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Bangkok

Der Garant der Einheit ist tot

70 Jahre saß Bhumibol auf dem thailändischen Thron – länger als jeder andere Monarch weltweit. Seine Untertanen verehrten ihn wie eine Gottheit. Mit dem König verliert das Land eine wichtige Integrationsfigur.

14.10.2016
  • dpa/afp/kna

Bangkok. Nach dem Tod des tief verehrten Königs Bhumibol Adulyadej (88) von Thailand hat die Militärregierung jede Spekulation über die Thronfolge sofort ausgeräumt. Der 64-jährige Kronprinz Vajiralongkorn folge seinem Vater auf den Thron, gab Putschführer und Regierungschef Prayut Chan-o-cha in einer Fernsehansprache bekannt. Er ordnete ein Jahr Staatstrauer an.

Bhumibol war nach jahrelangem Krankenhausaufenthalt gestern Nachmittag in Bangkok gestorben. Er war 70 Jahre lang König und damit der am längsten regierende Monarch der Welt. Das buddhistische Königreich mit fast 70 Millionen Einwohnern könnte vor großen politischen Umwälzungen stehen.

Im Land zeigte sich sofort beispiellose Trauer. Vor dem Sirijaj-Krankenhaus knieten tausende Menschen in den Straßen und beteten, viele von ihnen vor Trauer in Tränen aufgelöst.

„Er hat nie das Königsleben genossen, er hat sein ganzes Leben hart gearbeitet“, sagte der Rentner Sakda Sachamitr, der zum Krankenhaus geeilt war. „Er hat mich inspiriert, mein Leben der wohltätigen Arbeit zu widmen.“

Tausende Menschen machten ein Herz und „Ich liebe den König“ zu ihrem Profilbild auf Facebook. Die „Bangkok Post“ legte ihr Online-Layout in Schwarz-Weiß auf. 30 Tage sollen alle Flaggen auf halbmast wehen. Prayut empfahl Mitarbeitern des öffentlichen Dienstes, ein Jahr Schwarz zu tragen.

Außenminister Walter Steinmeier kondolierte im Namen der Bundesregierung. „Die Welt hat einen herausragenden Monarchen und ein Staatsoberhaupt verloren, dessen Bedeutung weit über Asien hinausreicht“, schrieb er. „Zu der tief verwurzelten Freundschaft zwischen unseren Ländern, zwischen den Menschen in Thailand und Deutschland hat auch König Bhumibol beigetragen.“

Enormer Einfluss

König Bhumibol hatte zwar auf dem Papier nur repräsentative Aufgaben, doch hat der Palast hinter den Kulissen enormen politischen Einfluss. Keine Regierung konnte sich ohne das Wohlwollen des Königs halten. Der jüngste Militärputsch fand im Mai 2014 statt. Bhumibol galt als Garant der Einheit in dem politisch tief gespaltenen Land.

Seit dem Putsch von 2014 hat Thailand kein Parlament und keinen Senat als zweite Parlamentskammer. Die Rolle des Parlaments hat die von den Generälen einberufene Nationale Gesetzgebende Versammlung übernommen. Premierminister General Prayut Chan-o-cha ist gleichzeitig Vorsitzender des „Nationalen Rats zur Erhaltung des Friedens“, wie sich die Militärjunta offiziell nennt.

Thailands Gesellschaft ist seit mehr als zehn Jahren politisch tief gespalten. Auf der einen Seite stehen die so genannten Gelbhemden. Sie geben sich als Monarchietreue, die die alte Ordnung, in der wenige einflussreiche Familien die Geschicke des Landes bestimmten, aufrecht erhalten wollen. Auf der anderen Seite stehen die Rothemden, unterstützt vor allem von der ärmeren Bevölkerung, die mehr Mitsprache und eine Politik zur Förderung der Armen fordern. Sie haben es unter Bhumibol stets von sich gewiesen, weniger königstreu zu sein als die Gelbhemden.

Beide Seiten werfen sich maßlose Korruption vor. Mit Demonstrationen und Blockade-Aktionen haben beide Lager die jeweils andere Regierung immer wieder unter Druck gesetzt und deren Sturz herbeigeführt.

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14.10.2016, 06:00 Uhr

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