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Tankerkrise

Der Iran spielt am Golf mit dem Feuer

Die Lage in der Straße von Hormus spitzt sich zu. Außenminister Maas befürchtet den Ausbruch eines Krieges in der Region. US-Präsident Trump entsendet Truppen.

22.07.2019

Von MARTIN GEHLEN

Der Tanker Stena impero liegt vor dem iranischen Hafen Bandar Abbas vor Anker. Foto: Tasnim News/afp

Teheran/London. Am Persischen Golf hat der Iran das Sagen, lautet die Botschaft des kurzen Propagandafilms, den die Revolutionären Garden 24 Stunden nach ihrer spektakulären Kommandoaktion in der Straße von Hormus veröffentlichten. Schnellboote umkreisen den gekaperten britischen Tanker. Ein Hubschrauber rattert über dem Deck, während sich vermummte Spezialkräfte binnen Sekunden auf die „Stena Impero“ abseilen.

Die britische Regierung drohte mit einer „robusten Antwort“ und „ernsten Konsequenzen“, sollte der in internationalen Gewässern beschlagnahmte britische Tanker nicht unverzüglich freigegeben werden. Die iranische Hafen- und Schifffahrtsbehörde wirft der 23-köpfigen Besatzung vor, mit einem Fischerboot kollidiert zu sein und sich dann vom Unfallort entfernt zu haben. London forderte alle britischen Schiffe auf, die Meerenge vor der iranischen Küste bis auf weiteres zu meiden. Gleichzeitig erklärte der britische Außenminister Jeremy Hunt, man wolle die Situation nach Möglichkeit deeskalieren und diplomatisch lösen.

Irans regionaler Hauptrivale Saudi-Arabien kündigte an, das Königshaus werde erstmals seit 2003 wieder amerikanische Truppen auf saudischem Boden erlauben. Nach amerikanischen Medienberichten handelt es sich zunächst um 500 Soldaten, die offenbar die Verlegung eines US-Fluggeschwaders vorbereiten sollen. Die während des Kuwait-Krieges 1991 stationierten US-Einheiten waren 2003 abgezogen worden.

Aus Teheraner Sicht ist die jüngste Militäroperation im Persischen Golf eine Vergeltung für die Beschlagnahme eines iranischen Tankers durch die britische Marine bei Gibraltar vor zwei Wochen. Die „Grace 1“ soll Rohöl für den syrischen Hafen Baniyas geladen haben, was die Islamische Republik bestreitet.

Hintergrund des Nervenkriegs ist die sich verschärfende Krise um das 2015 mit dem Iran geschlossene Atomabkommen. Nach dem Ausstieg von Donald Trump im Mai 2018 und der Reaktivierung der Sanktionen durch die USA gerät die Islamische Republik wirtschaftlich immer stärker unter Druck.

Für Außenminister Heiko Maas (SPD) ist die Lage am Golf „noch ernster und gefährlicher geworden“. Es gehe darum, Krieg zu verhindern, sagte er der „Bild am Sonntag“. Sollte es zu einer militärischen Eskalation kommen, gebe es „keine Gewinner, nur Verlierer“. Martin Gehlen

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Erstellt:
22. Juli 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
22. Juli 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 22. Juli 2019, 06:00 Uhr

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