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Das S-Projekt übernommen

Der Kirchentellinsfurter Ulrich Walker bringt den Borgward wieder auf die Straße

Isabella, Arabella, P100: Bei Oldtimer-Fans schlägt das Herz höher, die Augen leuchten, wenn sie diese Namen hören. Doch Borgward ist nach über 50 Jahren wieder da. Der neue PX7 hatte schon auf der IAA in Frankfurt Premiere. Borgward-Chef Ulrich Walker aus Kirchentellinsfurt bringt den alten, guten Namen wieder auf die Straße.

21.11.2015
  • Manfred Hantke

Kirchentellinsfurt/Stuttgart. Eigentlich war Ulrich Walker schon im Ruhestand. Seit 2013 fuhr der Ex-Daimler-Manager in Kirchentellinsfurt mit seinem Elektrorad, kümmerte sich um die Enkelkinder, pflegte seinen Vater. Doch Ende 2014 kam der erste Anruf: Ein Headhunter suchte einen Borgward-Chef.

Denn der Enkel Christian Borgward war drauf und dran, seinen Traum zu verwirklichen und die alte Traditionsmarke aus Bremen wiederzubeleben (Anfang der 1960er Jahre ging die Firma in Konkurs, der Gründer Carl Borgward starb 1963). Ein Gespräch mit dem chinesischen Investor Foton folgte. Den kannte Walker aus seiner China-Zeit. Als noch familiäre Begleitumstände dazukamen, (der Vater starb Anfang des Jahres, die Tochter zog mit Familie nach Schanghai, der Sohn nach Hamburg) war’s geschehen: Walker sagte zu. Sonst „wäre ich mit meiner Frau allein zu Haus‘ gewesen“, frotzelt er. Er ist halt „nicht der Typ, der die Füße hoch legt“, und ihm fehlte Asien. In China kennt er sich bestens aus, er kennt die Leute, die Kultur, er weiß, wie die Uhr dort tickt.

Und es war natürlich die Aufgabe, das Neue, das den 64-Jährigen reizte. Das Projekt (das am Beginn „S-Projekt“, also Stuttgart-Projekt hieß) war vor dem finalen Aufbau fast ein leeres Blatt Papier. „Mitzeichnen, mitgestalten“ will er, will kreativ seine Erfahrungen einbringen.

Seit 1. April sitzt Walker als Chef der „Borgward-Group“ im noblen Gebäude schräg gegenüber vom Stuttgarter Hauptbahnhof. Stuttgart wurde auch wegen der Automobil- und der Zulieferindustrie als Zentrale gewählt. Auf 1600 Quadratmetern arbeiten derzeit knapp 60 Mitarbeiter, bis zu 150 sollen es mal werden.

Derzeit ist Walker dabei, das Team zu komplettieren, Ingenieure, einen Entwicklungsvorstand zu finden, den Einkauf aufzubauen. Und „nebenher“ die Produktion anzukurbeln. Im Januar soll sie anlaufen, derzeit läuft die „Null-Serie“. Am Start ist der BX7, ein SUV, der bereits auf der Frankfurter Automobilausstellung (IAA) gezeigt wurde. Ein SUV deshalb, weil der seit Jahren am stärksten wächst. Später folgt ein BX5, ein kleinerer SUV, auch ein Coupé ist angedacht. Wenn diese Modellreihe abgearbeitet ist, wird eine Limousine produziert. Zwei Modelle pro Jahr will Walker auf den Markt bringen. Mit einem Retro-Auto, das optisch der früheren Borgward-Familie ähnelt, hat Walker nie geliebäugelt. Die Verkaufszahlen wären zu gering gewesen.

So kommt der Name aus Deutschland, ebenso ein Großteil der Komponenten (Siemens, Bosch, SAP, das Design wird in Renningen bei Leonberg erstellt), produziert aber wird bei Peking. Dort hat der Investor Foton – größter Nutzfahrzeughersteller in China – ein Werk mit deutscher Technik gebaut. „Mittelfristig“ sollen pro Jahr 500 000 Autos vom Band laufen. Die Struktur der DNA komme aus Deutschland, „wo das Auto produziert wird, spielt heute keine Rolle mehr“, ist Walker überzeugt.

Zunächst hat der Borgward-Chef den chinesischen Markt im Visier, dann folgen Indien und Brasilien. In Europa sollen Borgwards 2017 angeboten werden. Doch schon im März 2016 stellt er den BX7 noch einmal in Europa vor. Wo, verrät er nicht – „südlich von Stuttgart“. Die Vorstellung berge eine Überraschung.

Bislang konnte Walker alle Termine pünktlich einhalten, und der erste neue Borgward habe viele überrascht. Die Qualität stimme. Nächste Woche fliegt er nach China und unterzeichnet mit über 40 Händlern Verträge. Dass der Investor Foton bei der Stange bleibt, da ist er „mehr als zuversichtlich“. Die Chinesen hätten „keine Quartalsberichtsdenke“, sie denken langfristig. Der 64-Jährige will jedenfalls so lange machen, wie er Spaß daran hat. Sein Ziel: Borgward (wieder) aufbauen und erfolgreich die erste Phase einleiten.

Der Kirchentellinsfurter Ulrich Walker bringt den Borgward wieder auf die Straße
Borgward-Chef Ulrich Walker in seinem Stuttgarter Büro, auf dem Bildschirm der erste neue Borgward BX7, ein SUV. Bild: Hantke

Die Walkers sind eine alteingesessene Familie in Kirchentellinsfurt. Ulrich Walker wurde 1951 geboren, machte auf dem Tübinger „Kepi“ sein Abi. In Stuttgart studierte er Maschinenbau, heuerte 1978 bei Daimler an. Dort war er in den 35 Jahren auf verschiedenen Ebenen als Manager tätig. Von 2000 bis 2004 saß er im Vorstand des damaligen Daimler-Partners Mitsubishi und war zuständig für Entwicklung und Produktionsplanung. Von 2004 bis 2006 hatte er die Smart-Leitung inne, arbeitete von 2006 bis 2013 in China, Taiwan und Korea. In China erhöhte er die Verkaufszahlen des Kleinwagens von anfangs 16 000 auf 200 000. Seit April dieses Jahres ist Walker Borgward-Chef.

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21.11.2015, 12:00 Uhr

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