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Der Kampf im Keller gegen Fake-News
Das Haus-Ensemble des Renitenz. Foto: Renitenz
Kabarett

Der Kampf im Keller gegen Fake-News

Das Stuttgarter Renitenztheater nimmt im Stück „Der Maulwurf“ die Gefahren der Sozialen Medien aufs Korn.

20.12.2016
  • RAIMUND WEIBLE

Stuttgart. Zum Schluss hätte man ihn gern noch einmal gehört, diesen Song. „Wühlkommen in den Verhältnissen“ schmettern die vier Darsteller bereits vor der Pause, ein schmissiges Lied mit Ohrwurm-Eigenschaften. Es bringt die Thematik des neuen Hausprogramms des Renitenztheaters auf den Punkt.

Das vom eigenen Ensemble aufgeführte Stück „Der Maulwurf“ ist eine Satire auf die Abhängigkeit der Zeitgenossen von Sozialen Medien wie Facebook, Twitter und Whatsapp und auf die Sucht, ständig online sein zu müssen. Die Autoren René Sydow und Daniel Hedfeld thematisieren aber auch, welche Gefahr der Demokratie durch getwitterte Fake-Nachrichten droht, aus denen sich viele ihre Meinung bilden. Ebenso greifen sie auf, wie die Debatte vergiftet wird durch Diskussions-Teilnehmer, für die „eine dreiste Behauptung immer besser (ist) als ein magerer Beweis“. Und noch zwei Zeiterscheinungen nehmen die Autoren aufs Korn: den Niedergang des seriösen Journalismus und die Daten-Macht von Google.

Jagd auf „Fakt 42“

Die Spannung des „Maulwurfs“ resultiert aus der Suche nach einem Anonymus, der ständig die Kommentarspalten der Zeitung „Fakt“ mit heiklen Ergüssen füllt. Die beiden Online-Redakteure Willi (Frank Stöckle) und Mark (Jörg Pauly) sollen zusammen mit ihrer Chefin Nadine (Michelle Brubach) Anstößiges löschen: eine Sisyphos-Arbeit. Sie sitzen im Keller der Zeitung und bekommen Zuwachs durch den schmierigen Dietrich Betterman (Holger Güttersberger). Rasch kommt der Verdacht auf, dass der geheimnisvolle Maulwurf mit dem Pseudonym „Fakt 42“ mitten in der Redaktion sitzt. Der abgehalfterte Top-Journalist Betterman gerät als erster ins Visier.

Das Stück, das bis 26. Februar läuft, zeichnet sich durch seine Aktualität aus. Das Renitenz zeigt klassisches Kabarett, das bissig auf die Zeitläufte reagiert und die Probleme karikiert. Vor der Pause wirkt „Der Maulwurf“ phasenweise geschwätzig. Aber das Team versteht sein Handwerk, auch musikalisch. Da zeigt es Qualität, gerade beim Song „Wühlkommen in den Verhältnissen“. Raimund Weible

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20.12.2016, 06:00 Uhr

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