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Am wertvollsten ist die Zeit

Der Freundeskreis Asyl Ammerbuch kümmert sich um neu ankommende Flüchtlinge

Rund ein Dutzend Flüchtlinge ist vor einigen Tagen in Reusten angekommen, unter ihnen Menschen aus Syrien und dem Irak. Begleitet von Helfern des Freundeskreises Asyl Ammerbuch, haben sie sich vorige Woche in der Gemeinde angemeldet. Was sie nun vor allem brauchen, ist Unterstützung im Alltag.

02.11.2015
  • Philipp Koebnik

Reusten. Tee und Kaffee werden ausgeschenkt, es gibt Kuchen und Kekse. Neugierig probieren die Kinder das deutsche Gebäck. Dann stellt sich jeder kurz auf deutsch mit seinem Vornamen vor, bevor man sich in Gruppen aufteilt. Ungefähr 25 Flüchtlinge, darunter einige kleine Kinder, und etwa zehn Ehrenamtliche des Freundeskreises Asyl Ammerbuch (FAA) trafen sich am Donnerstag im evangelischen Gemeindehaus in Reusten. Neben dem Deutschunterricht stand die Anmeldung der Neuankömmlinge auf dem Programm.

Für die Kinder gibt es einen eigenen Raum im Gemeindehaus, wo sie spielen können – was sie am Donnerstag auch fleißig taten. Andere malten mit bunter Kreide Bilder auf den Boden vor dem Haus. Derweil machte sich eine Gruppe von Erwachsenen auf den Weg zum Bürgerbüro: Drei Familien aus dem Irak und aus Syrien – insgesamt 13 Personen –, die vor rund zehn Tagen in Reusten angekommen sind, meldeten ihren Wohnsitz in der Gemeinde Ammerbuch an.

„Die Meldebescheinigung brauchen sie, um ein Konto zu eröffnen. Das ist wichtig, da die Flüchtlinge keine Sachleistungen erhalten, sondern Geld“, erklärte Claudia Sander, im Freundeskreis zuständig für Koordination und Öffentlichkeitsarbeit. Der Betrag, den die Asylsuchenden bekommen, liegt unterhalb der Grundsicherung. Dennoch sei es nicht gut, wenn die Leute das Geld ständig bei sich tragen müssten, so Sander.

Die Paten und das Prinzip der vielen Schultern

Die drei Familien, darunter eine Witwe mit drei Kindern, sind ganz frisch in der Bundesrepublik angekommen. „Sie haben sich über die sogenannte Balkanroute nach Deutschland durchgeschlagen“, berichtete Sander. Ob die geflüchteten Familien hier bald eine neue Heimat finden, ist ungewiss. Gleichwohl möchte der FAA helfen, diese Menschen zu integrieren – ein Schlüssel dafür ist die Kenntnis der deutschen Sprache. Deshalb geben aktive und pensionierte Lehrer, die im FAA mitmachen, Deutschunterricht für die Flüchtlinge.

Das Modell des Freundeskreises sieht vor, dass jede Familie, je nach Größe, einen oder zwei Hauptansprechpartner hat – die sogenannten „Paten“. Sie unterstützen die Flüchtlingsfamilien, loten den Bedarf an weiterer Hilfe aus und koordinieren diese. Dabei können sie auf die anderen Ehrenamtlichen zurückgreifen, sei es zur Sprachförderung und Übersetzung, zur Kinderbetreuung, für Behördengänge und anderes mehr. „Der Freundeskreis ist aufgebaut nach dem Prinzip der vielen Schultern, damit den einzelnen Paten nicht zu viel aufgebürdet wird.“

In den vergangenen Wochen habe man sehr viele Sachspenden erhalten. Daher hat der FAA beschlossen, dass Spenden, die akut nicht für die Flüchtlingsversorgung benötigt werden, ab dem 7. November gegen Vorlage der Kreisbonuskarte auch an bedürftige Ammerbucher abgegeben werden. „Am wichtigsten sind derzeit Zeitspenden“, betonte Sander. „Nachbarschaftliche Kontakte, die Flüchtlinge einfach mal mitnehmen, wenn man etwas unternimmt, Zeit mit ihnen verbringen – das ist momentan das Wertvollste.“

Der Freundeskreis Asyl Ammerbuch kümmert sich um neu ankommende Flüchtlinge
Hier melden sich die neuangekommenen Flüchtlinge mit den Helfern vom Freundeskreis Asyl Ammerbuch im Bürgerbüro an.Bild: Koebnik

Etwa 50 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer haben sich im Freundeskreis Asyl Ammerbuch (FAA) zusammengeschlossen. Sie kümmern sich um die Flüchtlinge, die das Land der Gemeinde zugeteilt hat. Das sind derzeit rund 50 Personen, darunter drei syrische Familien und zwei Familien aus dem Nordirak. Der FAA ist kein Verein – jeder der möchte, kann dazukommen. Helfer und Flüchtlinge aus Reusten treffen sich im evangelischen Gemeindehaus (donnerstags, 14.30 bis 16.00 Uhr). Wer den Freundeskreis unterstützen will, sei es mit Spenden oder durch eigenes Engagement, kann sich in den Email-Verteiler eintragen lassen und wird dann wöchentlich über den aktuellen Bedarf informiert. Besonders benötigt würden im Moment „Zeitspenden“, Wohnraum und Arbeitsmöglichkeiten.

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02.11.2015, 12:00 Uhr

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