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Der Kampf um Mossul
SWP GRAFIK
Irak

Der Kampf um Mossul

Seit gut einer Woche läuft die Offensive gegen die vom „Islamischen Staat“ gehaltene Stadt. Die Gefechte sind langwierig, ihr Ausgang ist offen.

26.10.2016
  • MARTIN GEHLEN

Mossul. Die ersten Verluste der Angreifer sind empfindlich. Die Terroristen des „Islamischen Staates“ leisten harten Widerstand. Überall haben sie Sprengfallen gelegt, greifen die vorrückenden Truppen mit Selbstmordattentätern, Scharfschützen oder rollenden Bomben an.

Seit acht Tagen läuft die Offensive von irakischer Armee und kurdischen Peschmerga gegen die 1,5-Millionen-Metropole Mossul, in der sich der IS seit Juni 2014 verschanzt hat. Aus der Luft unterstützen amerikanische, britische und französische Kampfjets die Truppen, während IS-Kommandos mit Terroraktionen wie in Kirkuk, Sindschar oder an der irakisch-jordanischen Grenze versuchen, von Mossul abzulenken.

Eine lange Schlacht

„Das Ganze wird eine monatelange Anstrengung“, prognostiziert einer der US-Militärplaner. Ihm und seinen irakischen und kurdischen Kollegen geht es in der ersten Phase vor allem darum, das Umland mit seinen Dörfern und Kleinstädten unter Kontrolle zu bringen. Dann sollen Elitetruppen versuchen, von drei Seiten her nach Mossul einzudringen.

Östlich der Stadt toben derzeit die Kämpfe um Karakosh, einst die größte christliche Stadt der Ninive-Ebene, in der sich IS-Kommandos verschanzt halten. Dagegen ist Bartella bereits wieder in der Hand der irakischen Armee. Die größten Geländegewinne gab es bisher im Süden, wo die Truppen entlang des Tigris-Tals bis auf 40 Kilometer an Mossul herangerückt sind und nun vor Hamman al-Alil stehen.

Am dichtesten an der Stadtgrenze liegt die Nordfront bei Tal Kaif. In der Ortschaft toben heftige Kämpfe, der Abstand zu den Außenbezirken Mossuls beträgt nur wenige Kilometer. Ebenfalls im Norden bei Gefechten um das Städtchen Bashika werden die kurdischen Peschmerga von türkischer Artillerie unterstützt, sehr zum Unmut der irakischen Regierung. Sollten sich türkische Truppen an der Eroberung Mossuls beteiligen, werde das für sie kein Picknick, warnte drohend Bagdads Premier Haider al-Abadi.

Westlich von Mossul hat der IS über Tal Afar nach wie vor eine offene Nachschublinie zu seiner syrischen Hochburg Rakka. Für die irakischen und kurdischen Angreifer ist die offene Flanke ein großer Nachteil, sie können Mossul nicht komplett umzingeln.

Die IS-Kämpfer kämpfen sehr flexibel, ziehen sich an vielen Orten zurück, um sich auf die Verteidigung Mossuls zu konzentrieren. „Sie haben bei der Befestigung der Stadt gute Arbeit geleistet“, analysierte ein hoher US-Militär. Das Pentagon schätzt, dass 4000 bis 7000 IS-Krieger in Mossul sind, ihnen stehen 50 000 irakische Soldaten und Milizen sowie 40 000 Peschmerga gegenüber.

Die Zahl der Flüchtlinge aus Mossul liegt bisher bei einigen Tausend, sie könnte aber rasant steigen, sobald der Häuserkampf in der Stadt beginnt. Die Uno rechnete vor der Offensive mit bis zu 800 000 Schutzsuchenden, mindestens ein Drittel von ihnen Kinder. UN-Repräsentanten haben etwa 150 000 Notunterkünfte vorbereitet, über größere Kapazitäten verfügen die regionalen Partner nicht. Der Winter steht bevor, die Temperaturen werden schon bald unter den Gefrierpunkt sinken. Sollten sich im November oder Dezember tatsächlich mehrere hunderttausend Menschen auf den Weg machen, droht eine weitere humanitäre Katastrophe.

Welche Folgen hätte ein Sieg?

Gleichzeitig wachsen die Sorgen über die politischen Folgen eines Sieges. Hunderte IS-Auslandskämpfer könnten versuchen, zurück in ihre europäischen Herkunftsländer zu gelangen. Andere werden als Schläferzellen in der Stadt untertauchen und die Bewohner durch Terroraktionen in Angst und Schrecken halten.

Auch die einheimische Bevölkerung ist zutiefst entzweit. „Die große Frage ist, wie können wir nach der Befreiung einen politischen Frieden erreichen“, erklärte der langjährige Außenminister und Finanzminister Hoshyar Zebari. „Wie soll diese multiethnische und multireligiöse Stadt künftig regiert werden – ohne kommunale Konflikte, ohne Rachemorde und ohne Vertreibung ihrer Bewohner in großem Stil?“

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26.10.2016, 06:00 Uhr

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