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Leitartikel Schule

Der Inhalt zählt

Über Bildung wird seit vielen Jahren gestritten. Achtjähriges Gymnasium oder doch nicht? Gemeinschaftsschulen oder doch lieber getrennte Bildungswege? Die hitzigen Debatten seit dem Pisa-Schock zu Beginn des Jahrtausends mündeten in vielen, oft übereilten Umbauten am Schulsystem.

10.04.2017
  • ULRIKE SOSALLA

Ulm. Und da Bildung das letzte Feld ist, auf dem Landesregierungen wirklich etwas ausrichten können, fiel das Ergebnis auch noch in jedem Bundesland anders aus.

20 Jahre nach Roman Herzogs Ruck-Rede, 16 Jahre nach der Veröffentlichung der aufrüttelnden Pisa-Studie steht fest: Die Debatten um die richtige Form – allen voran das hoch emotionale Ringen um das G8 – haben die Lage nicht verbessert. Noch immer sind Eltern besorgt, ob ihre Kinder überhaupt etwas lernen – und wenn ja, ob es das Richtige ist. Mehr Lehrer als zuvor klagen über die Zustände in den Schulen, mehr Firmen über die Leistungen der Schulabgänger. Das zeigt: Unabhängig von formalen Fragen ist es Zeit für eine andere Bildungsdebatte. Diesmal muss es um die Inhalte und deren Vermittlung gehen, und vor allem: um die Menschen an den Schulen, die Lehrer und die Schüler.

In den vergangenen 15 Jahren hat die Neurobiologie rasante Fortschritte gemacht, jene Wissenschaft, die unter anderem zu ergründen sucht, wie das Gehirn lernt. Eine der Erkenntnisse: Zwang und Langeweile sind hinderlich. Der Mensch lernt am besten, wenn ihn etwas interessiert, wenn er emotional beteiligt ist (und sei es nur, weil er den Lehrer mag) oder wenn er Zusammenhänge erkennen kann. Ein Unterricht, der sich diese Einsichten zunutze macht, hat nichts mit Kuschelpädagogik zu tun, sondern mit Effizienz: Wenn es Wege gibt, Inhalte so zu vermitteln, dass sie nicht nur bis zur Klassenarbeit hängenbleiben, sondern lange darüber hinaus, warum sollten wir sie nicht nutzen? Zumal ein Unterricht, der unterschiedliche Lernformen einsetzt – Projekte, Gruppenarbeit, Exkursionen, Schülervorträge – nebenher noch Selbstorganisation vermittelt und die Fähigkeit, sich Wissen selbst zu erarbeiten. Das sind Kernkompetenzen für die Schüler von heute, die sich in einer Welt im Wandel werden zurechtfinden müssen.

Für die Bildungspolitik heißt das, dass sie weg muss von der Strukturdebatte hin zu einer Unterrichtsdebatte – und einer besseren Lehreraus- und -weiterbildung. Denn mit der Fähigkeit, Schüler zu interessieren und gleichzeitig mit dem nötigen Druck anzutreiben, steht und fällt ein Schulsystem – ganz gleich welches.

Das heißt aber auch, dass an Lehrerstellen nicht weiter gespart werden darf, und dass Lehrer ein Beruf sein muss, den motivierte Pädagogen ergreifen und nicht Studenten, die die Sicherheit eines Beamtenverhältnisses suchen.

Denn wenn mindestens die Hälfte eines Jahrgangs Abitur macht, wenn selbst einfache Ausbildungsberufe immer höhere Anforderungen stellen, dann ist es das Kunststück guter Schulen, möglichst wenige Schüler zurückzulassen. Ohne gute Lehrer, die Freiraum für anregenden Unterricht haben, wird das nicht möglich sein.

leitartikel@swp.de

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10.04.2017, 06:00 Uhr

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