: Wer möchte, bekommt einen Dienstwagen. Und fünf seiner zehn Mitarbeiter möchten das.

So etwas kann für Arbeitnehmer und Arbeitgeber ein gutes Arrangement sein: Die Firma least die Autos, bekommt als Großabehmer und Mitglied der „Servicegesellschaft Deutsches Handwerk“ gute Konditionen, zahlt Kraftfahrzeugsteuern sowie -versicherung und kann den Aufwand steuerlich geltend machen. Die Mitarbeiter haben ein Auto, versteuern den geldwerten Vorteil und müssen sich um nichts weiter kümmern.

„Wir haben alle gefragt. Die meisten, fast alle fanden die Idee gut, aber nicht jeder wollte mitmachen“, erklärt Kuch. Dafür habe er Verständnis; wenn man zum Beispiel gerade einen Neuwagen gekauft oder geleast habe, sei das Angebot vielleicht nicht so interessant. „Ich hätte aber auch mehr Autos genommen, keine Frage!“

Identifikation und Wertschätzung

Kuch setzt zwei Hoffnungen in diese Aktion: Zum einen will er die Identifikation seiner Mitarbeiter mit dem Unternehmen Stein & Design stärken. Zum anderen hofft er, mit einem solchen Bonus seine Wertschätzung auszudrücken und neue Mitarbeiter gewinnen zu können.

Sie von anderen Unternehmen abzuwerben, beispielsweise auf fremden Baustellen unter der Hand Visitenkarten zu verteilen, kommt für ihn nicht in Frage: „Das muss schon aus freien Stücken passieren!“ Ihm habe man mal eine Fachkraft abgeworben. Das ist zwar „schon lange her“, aber ganz verraucht ist der Ärger noch nicht: „Das ist doch keine Art! Jedenfalls nicht meine Art.“

Und wann ist es so weit mit den Autos? Die Fahrzeuge stehen im Prinzip schon bereit. Jetzt soll noch das Firmenlogo von Stein & Design drauffoliert werden, bevor die Mitarbeiter sie in Empfang nehmen. Das dauert allerdings ein paar Tage: Auch bei den Folierern sind die Auftragsbücher dicker als die Personaldecke.

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16.03.2018, 01:00 Uhr

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