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Denkmäler

Der Hüter des Weltkulturerbes

Peter Braun wacht von Maulbronn aus über mehre Klöster. Jetzt erfüllt er sich einen Herzenswunsch mit einem interaktiven Kindermuseum.

23.12.2016
  • VON HANS GEORG FRANK

Maulbronn. Seinen Lieblingsplatz könnte Peter Braun mit verbundenen Augen finden. „Einfach dem Plätschern folgen“, weist er den Weg zum Brunnen im Kloster Maulbronn. Hier erholt sich der Leiter der Klosterverwaltung vom Stress eines Arbeitstages. Das Geräusch des Wassers wirke kontemplativ, „es versetzt mich zurück in die Zeit der Zisterzienser, für die Wasser der Quell des Lebens war“.

Seit 30 Jahren wacht der Diplom-Verwaltungswirt über die Abtei. Zugleich ist er zuständig für die Klöster Alpirsbach und Hirsau, für die Ruine Allerheiligen und die römische Baderuine bei Hüfingen, allesamt geschichtsträchtige Immobilien in Landesbesitz. „Ich habe einen Traumjob“, sagt Braun, „etwas Schöneres kann ich mir nicht vorstellen.“ Eigentlich wollte er, 1956 in Pforzheim geboren, seine berufliche Karriere beim Finanzamt beginnen. Weil keine Stelle frei war, wurde seine Bewerbung einfach an die Liegenschaftsverwaltung geschickt: Volltreffer! Bald wachte er über Schlösser in Bruchsal, Karlsruhe, Rastatt, einige Burgen und eben Maulbronn. Als 1998 eine Neuordnung folgte, hütete er von Maulbronn aus vor allem die Klöster. Manche nennen ihn deshalb „Pater Braun“.

„Mit Sicherheit ist er einer der profiliertesten Kulturmanager in Baden-Württemberg“, lobt Michael Hörrmann, Geschäftsführer des Landesbetriebs Staatlichen Schlösser und Gärten. Braun sei „ein Anti-Beamter“, sagt der Chef, „er denkt immer innovativ, betriebswirtschaftlich und bildungsorientiert“. Er schreibt noch ins Zeugnis: „Peter Braun möchte seine Gäste jeden Tag begeistern und glücklich machen.“

Wegen des Titels „Weltkulturerbe“ kommen anspruchsvollere Zeitgenossen. Braun lässt sich mit seinen neun Mitarbeiterinnen ständig neue Verlockungen einfallen, um diese Klientel zufrieden zu stellen. „Maulbronn muss ein bisschen besser sein als andere Monumente, um gleich gute Bewertungen zu erhalten“, weiß Hörrmann. Also werden Tagesprogramme für Firmen ausgetüftelt, mit Sekt zum Empfang, mit Führungen und abschließendem Vesperteller. Zu „Kerzenschein und Glühwein“, ersonnen von Braun und seiner Frau Angelika, kommen mittlerweile so viele Gefolgsleute, dass gar nicht alle mitlaufen dürfen. Der Aspekt „Genuss“ gewinnt an Bedeutung bei der didaktischen Vermarktung des Klosters. Deshalb werden Führungen über die Ernährung der Mönche mit Kostproben angeboten. In einem früheren Stall kann man ein Maultaschendiplom erwerben.

Ein Herzenswunsch geht für Peter Braun bald in Erfüllung. Wenn das Notariat das Stockwerk der früheren Klosterverwaltung geräumt hat, dann wird ein Museum für Kinder eingerichtet. „Sie sollen das Mittelalter erleben und begreifen – ohne Einsatz von Tablets“, verrät er ein bisschen vom Konzept, das bis Herbst 2019 umgesetzt sein soll. Gemeinschaftsleistungen wie der Gewölbebau mit Styroporblöcken seien „ganz arg wichtig für ein Weltkulturerbe, weil wir der Jugend vermitteln müssen, welch hochwertiges Denkmal wir haben“.

Was die Zisterzienser hinterlassen haben, nötigt dem Verwalter höchsten Respekt ab. Niemals würde er sich in das Chorgestühl von 1450 setzen: „Das ist tabu.“ Führungen in Mönchskutten hat er strikt verboten: „Das wäre nichts anderes als despektierlicher Mummenschanz.“

Der prinzipienfeste Hüter der Klöster richtet seine Arbeitszeit nach den Erfordernissen. Eine Stechuhr kennt er nicht. Die Fünf-Tage-Woche gebe es nur im Idealfall, sieben Tage seien keine Seltenheit. „Ich bin mit Herzblut bei der Sache“, sagt Braun. Oft liege er nachts wach, sinniert über neue Flyer, formuliere Gestattungsverträge für Filmteam, feile an der Personalplanung. Die Frau, mit der er seit 23 Jahren verheiratet ist, klagt nicht. „Wir leben beide für die Klöster“, verrät Angelika Braun, geboren in jenem Gebäude, in dem einst die Mönche ihren Wein kelterten. Im Weltkulturerbe sei sie, damals Klosterführerin, dem neuen Verwaltungschef über den Weg gelaufen: „Es hat sofort gepasst.“

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23.12.2016, 06:00 Uhr

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