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Paris

Der Held aus dem Bataclan

Eines der dramatischsten Bilder aus Paris war das einer Frau, die an einem Fenster des Bataclan um ihr Leben kämpfte. Ein selbstloser Mann half ihr.

19.11.2015
  • THOMAS SCHMOLL

Das allererste Video, das weltweit von dem Attentat auf den Pariser Club Bataclan verbreitet wurde, ist ein erschütterndes Dokument des Blutbads vom 13. November. Daniel Psenny, ein Journalist von "Le Monde", filmte mit seinem Handy einen Seitenausgang des Saals und hielt dramatische Szenen fest. Das Video zeigt Menschen, die fliehen, Verletzte, Tote und eine Frau, die sich - in rund 15 Metern Höhe - an einen Fenstersims klammert.

Sie überlebte. Wie inzwischen bekannt wurde, ist die Frau schwanger. Dass sie und ihr Baby den Wahnsinn von Paris körperlich unbeschadet überstanden, haben sie einem selbstlosen Mann zu verdanken. Er half der Frau, wieder in das Gebäude zu kommen. Ein Freund der werdenden Mutter, die anonym bleiben möchte, suchte den Retter in ihrem Auftrag via Twitter: "Einfach, um ihm Danke zu sagen." Und tatsächlich: Auch er hat überlebt.

Er heißt Sébastian, stammt aus Arles und schilderte die dramatischsten Minuten seines Lebens in der Zeitung "La Provence": Beim ersten Schuss "dachten wir, das sei ein pyrotechnischer Effekt. Als der zweite Schuss abgefeuert wurde, haben wir verstanden, was los war." Sébastian versuchte, zu einem Notausgang zu gelangen, fand ihn aber nicht. Schließlich rannte er die Treppe hinauf zu den Balkonen, von denen Gäste hinunter auf die Bühne schauen können.

"Direkt vor mir waren zwei Fenster und an einem hing eine schwangere Frau, die Menschen unten anflehte, sie aufzufangen, wenn sie springt", erzählte Sébastian. Ihre Rufe verhallten ungehört. "Ich bin durch das andere Fenster hinaus und habe mich an einem Entlüftungsschacht festgehalten." Rund fünf Minuten später war die Schwangere mit ihren Kräften am Ende und fragte, "ob ich ihr wieder hinein helfen könne. Das habe ich getan. Ich weiß nicht, wohin sie verschwand."

Danach kehrte er in sein Versteck zurück - und wurde von den Terroristen als Geisel genommen. Es vergingen "die längsten Minuten meines Lebens". Dann begann die Polizeiaktion. Mit einem Rammbock stießen die Einsatzkräfte die Tür auf und zündeten Blendgranaten. "Als Mitglieder des Kommandos reinstürmten, wurde ich niedergetreten. Aber das war der glücklichste Schmerz meines Lebens."

Ungeachtet der Tatsache, dass er das Leben der Schwangeren und ihres Babys gerettet hat, möchte Sébastien offenkundig nicht als Held gefeiert werden. Seinen vollständigen Namen nennt er nicht.

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19.11.2015, 12:00 Uhr

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