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Die Frage der Eigenständigkeit

Der Horber DHBW-Leiter äußert sich zurückhaltend, hat jedoch andere große Pläne

Es ist schon eine kleine Tradition geworden: Immer wieder haben hiesige Politiker in den vergangenen Jahren die Eigenständigkeit der Horber Niederlassung der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) und auch schon ihrer Vorgängerin, der Berufakademie (BA), gefordert. Bislang ohne Erfolg. Warum der neue Leiter des Campus Horb, Prof. Dr. Hartmuth Diery, bei Stuttgart bleiben will und was er stattdessen in Horb plant.

11.05.2016

Von Vincent Meissner

Dass der Campus Horb der Dualen Hochschule Baden-Württemberg demnächst eigenständig wird, wie es viele Politiker immer wieder fordern, scheint derzeit eher unwahrscheinlich. Doch eine Erweiterung der DHBW bis hin zum Marmorwerk – inklusive eines Wohnheims – können sich Campusleitung und Stadtspitze gut vorstellen.Bild: vm

Horb. Die Liste enthält so manchen prominenten Namen: den einstigen Landes-Wirtschaftsminster Ernst Pfister (FDP), den CDU-Landtagsabgeordneten Norbert Beck, den früheren Horber Oberbürgermeister und jetzigen EU-Abgeordneten Michael Theurer (FDP) und den Horber Oberbürgermeister Peter Rosenberger (CDU). Sie alle haben sich neben Vertretern der Industrie- und Handelskammer (IHK) schon für die Eigenständigkeit der Horber Außenstelle ausgesprochen. Für einen hatten seine Forderungen wohl sogar direkte Konsequenzen: Prof. Matthias Vogel, der damalige Leiter der Berufsakademie Horb, musste 2009 nach sieben Jahren abdanken, weil er sich zu vehement für die Unabhängigkeit der Horber Filiale von der Stuttgarter Zentrale eingesetzt hatte.

Prof. Dr. Hartmuth Diery, der Nach-Nachfolger von Vogel ist da deutlich zurückhaltender: „Das ist ein Thema, das ich zunächst mal relativ unemotional betrachte“, sagt Diery im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE. „Für mich ist das kein Thema per se.“ Und für ihn ist die Frage auch noch relativ neu. „Aber ich kenne sie aus Berichten meiner Vorgänger“, sagt er.

Diery sieht in einer institutionellen Loslösung von der Mutter-Hochschule in Stuttgart und einer Eingliederung als autarkes Mitglied in die DHBW-Landschaft wenig Sinn, fürchtet dafür jedoch erhebliche Kosten: So müssten im Falle der Selbstständigkeit beispielsweise eigene Fakultäten und ein Dekanat eingerichtet sowie ein Hochschulrat gebildet werden – und unterm Strich wäre deutlich mehr Personal nötig. „Man muss aus Vernunftsaspekten fragen: Sind Aufwand und Ertrag in einem passenden Verhältnis?“, sagt Diery und antwortet selbst: „Ich kann im Moment keine wirklich durchschlagenden Vorteile sehen im Vergleich zur aktuellen Situation.“

Auch Kommunikations-Schwierigkeiten oder lange Entscheidungswege von der Zentrale in Stuttgart bis nach Horb sieht Diery nicht: „Das kann ich überhaupt nicht bestätigen. Wir haben eine sehr schnelle Kommunikation“, sagt er.

Diery will die Diskussion deshalb lieber auf andere Schwerpunkte lenken: „Wir stehen selbstbestimmt für unsere Themen“, sagt er. „Die Frage nach der Eigenständigkeit ist eine andere.“ Für ihn hat deshalb die angedachte Erweiterung des Campus-Standorts am Neckar Priorität.

Thema Hochschul-Ausbau: Durch den Umzug der Horber Feuerwehr auf das ehemalige Kasernengelände sieht Diery die Möglichkeit auf einen Ausbau der Hochschule mit Seminar- und Laborräumen. Momentan sind 1000 Studenten eingeschrieben. Wegen der Raumnot am Neckar hat die DHBW Räume auf dem Kasernengelände angemietet. Deshalb stellt Horbs OB Rosenberger der DHBW die Fläche bis hin zum Marmorwerk in Aussicht, wo neben der Feuerwehr auch der Einheitlich Demokratische Verein (EDV) und das Jugendzentrum untergebracht sind. Rosenberger beschwichtig allerdings auch gleich: „Es muss aber jetzt keiner Angst haben, dass er da demnächst raus muss. Hier geht es eher um einen Zeitrahmen von zehn, 15 Jahren.“

Thema Wohnheim: Bisher wohnen die Studierenden meist in privaten Mietwohnungen. Campus-Leiter Diery sieht in einem Wohnheim eine historische Möglichkeit: „Diese Chance bietet sich nur ein Mal“, sagt er. „Ich finde die Idee ausgesprochen charmant und weitsichtig. Das würde den Campus-Charakter hervorragend spiegeln.“ So wären wohnen, studieren, arbeiten und lernen an einem Ort gebündelt. Und: „Das wäre ein tolles Alleinstellungsmerkmal für die Stadt Horb, denn ein Wohnheim gibt es meines Wissens nach so noch nicht an einer DHBW.“

OB Rosenberger zeigt sich offen: „Die DHBW kriegt alle Unterstützung, die wir ihr geben können.“ Anfang des Jahres gab es ein Treffen von Stadtspitze, Campusleiter Diery und dem Stuttgarter Rektor Prof. Dr. Joachim Weber. Dort stellte die Stadtverwaltung erste Pläne vor: „Es gibt schon Architekten-Entwürfe“, sagt Rosenberger. „Und es gibt Überlegungen, so ein Projekt über die Baugesellschaft anzugehen.“ Und der OB geht sogar noch einen Schritt weiter: „Für mich gehört da auch ein Café dazu – und gerne noch mehr.“ Konkret ist allerdings noch nichts. Aber, sagt Rosenberger: „Wir sind soweit. Wir könnten mit den Planungen beginnen.“ Und das soll ab Sommer auch öffentlich im Gemeinderat und mit der Bevölkerung geschehen, kündigt der OB an.

Siehe auch das „Außerdem“

Vorerst keine betriebswirtschaftlichen Studiengänge in Horb

Eine Erweiterung des Studienangebots in Horb um betriebswirtschaftliche Studiengänge scheint derzeit wie die Selbstständigkeit unwahrscheinlich: „In Zukunft soll darüber gesprochen werden, inwieweit das Angebot mit betriebswirtschaftlichen Aspekten ergänzt werden könnte“, schrieb die Horber Stadtverwaltung im Januar im Amtsblatt. Doch Campus-Chef Prof. Dr. Hartmuth Diery sagt: „Das ist aktuell nicht in Planung.“ Der Grund: In Villingen-Schwenningen bietet die DHBW einen BWL-Studiengang an. „Da muss ohne Not kein interner Wettstreit angegangen werden“, sagt Diery. Zudem ist es aus seiner Sicht sinnvoll, im Sinne einer Profilschärfung, Horb als Technikstandort zu stärken – auch mit Blick auf die Partner aus der Wirtschaft.

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Erstellt:
11. Mai 2016, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
11. Mai 2016, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 11. Mai 2016, 01:00 Uhr

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