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Ein frostiges Gewerbe

Der Gomaringer Julian Walz gewann bei den Europameisterschaften der Berufe

Eiskalt abserviert hat der Gomaringer Julian Walz die Konkurrenz im französischen Lille: Bei den „EuroSkills“, der Europameisterschaft der Berufe, landete der 23-jährige Kältetechniker ganz oben auf dem Treppchen.

18.10.2014
  • Amancay Kappeller

Gomaringen. Frostig geht es in Julian Walz´ Berufsleben fortwährend zu. Der 23-Jährige kümmert sich als Mechatroniker für Kälte- und Klimatechnik darum, dass es nichts und niemandem zu warm wird. Egal ob in Industrie, Handel, Handwerk, Gastronomie, Lebensmittelproduktion oder -verarbeitung, Kälteanlagen werden in vielen Bereichen gebraucht und sind gefragt wie nie zuvor. Darüber freut sich Walz: „Es gibt viel Geschäft, Arbeitsplatzsorgen habe ich keine. Kälter wird es auf der Welt voraussichtlich nicht.“

Eigentlich war er nur zum Zugucken dabei

Vor zwei Wochen reiste Walz zur Europameisterschaft der Berufe ins französische Lille. 420 Fachkräfte aus 25 Ländern nahmen an der europäischen Leistungsschau der beruflichen Ausbildung, den „EuroSkills“. Das Team von „WorldSkills Germany“ und dem Zentralverband des Deutschen Handwerks ging mit 21 jungen Fachkräften im Alter bis 25 Jahre in 15 Einzel- und Mannschaftswettbewerben an den Start. 15 Berufe waren vertreten. Eigentlich wollte Walz lediglich „zum Zugucken“ nach Frankreich kommen. Allerdings wurde dem 23-jährigen Bundessieger von 2012 die Teilnahme angetragen, nachdem der Bundessieger 2013 ein paar Wochen vorher abgesagt hatte.

Walz fackelte nicht lange. „Das war eine Riesenchance.“ Ein echtes Glück für ihn, wie sich im Nachhinein herausstellte. Als unglaublich bezeichnet der Gomaringer die Atmosphäre beim Wettbewerb: „Jeder steckt viel Herzblut rein und wächst über sich hinaus.“

Die Wettbewerbsaufgabe war im Vorfeld bekannt: Es galt, eine Kälteanlage in Form eines Euro-Schriftzugs zu bauen. Das Vereisen und Abtauen durfte jeweils nur eine Minute dauern. Sechs Tage lang bereitete sich der 23-Jährige zuvor im Informationszentrum für Kälte-, Klima- und Energietechnik in Duisburg gemeinsam mit Trainer Karsten Beermann auf die Leistungsschau vor.

Er übte, eine Anlage aufzubauen, die den Anforderungen entsprach. Der Wettbewerb fand im Rahmen einer öffentlichen Messe statt. Eine Schulklasse habe ihn am ersten Tag gespannt beim Schriftzug-Biegen beobachtet, erzählt der Gomaringer. Spontanen Applaus gab es, als er das letzte Rohrstück anbrachte. 95 Prozent der maximalen Punkte erreichte Walz. Den zweitplatzierten Österreicher schlug er knapp.

An einer Übungsanlage mussten die Kandidaten zusätzlich eine Fehlersuche durchführen. Zwei Stunden hatten sie dafür Zeit und standen dabei immer unter Beobachtung. Julian Walz räumte in Frankreich aber nicht nur im Einzel ab. Im Teamwettbewerb gab es für den 23-Jährigen Silber. Gemeinsam mit Sanitär-Heizung-Klima-Anlagenmechaniker Dominik Engel aus Bayern schuf der Gomaringer eine gewerkübergreifende Installation. Nur das österreichische Team löste die Aufgabe besser.

Das eisige Engagement liegt bei Julian Walz quasi in der Familie: Vater Walter Walz, 59, ist seit dem Jahr 2000 Geschäftsführer bei der Firma Stiel Kälte- und Klimatechnik in Tübingen. 2011 stieg auch Bruder Ruben, 30, in die Geschäftsleitung ein. Schwester Maren, 31, ist Kälteanlagenbauermeisterin und bildete ihren Bruder Julian seit 2008 im Betrieb 2008 mit aus.

Elektrotechnik und Physik sind gefragt

Seit einem Jahr wohnt Walz mit seiner Freundin in Gomaringen. Aufgewachsen ist er in Dußlingen. An seinem Beruf schätzt er die Vielseitigkeit. Kenntnisse in Mechanik, Elektrotechnik, Physik und Mathe benötigt ein Mechatroniker, handwerkliche Fertigkeiten sind unerlässlich. Julian Walz ist im Service unterwegs. Besonders toll findet er den Kundenkontakt und die immer neuen Situationen, mit denen er täglich konfrontiert wird.

Zur Zeit besucht der Mechatroniker die Meisterschule in Leonberg. Der Abschluss ist für Sommer 2015 geplant. In der Prüfung wird der Gomaringer eine Kühlzelle mit Kältetechnik aufbauen müssen. Nach dem Meister könnte der 23-Jährige noch den Techniker draufsetzen. Außerdem wäre ein Versorgungstechnik-Studium, Fachrichtung Kältetechnik, möglich. Am Samstag ist Walz zur Meisterfeier der Handwerkskammer Reutlingen geladen. Dem Gomaringer schwant, dass er wegen seiner Erfolge in Lille eventuell auch auf die Bühne darf.

2013 nahm Julian Walz bereits an der Weltmeisterschaft der Berufe in Leipzig teil. Im Oktober 2012 sicherte er sich beim Bundesleistungswettbewerb den ersten Platz. Auch damals musste er eine Kälteanlage mit Schriftzug bauen. Die steht noch immer in einem Lagerraum der Tübinger Firma. Walz demonstriert ihre Funktion. Das Wort „Cool“ prangt auf dem Aufbau - gebogen aus normalen Kältekupferrohren. Eventuell will Walz die Anlage aufpolieren, um sie im Betrieb zu zeigen. Die Konstruktion von der Europameisterschaft in Lille gibt es hingegen längst nicht mehr. „Die war am Sonntagabend schon wieder zerlegt“ – direkt nach dem Ende des Wettbewerbs.

Der Gomaringer Julian Walz gewann bei den Europameisterschaften der Berufe
Julian Walz ist Europas bester Kältetechniker. Dafür baute er eine Kälteanlage in Form eines Euro-Schriftzugs. Das tiefgekühlte „Cool“ ist noch von der Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr übrig. Bild: Metz

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18.10.2014, 12:00 Uhr

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