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Der Kollege Roboter
Ein Roboter unterstützt einen Mitarbeiter im Bosch-Werk in Stuttgart-Feuerbach bei seiner Arbeit. Kommt ihr ein Mensch zu nahe, stoppt die Maschine automatisch. Foto: dpa
Bosch setzt auf Kooperation von Mensch und Maschine

Der Kollege Roboter

Maschinen tauschen Tipps über Einstellungen aus, in einem Cockpit werden Informationen über jedes hergestellte Stück gebündelt: Transparent und vernetzt soll sie werden, die Zukunft von Bosch.

02.04.2016
  • BIANCA FRIESS

Stuttgart. Unermüdlich schwenkt der schwarze Arm von rechts nach links. Auf einer Seite greift der Roboter Kolben, die er auf der anderen Seite wieder in einem Metallrahmen steckt. Der Arm ist mit einer schwarzen, lederartigen Haut überzogen. Kommt ihr ein Mensch zu nahe, stoppt die Bewegung. Das ist die Voraussetzung dafür, dass Mensch und Roboter eng kooperieren können, sagt Wolfgang Pomrehn, Gruppenleiter für Montageanlagen und Sondermaschinen bei Bosch in Stuttgart. In der schwarzen Haut sitzen mehr als 100 Sensoren, die für mindestens 5 Zentimeter Sicherheitsabstand sorgen.

Bosch investiert viel in das Thema Industrie 4.0. Die Aktivitäten wurden in einem Innovationscluster gebündelt: Mehr als 100 Experten sind dadurch bei der Entwicklung neuer Modelle vernetzt. Einige der erarbeiteten Lösungen sind mittlerweile auch schon im alltäglichen Einsatz.

Der Roboter wird zum Beispiel bei der Herstellung von Deckeln für einen Verbrennungsmotor eingesetzt: Der Arm greift ein Teil und kontrolliert, ob es für den Arbeitsschritt das richtige ist. Dafür ist der Roboter mit einer Kamera ausgestattet. Er steckt das Bauteil dann in den Deckel, der Mensch muss es nur noch festschrauben.

Was halten die Mitarbeiter von ihrem stummen Kollegen? Sie begrüßen das, weil der Roboter ihnen monotone Tätigkeiten abnimmt, sagt Pomrehn. In Zukunft soll die Maschine auch bei der Zusammenarbeit mit Behinderten eingesetzt werden. Motorisch eingeschränkte Menschen könnten sich unterstützen lassen, berichtet Pomrehn.

Die Sensoren auf der dunklen Haut überwachen außerdem die Umgebung, zum Beispiel die Temperatur oder Luftfeuchtigkeit. Bevor eine kritische Grenze überstiegen wird, wird ein Alarmsignal auf ein Handy gesendet.

Vernetzt und transparent soll sie also werden, die zukünftige Produktion bei Bosch. Im Mittelpunkt bleibe trotz aller Technik der Mitarbeiter, sagt Stefan Aßmann, der das Innovationscluster "Vernetzte Industrie" leitet: "Der handelnde Mensch soll in der Fertigung unterstützt werden." Der Punkt, an dem alle Fäden zusammenlaufen, ist das so genannte "Active Cockpit". Dort werden sämtliche Informationen aller Stationen gebündelt. Ein großer Bildschirm ist in Raster aufgeteilt, ähnlich wie das Menü eines Smartphones. Ein Icon führt zu einer Liste mit den produzierten Stückzahlen. Aus dem Werk in Stuttgart Feuerbach kann man so auch feststellen, ob das tschechische Werk im Rückstand ist - die Zahl ist dann rot markiert.

Die Maschinen in den verschiedenen Produktionsstätten kommunizieren miteinander: Wenn ein Werk durch bestimmte Einstellungen schneller produziert, können sich die anderen Maschinen daran anpassen - weltweit. Das kann automatisch passieren. Tauchen Schwierigkeiten auf, wird aber immer noch ein Ingenieur benachrichtigt.

Ist eine Maschine defekt, kommt das Instandhaltungsteam zum Einsatz. Früher war ein solcher Mitarbeiter allein zwischen Maschine, Arbeitsplatz und Ersatzteillager im Schnitt 21 Minuten beschäftigt, berichtet Ralf Lehmann, der bei Bosch für die Instandhaltung verantwortlich ist.

Heute ist jede Maschine mit einem Barcode ausgestattet. Lehmann hält ein Smartphone an diesen Code, automatisch wird ein Programm aufgerufen, das alle Informationen über die Maschine zeigt. Auch die verfügbaren Ersatzteile kann er aufrufen, es gibt sogar eine Reparaturanleitung. Damit spart sich der Mitarbeiter rund die Hälfte der ursprünglichen Wegzeit, sagt Lehmann.

Können durch die Entwicklungen aber Mitarbeiter eingespart werden? "Wir möchten attraktivere Arbeitsplätze schaffen", sagt Projektleiter Aßmann. Pressesprecher Manuel Thomae verweist auf eine Studie der Boston Consulting Group: Demnach steigt die Nachfrage nach Mitarbeitern mit IT-Kompetenz. Einfache manuelle Tätigkeiten sind dagegen weniger gefragt. Die Unternehmensstrategen prognostizieren in Deutschland in den nächsten zehn Jahren bis zu 390 000 neue Arbeitsplätze.

Vielleicht kennt Kollege Roboter bis dahin jeden dieser Mitarbeiter persönlich. Karsten Müller, technischer Leiter des Werkes Feuerbach, sieht nämlich schon den nächsten Entwicklungsschritt: Der Roboter weiß, welcher Mitarbeiter auf ihn zukommt. Sobald er nah genug an ihm dran ist, reicht er ihm das benötigte Bauteil.

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02.04.2016, 06:00 Uhr

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