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Eröffnung war Ostern 1912

Der „Falken“ am Eugen-Bolz-Platz ist 100 Jahre alt

Wenige Monate nach dem Pächterwechsel und einem Umbau zum Speiselokal wird dieses Wochenende das 100-jährige Bestehen des „Falken“ am Eugen-Bolz-Platz gefeiert.

29.09.2012
  • Werner Bauknecht

Rottenburg. Kaspar Ehing hieß der erste Betreiber der„Wirtschaft zum Falken“, die zuvor noch „Restauration Stemmler“ hieß. Ehing bekam die Erlaubnis zum Betreiben einer „Schankwirtschaft“ am 28. März 1912. Der „Falken“ war nicht sein erster gastronomischer Versuch, denn zuvor betrieb er bereits den „Bären“ in der Tübinger Altstadt. In die engere Wahl war auch das „Jägerstüble“ in der Rottenburger Königstraße gekommen, doch dann entschied Ehing sich für das Lokal am Eugen-Bolz-Platz 4.

„Am Karfreitag hat mein Großvater den Falken übernommen“, erzählt Ehings Enkelin Maria Bohmkamp, „und am Sonntag war er bereits offen.“ Er habe, erinnert sich die 85-Jährige, wohl 12 000 Reichsmark angezahlt, den Rest des Kaufpreises fürs ganze Haus, das 20 000 Reichsmark kostete, habe er in den folgenden Jahren abgestottert.

Das Geschäft sei von Anfang an gut gelaufen. „Da kamen immer die Gipser aus Hagelloch, die haben es ordentlich krachen lassen“, so Bohmkamp. Sogar einen Ruhetag, den Montag, leistete sich der Wirt. Nicht anders als heute, benötigten die Gastronomen eine sogenannte „Wirtschaftserlaubnis“, in der der Bezirksrat des Oberamtsbezirks Rottenburg dem Wirt die Benutzung der Räumlichkeiten und den Ausschank von „Wein, Bier und Branntwein“, aber auch von „nichtgeistigen Getränken“ genehmigte. 70 Mark kostete die Erlaubnis damals.

Der „Falken“ war in der Zeit eine reine Schänke, nur kalte Speisen wurden serviert. „Die Spezialität war der Ochsenmaulsalat“, erinnert sich Ehings Enkelin, „den hat mein Opa selbst gemacht.“ Als die1944 starb, übernahm Bohm-kamps Großtante Klara Vollmer den Betrieb. Sie hatte ihrem Bruder die ganzen Jahre über im Lokal geholfen, also war es für sie „kein Sprung ins kalte Wasser“.

Bis 1956 kümmerte sie sich um den „Falken“. Maria Bohmkamp hatte inzwischen geheiratet und betrieb mit ihrem Mann zusammen das Schuhhaus Schneider. „Als Erbin fiel mir das Lokal zu, aber ich konnte mich ja nicht ums Schuhgeschäft und um den Falken kümmern.“ Sie verpachtete es in den Folgejahren an unterschiedliche Brauereien, die sich dann um die Pächter kümmerten. Dazu gehörten im Lauf der Jahre Lisa und Karl Rotfelder, sowie Paolo Caschera dessen Pachtvertrag nach 18 Jahren zum 31. Dezember 2011 auslief. In den ersten Jahren gab es bei Paolo noch warme Mahlzeiten. „Der Falken wurde mit Paolo zur Kultkneipe“, sagt seine Frau Lisa, „wir lebten von den Stammgästen.“ Viele von denen wanderten nach Paolos Ausstieg mit in sein neues Lokal am Dom.

Mit Cascheras Nachfolgerin Sonja Schiebel bekam der „Falken“ auch ein neues Konzept: Die Kneipe wurde zu einem Speiserestaurant mir gutbürgerlicher, schwäbischer Küche umgemodelt, die sanitären Anlagen renoviert, der Gastraum umgebaut, die Fenster zum Eugen-Bolz-Platz vergrößert, eine nagelneue Küche installiert. „Wir wollten es moderner haben“, so Schiebel, die auch ein Schülerangebot auf der Karte hat, „wegen des nahen Busbahnhofs.“

Am heutigen Samstag spielt zur Feier des Jubiläums ab 14 Uhr der Entertainer Spitzbua Markus gefeiert, am Sonntag gibt es ab 10 Uhr Frühschoppen mit Weißwürsten und einer Musikkapelle.

Der „Falken“ am Eugen-Bolz-Platz ist 100 Jahre alt
Eines der wenigen historischen Fotos, das den „Falken“ im Erdgeschoss des Hauses Eugen-Bolz-Platz 4 zeigt, entstand an Fronleichnam 1933 – die Häuser sind mit Birken geschmückt, die Menschen tragen Festtagskleidung.Bild: Privat

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29.09.2012, 12:00 Uhr

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