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Konzept bleibt dezentral

Der Kreis sucht Asylbewerber-Unterkünfte

Die derzeit wieder steigenden Flüchtlingszahlen zwingen auch den Kreis Tübingen dazu, nach neuen Unterkünften Ausschau zu halten. Im Januar werden Asylbewerber in ein Wohnhaus in der Ernst-Bloch-Straße einziehen.

19.12.2012
  • Ulrike Pfeil

Tübingen. Das Doppelhaus am Ende der Ernst-Bloch-Straße, direkt neben der verkehrsreichen Rampe zum Schlossbergtunnel, war schon bisher von Flüchtlingen bewohnt, allerdings von solchen, die zumindest vorübergehend Bleiberecht genießen und von der Stadt unterzubringen sind. Nachdem die städtische Wohnungsbaugesellschaft GWG als Eigentümerin für diese Bewohner andere, dezentrale Wohnungen fand, bot sie das Haus dem Landkreis an. Der sucht gerade händeringend nach geeigneten Unterkünften für Neuangekommene.

In den acht Wohnungen werden nach Auskunft des Leiters der Ordnungsabteilung im Landratsamt, Karlheinz Neuscheler, bis zu 42 Personen (Erwachsene und Kinder) untergebracht. Das Haus, das einen abgewohnten Eindruck macht, wird zuvor innen in Ordnung gebracht.

Die Anwohner wurden am Montag in einer Veranstaltung in der Mensa Uhlandstraße darüber informiert, dass im Lauf des Monats Januar neue Nachbarn dort einziehen sollen. Kritische Bemerkungen blieben dabei nicht aus. Sie konzentrierten sich nach Neuschelers Eindruck auf zwei Befürchtungen: Das Gebäude werde überbelegt; dies begünstige eine Vermüllung rund um das Haus. Tatsächlich hatten die Vor-Nutzer dort einigen Sperrmüll gelagert.

Zwar wird das Gebäude deutlich dichter belegt als zuvor; Neuscheler weist jedoch darauf hin, dass der Landkreis im Vorgriff auf eine neue Landes-Richtlinie den Wohnraum für Asylbewerber bereits großzügiger bemisst als nach dem geltenden Gesetz: Danach stünden pro Person nur viereinhalb Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung (zuzüglich Sanitärräumen und Küche), der Kreis gehe aber von rund sieben Quadratmetern aus. Nach Auskunft von GWG-Geschäftsführer Gerhard Breuninger hat das Haus an der Ernst-Bloch-Straße eine Gesamt-Wohnfläche von rund 450 Quadratmetern.

Die Flüchtlinge, die derzeit nach Deutschland kommen, gehören häufig zur benachteiligten Minderheit der Roma in den früher jugoslawischen Staaten Mazedonien, Bosnien und Serbien; sie kommen aber auch aus Syrien, Afghanistan und Pakistan. Neuscheler beruhigte die Anwohner mit der Versicherung, dass die Flüchtlingsunterkünfte regelmäßig von Sozialarbeitern und Hausmeistern besucht werden. Sollte es Anlass zu Beschwerden geben, könnten die Anwohner im Landratsamt anrufen. „Und wenn wir sehen, dass da Müll ist, werden wir für die Beseitigung sorgen“, versprach er.

Der Landkreis arbeitet außerdem mit Organisationen der ehrenamtlichen Flüchtlingsbetreuung wie dem Tübinger Asylzentrum zusammen. Eva Arnold-Schaller vom Asyl-Arbeitskreis der Stiftskirche (zu deren Gemeinde die Ernst-Bloch-Straße gehört) bot in der Info-Veranstaltung für Nachbarn, die sich engagieren wollen, eine Vermittlung an.

„Wenn die neuen Bewohner nicht gleich auf Ablehnung stoßen, kann das stressfrei ablaufen“, sagt Neuscheler. Die Erfahrung in der Rottenburger Weggentalstraße macht ihm dabei Mut. Dort kämen die Anwohner und das Flüchtlings-Quartier nach anfänglich scharfer Ablehnung inzwischen „wunderbar zurecht“.

Die Ernst-Bloch-Straße wird nicht die letzte neue Asylbewerber-Adresse in Tübingen sein. In nächster Zeit wird laut Neuscheler noch einiges dazukommen, es handle sich dabei aber um dezentrale und kleinere Objekte.

Der Kreis sucht Asylbewerber-Unterkünfte
Von der übrigen Ernst-Bloch-Straße ist das Haus Nummer 2-4 durch die laute Rampe des Schlossbergtunnels (links) etwas abgesondert. In die acht Wohnungen sollen ab Mitte Januar bis zu 42 Flüchtlinge einziehen, die dem Landkreis von der Zentralen Aufnahmestelle in Karlsruhe zugewiesen werden. Bild: Metz

Das Land Baden-Württemberg nimmt 13 Prozent aller Flüchtlinge in der Bundesrepublik auf, der Kreis Tübingen 2,1 Prozent der landesweiten Zahl. Nach Auskunft des Landratsamts sind dies derzeit etwa 20 bis 30 pro Monat. Im Monat Dezember wären es 40 gewesen, was jedoch die Kapazität der Unterkünfte im Kreis überfordert hätte. Die Zentrale Aufnahmestelle in Karlsruhe gewährte deshalb einen Aufschub.
In Tübingen sind Asylbewerber während des Aufnahmeverfahrens im Diener-Bau in Weilheim, in einer Hausmeister-Wohnung der Beruflichen Schule und künftig in der Ernst-Bloch-Straße untergebracht; in Rottenburg in Häusern in der Weggental- und St.-Claude- Straße sowie einer weiteren Hausmeister-Wohnung; außerdem gibt es zwei Häuser in Mössingen und eine Unterkunft in Reusten.

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19.12.2012, 12:00 Uhr

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