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Rottenburg: Schule geht getrennte Wege

Der Gemeinderat beantragt die Aufhebung des Hohenberg-Schulverbundes

Gegen die Stimmen der WiR und der Linken beschloss der Gemeinderat am Dienstagabend die Aufhebung des Schulverbundes an der Hohenbergschule ab 2016. Zuvor hatte das Thema im Rat nochmals hohe Wellen geschlagen.

30.07.2015
  • Ulrich Eisele

Rottenburg.„Einzigartig sei“, so Linken-Stadtrat Emanuel Peter in einer schriftlich vorbereiteten Rede, „dass ein sehr erfolgreicher Schulverbund von Grundschule und Werkrealschule nach 53 Jahren ohne nachvollziehbare pädagogische Begründung zerschlagen werden soll.“ Einzigartig auch, dass sich die Bildungsstadt Rottenburg damit aus der Diskussion über die regionale Schulentwicklung im Landkreis Tübingen ausklinke.

Eine starker Vorwurf, den der Oberbürgermeister und die anderen Ratsfraktionen – mit Ausnahme der WiR – nicht auf sich sitzen lassen wollten. Peters Rede sei „eine Kampfansage, völlig deplatziert und an Falschheit nicht zu überbieten“, entgegnete ihm Stephan Neher. Doch der Reihe nach:

Im Mai dieses Jahres hatte der Rottenburger Gemeinderat beantragt, die Hohenberg-Werkrealschule zur Gemeinschaftsschule weiterzuentwickeln und von der Grundschule abzukoppeln. Doch die Schulkonferenz verweigerte die notwendige Zustimmung, es bleibt bei der Werkrealschule auf dem Hohenberg. Den Schulverbund zwischen Grund- und Werkrealschule will die Stadt als Schulträger aber dennoch zum Schuljahr 2016/17 aufheben. Dafür sprechen aus Sicht der Verwaltung folgende Gründe:

Grund- und Werkrealschule könnten künftig eigenständige Profile entwickeln.

Beide bekommen eigene Schulleitungen, diese und das Lehrerkollegium könnten sich ganz auf ihre jeweilige Aufgabe konzentrieren.

Die zwei anderen großen Grundschulen – Kreuzerfeld, Ergenzingen – sind schon eigenständig.

50 Prozent der Eltern schicken ihre Kinder aufs Gymnasium, Kontinuität sei nach Klasse 4 also nicht so wichtig wie von der Gegenseite vorgebracht.

Von den Eltern werde schon lange ein separates Schulgebäude für die Erst- bis Viertklässler gewünscht; dies wäre auch ein Konkurrenzvorteil gegenüber privaten Schulträgern (CJL-Schule).

Als Nachteile der Auflösung des Schulverbundes wurden von der Verwaltung angeführt:

Fachlicher Austausch zwischen Grund-, Haupt- und Realschullehrern nimmt ab, weniger gemeinsame Weiterentwicklung der Schule.

Weniger gemeinsame Projekte und Kooperationen zwischen Grund- und Werkrealschule

Keine Sekundarschüler mehr als Tutoren für die Grundschüler

Aufwändigeres Raumprogramm für zwei getrennte Schulen

Schlechtere Vertretung beim Lehrerausfall

Schwierigerer Übergang für inklusiv beschulte Kinder in die Sekundarstufe, Schulwechsel nötig.

Einen Einfluss auf die Entscheidung hätten auch die beinahe 400 Unterschriften von Eltern für eine abgetrennte Grundschule und weitere Meinungsäußerungen in diese Richtung bei der Bürgerversammlung gehabt, räumte OB Stephan Neher ein.

Vor allem zu diesen Punkt gab es einen heftigen Schlagabtausch zwischen Stadträten der Linken und WiR einerseits und denen von anderen Parteien andererseits. Linke und WiR warfen der anderen Seite „Populismus“ vor, stellten den Wert der Unterschriften in Frage: Weder sei klar, wer abgestimmmt habe, noch, ob die Kinder dieser Eltern überhaupt an der Hohenbergschule bleiben würden (Peter Cuno, WiR). Die Gegenseite beteuerte, die Unterschriftensammlung stelle – ebenso wie andere Meinungsäußerungen – nur eine Tendenz dar, der man folgen könne – aber nicht müsse.

Emanuel Peter, Linke: Einzigartig ist, dass nach meiner Kenntnis ein solcher Schulverbund nirgendwo sonst in Baden-Württemberg zerschlagen wird. Im Gegenteil werden immer mehr Schulverbünde von Grundschulen und Gemeinschaftsschulen neu gebildet

OB Stephan Neher: Der Elternwille hat oberste Priorität in der Schulpolitik. Warum sollte dieser keinen Einfluss auf unsere Entscheidung haben?

Peter Cuno: WiR hält die Trennung von Grund und Realschule für grottenfalsch. Das kann man nur mit gewissen Animositäten erklären.

Jörg Bischof, Grüne: Wir hatten uns zuerst für eine durchgängige Schule von Klasse 1 bis 10 stark gemacht, doch das Gremium hat anders entschieden. Das ist nun für uns die Grundlage. Wir sehen aber auch Vorteile in einer Trennung.

Reinhold Baur, CDU: Die Abtrennung stärkt die Werkrealschule. Wir sehen Vorteile von der Personalseite. Sowohl die Grundschule Hohenberg wie die im Kreuzerfeld werden ihren Weg machen.

Jörn Heumesser, Wir: Mir kommt der Antrag zu früh. Es ist ja nicht dokumentiert, dass die Hohenbergschule Werkrealschule bleiben will. Aber wir zementieren dies nun mit unserem Beschluss.

Margarete Nohr, SPD: Alle hier wissen, dass es Kommunikationsschwierigkeiten zwischen Eltern, Schulleitung, Lehrern und Verwaltung gab . . .

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30.07.2015, 12:00 Uhr

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