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Kommentar Klinikchef

Der Mann für alle Notfälle?

An manchen Wochenenden geht es in der zentralen Notaufnahme des Klinikums am Steinenberg zu wie in einem Bienenstock. 40.000 Notfallpatienten werden jährlich dort versorgt – und die Tendenz ist steigend.

01.08.2014
  • Uschi Kurz

Zuerst behandelt wird verständlicherweise nicht der Patient, der zuerst kommt, sondern der, dessen Verletzung am schwersten oder dessen Erkrankung am gravierendsten ist. Das führt bisweilen zu Wartezeiten, die für jeden einzelnen lästig sind. Vermeidbar sind sie nicht.

Das sieht auch der neue Klinik-Geschäftsführer Norbert Finke so, der selbst vom Landkreis als eine Art „Notfallhelfer“ eingekauft worden ist und sich nun erst einmal orientieren muss, woran es im Klinikum krankt. Denn dass der Wirtschaftsbetrieb Krankenhaus nicht gesund ist, nicht gesund sein kann, bei der unzureichenden Kostenübernahme durch die Kassen, ist schon lange klar. Nur an der Therapie scheiden sich die Geister.

Über 18 Millionen beträgt der Bilanzverlust mittlerweile, den der Landkreis als Träger der Kliniken nur noch bis zum Jahr 2018 zu übernehmen bereit ist. Für 2013 hatte man mit einem Verlust von mehr als acht Millionen gerechnet, nun sind es 9,36 Millionen geworden. Immerhin fällt der Fehlbetrag um 126 000 Euro geringer aus, als dies noch 2012 der Fall war.

Finke ist noch nicht ganz 90 Tage im Amt und spürt einen gewaltigen Erwartungsdruck. Doch dafür wirkt der 58-jährige erstaunlich entspannt. „Ich habe aber auch Erwartungen“, fordert er von der Belegschaft den Willen zur Veränderung. Bis jetzt ist er mit der Kooperationsbereitschaft, die ihm von Seiten der Ärzteschaft und dem Pflegepersonal entgegengebracht wird, jedenfalls sehr zufrieden. Finke ist überzeugt, dass im Klinikum noch Einsparungen möglich sind, ohne dass die Qualität der Patientenversorgung darunter leidet. Im Gegenteil: Durch zusätzliche, an der alternden Gesellschaft orientierte Leistungen sollen mehr Erlöse erzielt werden. Ein Ansatz, der durchaus Erfolg haben könnte.

Die Erwartungen sind aber auch bei den 2493 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern groß. Die wurden schon in den vergangenen Jahren durch die von den Um- und Neubauten verursachten Strukturveränderungen enorm belastet. Nun soll auf ihrem Rücken ein Zukunftskonzept ausgetragen werden, das die drei Häuser binnen vier Jahren aus den roten Zahlen führt. Dennoch wird die Belegschaft mitziehen. Schließlich geht es um ihre Arbeitsplätze.

Dass Finke künftig nur noch mit eigenen Fachkräften und nicht mehr mit teuren Leasingkräften arbeiten möchte, dürfte auf keinen Widerstand stoßen. Sofern die Lücken, die durch die wegfallenden Honorarkräfte entstehen, rechtzeitig geschlossen werden. Finke versichert, dass er nichts übers Knie brechen möchte. Und er verspricht eine hohe Transparenz.

Die scheint bereits Früchte zu tragen. Als in der Kreistagssitzung am Montag der gestiegene Bilanzverlust aus dem Geschäftsjahr 2013 vorgestellt wurde, freute sich FDP-Kreisrat Willi Weiblen, dass nun endlich „verlässliche Zahlen“ vorlägen, nachdem man sich jahrelang geärgert habe, weil das nicht so war. Unverständlich nur, dass er im selben Atemzug – sollte das Zukunftskonzept nicht greifen – gleich wieder die drei Standorte infrage stellen wollte.

Die Reform, die gerade erst auf den Weg gebracht wurde, jetzt schon zu bewerten, sei eher schädlich, bat Mike Münzing (SPD) um Geduld. Zum Gesundwerden bedarf es eben auch einer gewissen Ruhe. Gerade auch bei Notfällen.

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01.08.2014, 12:00 Uhr

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