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Silcher sichert keinen Nachwuchs

Der Männergesangverein wird 125 Jahre alt

REMMINGSHEIM (eaz). Der Männergesangverein Remmingsheim ist mit 125 Jahren der älteste Neustetter Verein. Vom morgigen Freitag bis zum Montag laden die derzeit 34 aktiven Sänger zur Jubiläumsfeier in und um die neue Stäblehalle.

11.09.2003

Früher, so hat Günter Sturz in der Vereinschronik nachgelesen, durfte nur mitsingen, wer seinen Wehrdienst abgeleistet hatte. „Heute dagegen freuen wir uns über jeden, der den Stimmbruch hinter sich hat und mitmachen will.“ Sturz ist Erster Vorsitzender des Vereins und mit 40 Jahren eines der jüngsten aktiven Mitglieder: „Drei Sänger sind Anfang 30, im Durchschnitt sind wir Ende 50.“

1878 trafen sich einige Männer im Dorf, um einen Gesangverein zu gründen: Schultheiß Katz wurde zum Vorstand gewählt und Lehrer Eisenmann zum Chorleiter bestellt. Von beiden Gründungsmitgliedern sind die Vornamen nicht überliefert. Sturz: „Das war seinerzeit der erste Verein am Platz, und der Andrang war groß; Sorgen um den Nachwuchs musste man sich keine machen.“

33 Mitglieder hatte der Männergesangverein im Gründungsjahr; gesungen wurden vor allem Weisen von Friedrich Silcher und Franz Schubert: Es gelte, den vaterländischen Geist und das neue deutsche Lied zu pflegen, steht in den Annalen.

Während des Ersten Weltkrieges wurde der Verein nicht aufgelöst. 1932 wurde der Verein in „Männergesangs- und Kriegerverein“ umbenannt, im Nationalsozialismus war ein geregeltes Vereinsleben bald nicht mehr möglich. Viele Sänger zogen in den Krieg, sieben fielen. „Danke für euer liebes Päckchen“, schrieb Vorstand Erich Braun am 11. März 1941 aus französischer Kriegsgefangenschaft an seine Sängerkameraden in Remmingsheim. „Der Verein verstand sich als eine Art Familie, man hielt zusammen“, sagt Sturz. Nach dem Krieg löste die alliierte Militärregierung sämtliche Vereine auf: „Insgeheim haben die Männer aber weitergesungen“, so Sturz.

1948 trafen sich alte und neue Mitglieder im Gasthaus „Krone“, um den Verein offiziell wieder ins Leben zu rufen. „Wir singen bis heute die alten Lieder. Aber wir bemühen uns, die Konzerte etwas fetziger zu gestalten“, erklärt Sturz. Seit 1996 leitet erstmals eine Frau, Irina Osswald, den Männergesangverein: „Unsere Chorleiterin kommt aus Russland. Deshalb haben wir auch russische Volkslieder im Programm.“

Mittlerweile singt man nicht mehr nur Silcher und Schubert, sondern auch Schlager oder Stücke von den Comedian Harmonists. „Wir wollen unsere älteren Kameraden überzeugen, dass wir auch englisch singen müssen, wenn wir jüngere Sänger an Land ziehen wollen“, so Sturz. „Aber das ist nicht so einfach.“

Im vergangenen Jahr hat Sturz den Vorsitz übernommen: „Eigentlich zähneknirschend, es wollte niemand anders ran. Jetzt sehe ich es als meine Herausforderung, etwas im Verein zu bewegen.“

INFO

Von morgen bis Montag wird in und um die neue Stäblehalle gefeiert. Unter anderen sind die „Geschwister Hofmann“, und die „Steintaler“ zu Gast, und es wird einen Vergnügungspark geben. Vorverkauf bei der Kreissparkasse.

Der Männergesangverein wird 125 Jahre alt
Stolz präsentierten sich1928 die Remmingsheimer Sänger zum 50er-Jubiläum. In der ersten Reihe sitzt der damalige Dirigent Karl Maier (zweiter von links, mit verschränkten Armen).

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11.09.2003, 12:00 Uhr

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