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Kinder aus dem Steinlachtal vergnügen sich derzeit auf der Olgahöhe beim 32. Spatzennest

Der Hades liegt am Albtrauf

Beim diesjährigen Spatzennest-Feriencamp dreht sich alles um die „Götter des Olgalymp“. Dabei ist der Betreuungsschlüssel in diesem Jahr so hoch wie selten zuvor: Es haben sich nämlich viel weniger Kinder angemeldet als von den Veranstaltern erhofft.

12.08.2015
  • amancay kappeller

Mössingen. Lotta, Ivalu und Lenia, alle acht Jahre alt, stochern mit Stöckchen in einem abgesägten Baumstamm herum. In der Mitte des hölzernen Stumpfs, um den Waldameisen herumwuseln, klafft ein großes Loch. Angefüllt mit einem dunkelbraunen Dreckgemisch. „Wir machen Matschepampe“, erklären die drei Mädchen lachend. Einfach, weil’s Spaß macht. Und um verletzte Ameisen mit dem Schlamm-Mix verarzten zu können. Nicht weit entfernt, hinter der Blockhütte im Wald, hacken Philipp, Julian, Finn und Ben energisch auf den feuchten Lehmboden ein. Die vier Jungs graben unermüdlich und gutgelaunt Steine aus. Winzige Kiesel und ansehnliche Brocken fördern die Achtjährigen bei ihrer Wühlerei zu Tage. Ihre steinernen Schätze schleppen sie ins benachbarte Lager.

Die Kids gehören, erkennbar an ihren blauen Armbändern, zum blauen Haus. Fünf verschiedenfarbige Häuser gibt es. Zusätzlich werden die Mädchen und Jungen in Kleingruppen mit sieben bis neun Kindern aufgeteilt. Lager bauen und Steine ausgraben macht Ben, Finn, Philipp und Julian am meisten Spaß. „Dreck wegschleudern ist cool“, findet Philipp aus Talheim. Ben hat knallblaue Hände und Farbspritzer im Gesicht. Heute durften die Kids schon Stoffe bemalen, mit Farben experimentieren. „Irgendjemand“ hat das Lager der vier Jungs zerstört: Das fanden die Achtjährigen natürlich alles andere als toll. An einer anderen Stelle haben sie es aber wieder aufgebaut. Keke (8) und Valerio (5) schustern sich indes eine Schusswaffe zusammen: aus einem dicken Ast, mit spitzen Steinen ritzen sie Muster in die Rinde.

Höchst kreativ richten die Kinder ihre „Lägerle“ ein. Um jeden zweiten Baum sind Äste, Zweige und Blätter drapiert. Im Inneren befinden sich Sitze, Feuerstellen und selber gebasteltes Mobiliar. Den Veranstaltern – dem Jugendforum Oberes Steinlachtal – ist wichtig, dass die Spatzennest-Teilnehmer ausreichend Zeit zum freien Spiel zur Verfügung haben. „Wir versuchen, trotz Programm flexibel zu sein“, erklärt Caro Dürr. Gemeinsam mit Valerie Leibold und Sebastian Weber gehört sie dem Leitungsteam an. Die Bedürfnisse der Kinder sind ganz unterschiedlich, weiß Dürr, die während der zwei Spatzennest-Wochen die Göttin Athene mimt. Leibold spielt Hera, Weber den Zeus.

Caro Dürr erläutert, worum sich die Geschichte in diesem Jahr im Feriencamp dreht: Einst war Kronos der Herrscher über die Elemente und somit über die Welt. Bald stieg ihm seine Macht jedoch zu Kopf und er wurde zum Tyrann. Eines Tages gelang es Zeus und den anderen Göttern, Kronos zu stürzen. Die Götter teilten die Macht untereinander auf. Kronos fordert die Herrschaft zurück. Und hier kommen die Kids ins Spiel: „Wir haben die Menschenkinder als Helden angefordert“, sagt Dürr. In der vergangenen Woche waren die Jungen und Mädchen bereits zum Orakel von Delphi gereist.

Vor der Hütte befindet sich das düster aussehende Portal zur Unterwelt. Manchmal fängt es dank Nebelmaschine an zu rauchen. Berührt werden darf es nicht, das wissen die Kids. „Zwei Drittel aller Kinder wollten Hades in die Unterwelt begleiten, da sollten sich die Eltern mal Gedanken machen“, erzählt Dürr lachend. Jedes Haus ist einem Element zugeordnet und ist mit einem besonderen Schatz ausgestattet. Gelb etwa gehört zur Luft und verfügt über Fächer, Rot steht für Feuer und wartet mit speziellen Streichhölzern auf. Zwischendurch kommen den Kids ihre Schätze abhanden und sie müssen sie sich wieder zurück erobern.

Mit 115 Kindern in der ersten und 130 in der zweiten Woche (Vorjahr: jeweils rund 170 Kinder) sei man dieses Mal „ganz familiär unterwegs“, berichtet Dürr. „Es ist alles sehr entspannt.“ Das rund 60-köpfige Betreuer-Team ist sehr erfahren. Gewollt war die recht geringe Teilnehmerzahl aber natürlich nicht. Der Aufwand, den die Helfer betreiben, lohnt sich eigentlich erst dann, wenn mehr Kinder mitmachen. „Ab 120 aufwärts wär’s okay“, erklärte Thomas Kittel vom Jugendforum im Vorfeld. Dieses Jahr sind viele Kleine dabei, also Vier- und Fünfjährige. Die profitieren natürlich von dem Betreuungsschlüssel.

Luis Arndt (13) und Diana Kolbus (14) machen beim Spatzennest als JESler mit („Jugend engagiert sich“). „Ich hab Spaß daran, mit Kindern zu arbeiten“, erklärt Luis. „Es ist cool hier“, findet auch Diana. Luis war früher selber ein Spatzennest-Kind. Mit sechs Jahren hat der Dußlinger das erste Mal beim Camp mitgemacht. Marc Bezner koordiniert den Einsatz der JESler, die gemeinsam mit den 10- bis 11-jährigen Feriencamp-Teilnehmern im lila Haus untergebracht sind. Ganz gechilled geht es dort zu. Caro Dürr freut sich, dass sich so viele Jugendliche als JESler engagieren. Die Lücke „vom Mitmachen zum Mithelfen“ habe man auf diese Weise gut schließen können.

Mittags gibt es beispielsweise Gyros-Burger, die jeder individuell belegen kann. In manchen Mittagspausen werden zusätzlich AGs angeboten. Die Kinder können Basteln, Ball spielen, Lesen oder sich die Haare flechten lassen.

Auch Johanna (10), Greta, Lisa und Charlotte (alle 9) halten sich gerne in ihrer eigens fabrizierten Freiluftunterkunft auf. Lümmeln im Lager ist total angesagt. Sogar ein Haustier ist den Mädchen schon zugelaufen: eine Schnecke namens Schnecki. Die ist allerdings genauso, nun ja, schnell wieder weg, wie sie auftauchte. Auf dem Moosbett, das die Kinder dem Kriechtier geschaffen haben, hat die Hausschnecke nur eine glitzernde Schleimspur hinterlassen.

Frank Bezner lässt sich von den begeistert gackernden Mädchen zeigen, was sie gebaut haben. Der 22-Jährige wohnt im Kreis Reutlingen und ist heuer zum achten Mal beim Spatzennest als Betreuer mit von der Partie. „Es macht Spaß, sich mit Kindern zu beschäftigen und das Team ist toll“, erklärt Bezner seine Mitmach-Motivation.

Der Hades liegt am Albtrauf
So speisen Heroinnen: Charlotte, Lisa, Johanna und Greta in ihrem Lager vor moosgedecktem Tisch.

Der Hades liegt am Albtrauf

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12.08.2015, 12:00 Uhr

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