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Feucht und niedertemperiert

Der Luftschutzkeller im Kienberg-Steinbruch kann ab sofort besichtigt werden

Freudenstadt hat neben dem historischen Besucherbergwerk nun auch einen zugänglichen Luftschutzkeller aus dem Zweiten Weltkrieg. Der Unterstand, der bis zu 500 Personen Platz bot, wurde am Samstag von den Bergbau-Aktiven Jürgen Schnurr, Wolfgang Strittmatter und Werner Hertrampf im Beisein von Bürgermeister Gerhard Link eröffnet.

23.08.2010
  • Siegfried Schmidt

Freudenstadt. Das Besucherbergwerk „Heilige Drei Könige“ und der Luftschutzkeller im Felsgestein hinter dem neuen Facharztzentrum bilden zusammen eine gemeinsame Schauattraktion. Der Suchschacht für den Silberabbau aus 1561 markiert dabei den vertikalen Part, der Unterstand die horizontale Besichtigungsstrecke. Ab sofort sind beide Unter-Tage-Bauwerke für den Besucherverkehr frei gegeben. Besichtigung immer an Wochenenden sowie an Feiertagen von 14 bis 17 Uhr.

Der Luftschutzkeller mit seinen knapp 500 Quadratmetern Grundfläche und über 1000 Kubikmeter umbautem Raum war einst der Bier- und Weinkeller des Hotel Waldeck I (Baujahr 1891). Entweder dessen Erbauer Wilhelm Braun oder aber der nächste Besitzer, Carl Luz, machten sich die Stollenüberbleibsel aus dem Bergbauzeitalter zunutze. Sie erweiterten einen ebenerdig angelegten Felsgang zu einem größeren Hohlraum und ließen das offene Felsgestein mit Ziegelmauerwerk verblenden. Dieser Keller sollte dann beiden Hotels, auch der später entstandenen Dependance „Christophsaue“, als Bierlager dienen.

Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs musste dann die Bierbevorratung weichen. Der Reichsluftschutzbund requirierte einfach die Felsenhöhle und baute sie zu einem Luftschutzunterstand aus. Andere Kelleranlagen der Freudenstädter Traditionshotels wurden auf ähnliche Weise umgewidmet. Dazu wurden die Wände teilweise mit Beton, zum Teil auch mit Ziegelsteinen und Dielen verschalt. Der Eingang wurde hakenförmig angelegt. Noch heute verweisen die Isolatoren unter der Gewölbedecke auf die besondere Zweckentfremdung im II. Weltkrieg. Die heute zu besichtigende Halle wurde mit Stockwerkbetten, Sitzmöglichkeiten und Bunkeröfen ausgestattet. Über handgetriebene Schnecken wurde Frischluft zugeführt. Am Ende des Hauptraums, wo sich heute der Stollengang noch einige Meter in den Berg fortsetzt, befanden sich eine chemische WC-Anlage und eine Sanitätsstation.

Eigens für die Hotelgäste des „Waldeck“ wurde ein zusätzlicher Stollen aus dem Buntsandsteinsediment heraus gehauen. So konnten die Hausgäste durch den Hintereingang rasch und fast risikolos den Luftschutzkeller erreichen. Wie häufig über Freudenstadt Bomberalarm herrschte und wie oft Personen in das sichere Gewölbe flüchteten, ist dokumentarisch (noch) nicht belegt.

Das Handvoll emsiger Bergbau-Begeisterter um Jürgen Schnurr, Werner Hertrampf, Dieter Eberhard und Wolfgang Strittmatter hat in zahllosen Arbeits-Schichten den verlassenen, mit Müll, verfaulten Holzresten, Dreck und losem Gestein angehäuften Schutzbau wieder frei geräumt. Zusätzlich mussten Tausende von Schubkarren Füllmaterial, die vom Aufwältigen des benachbarten Bergwerks herrührten, ins Freie geschafft werden. Das Material wurde für einen kleinen Geländewall gegen stürzendes Geröll von der Steinbruch-Felswand verwandt.

In den Luftschutzkeller gelangt man ausgehend vom überdachten Eingang zum Historischen Bergwerk über einen Stollen. Man passiert dabei den Schachteinstieg und geht dann leicht gebückt über eine bequeme Schotterschicht etliche Meter in südlicher Richtung. Der immerfeuchte Luftschutzkeller mit seiner Dauertemperatur von neun bis zehn Grad Celsius ist elektrisch beleuchtet. An seiner rechten Wand sind einige Regale mit schönen Mineralienfunden aus den Sammlungen von Willi Haug und Werner Hertrampf aufgestellt.

Bürgermeister Gerhard Link nannte den Luftschutzkeller ein wenn auch „trauriges Kapitel“, so doch ein Stück Geschichte der Stadt. Die Anlage im Kienberg sei in jedem Fall auch bergmännisch interessant. Für die immense Arbeitsleistung übergab er an den „Kustoden“ von Luftschutzkeller und Bergwerk, Jürgen Schnurr, einen Gutschein für ein reichhaltiges Gemeinschaftsessen im Christophstaler Gasthof Bad.

Wie die „Knappen“ von Freudenstadt berichten, wurde viele Abende bis nach Mitternacht in den Felsengängen gewerkelt. Werner Hertrampf: „Dort im Berg vergisst man nicht selten einfach die Zeit.“

Der Luftschutzkeller im Kienberg-Steinbruch kann ab sofort besichtigt werden
Das Handvoll emsiger Bergbau-Begeisterter um Jürgen Schnurr, Werner Hertrampf, Dieter Eberhard und Wolfgang Strittmatter hat in zahllosen Arbeits-Schichten den verlassenen, mit Müll, verfaulten Holzresten, Dreck und losem Gestein angehäuften Schutzbau wieder frei geräumt und so der Öffentlichkeit zugängig gemacht. .Bild: Kuball

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23.08.2010, 12:00 Uhr

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