Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
August-Lämmle-Schulschiff verabschiedete Rektor Manfred Wilkens

Der Käpt’n geht von Bord

„Unsere Schule hat keinen Anker“, sangen die Kinder in ihrem Lied vom Schulschiff. Eine Säule hatte sie jedenfalls: Rektor Manfred Wilkens war 14 Jahre die Stütze der August-Lämmle-Schule in Kusterdingen, am Mittwoch wurde er in den Ruhestand verabschiedet.

20.07.2012
  • Ulla Steuernagel

Kusterdingen. Wenn ein Rektor geht, dann ist das auch immer ein bisschen Leistungsschau der Schule. In Kusterdingen wird viel gesungen und musiziert. Etwa fünfzig Kinder unter der Leitung von Jutta Göhner und Monika Schmiga führten das vor. Rektor Manfred Wilkens wird die Wehmut beschlichen haben, als er den Eifer der kleinen Schüler/innen von der ersten Reihe der Turn- und Festhalle aus beobachtete. Rund siebzig Kolleginnen und Kollegen, Vorgesetzte, Eltern und Kusterdinger Bürger waren zur Verabschiedung des 63-Jährigen gekommen, der seit 1992 an der Lämmle-Schule unterrichtet und 1997 die Nachfolge von Hermann Huhle antrat. Seine eigene Nachfolge steht bislang noch nicht fest.

„Der Vater von zwei Söhnen ist privat ein begeisterter Fotograf, der sich als Hobby dem Reiz der Schwarzweiß-Fotografie verschrieben hat“, so schrieb das TAGBLATT bei seiner Amtseinsetzung.

Schwerer Verlust der Hauptschule

Am Mittwoch wurde Wilkens jedoch selber fotografiert, und immer wieder musste er nach vorne, Geschenk für Geschenk entgegennehmen und Hände schütteln. Am Ende geleiteten ihn die kleinen Schüler noch durch das Blumentor, durch das schon Generationen von Erstklässlern in der Lämmle-Schule geschritten sind. Allerdings durfte der Mann, der insgesamt vierzig Jahre vor Schülern stand, sich nun zusammen mit seiner Frau auf eine Bank setzen. Dazu bekam er auch noch rosa Zuckerwatte gereicht.

Wilkens ist kein Mann der großen Worte. Seine Menschlichkeit und seine bescheidene, angenehme Art, lobte Schulrat Udo Paulus. Und selbst in den vergangenen drei Jahren, als um die Werkrealschule gerungen wurde und schließlich der Verlust der gesamten Hauptschule zu beklagen war, habe der „ausgewiesene Hauptschullehrer“ Haltung gezeigt. „Das verdient“, so Paulus, „größten Respekt.“

„An der Qualität der Schule lag es sicher nicht“, setzte Bürgermeister Jürgen Soltau später als Trost hinzu. Auch als Vater dreier Kinder, die die Kusterdinger Schule besuch(t)en, hatte er nur beste Erfahrungen mit dem Rektor gemacht. Er zählte einige „Leuchttürme“ auf, etwa die schon vor zwölf Jahren begonnene Inklusion, den bewegungsaktiven Pausenhof, das Ganztagsangebot, auch die Offenheit gegenüber dem Firstwald-Gymnasium, das sich im Hauptschultrakt ansiedelte. Aber das Wichtigste sei, wie wohl sich die Kinder in der Schule fühlen.

Musste gar nicht oft schimpfen

Marie-Luise Dostmann, Rektorin der Härtenschule in Mähringen, hatte ihre guten Wünsche für den Kollegen, passend zum Plakat ihrer Schüler (siehe Artikel nebenan), ins ABC gefasst. Zum Schluss wünschte sie ihm eine „rundum erfüllte Zeit“.

Dass Wilkens gerne reist, begeistert Englisch unterrichtete, eine riesige Plattensammlung hat, all das kam zur Sprache. Die Vorsitzende des Elternbeirates, Petra Otto, wünschte ihm einen „spannenden Übergang vom Schul- in den Rosengarten“ und überreichte gleich das passende Gewächs dazu. Der Fördervereins-Vorsitzende Sam Featherton lobte Wilkens für seine Standfestigkeit und enthüllte auf der Bühne eine Säule. Der Rektor komme zwar aus der Schule, aber nicht so schnell aus dem Förderverein heraus, freute sich Featherton.

Manfred Wilkens sprach viel Dank aus, allen voran an seine Stellvertreterin Tanja Pommersbach, und betonte, wie er „bis zuletzt mit Freude unterrichtet“ habe. Ganz zum Schluss konnte er sich dann noch selber bei der Arbeit sehen. Die Schüler hatten ihn gemalt und zeigten unter Anleitung von Marianne Becker, wie sie ihn fanden: Am liebsten unterrichtete er Englisch, und er war immer gut gekleidet, hieß es da. Und auch: „Herr Wilkens musste uns gar nicht so oft schimpfen.“

Der Käpt’n geht von Bord
„Heut’ feiern wir ein Fest, das ihr nie vergesst“, sang der Schulchor, und Manfred Wilkens strahlte.Bild: Metz

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

20.07.2012, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball