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Der Mister KBF geht
Gute Laune beim Abschied: Thomas Seyfarth (Mitte) verfolgt mit zahlreichen Gästen den unterhaltsamen Teil des Vormittags.Bild: Franke
Abschied

Der Mister KBF geht

40 Jahre lang arbeitete er für die KBF: Gestern verabschiedete ein Turnhalle voller Gäste den Geschäftsführer Thomas Seyfarth. Das Ende einer Ära.

10.12.2016
  • Amancay Kappeller

Großer Bahnhof für Thomas Seyfarth: Am Freitagvormittag wurde der langjährige KBF-Stiftungsvorstand und -Geschäftsführer im Rahmen einer Feierstunde in den Ruhestand verabschiedet. „Wir werden ihn ganz doll vermissen – das soll er einfach von uns wissen“, sangen die Kinder der Mössinger Kita Allerhand in der proppenvoll gefüllten Turnhalle. Hermann Wenzel, Vorsitzender des Stiftungsrats, begrüßte viel Prominenz, darunter Landestagsabgeordnete, Vertreter der Landkreise und Bürgermeister aus den KBF-Partnergemeinden – sowie Seyfarths Frau und Kinder.

Die Laudatio hielt SPD-Politiker Gerd Weimer, ehemaliger Landesbehindertenbeauftragter und von 1998 bis 2006 Erster Bürgermeister der Stadt Tübingen. Weimer bezeichnete Seyfarth als „Mister KBF“: „Ich habe Sie in all den Jahren als einen eher uneitlen, bescheidenen und unprätentiösen Menschen kennen- und schätzen gelernt.“ Bei der KBF habe Seyfarth schon in den 70er- und 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts „mit für die damalige Zeit weit vorausblickender Strategie“ ein sehr fortschrittliches Konzept kleiner Wohngruppen mit Selbstversorgung entwickelt. „Praktizierte Inklusion schon damals“: Aber erst im Jahr 2009 wurde die UN-Behindertenrechtskonvention vom Deutschen Bundestag beschlossen. Für Thomas Seyfarth, ein „begnadeter Netzwerker“, habe stets der Einzelne im Mittelpunkt gestanden, so Weimer: Der scheidende KBF-Chef habe „Haltung gezeigt und der KBF wie kein Zweiter ein Gesicht gegeben“.

Im Anschluss an die Laudatio gab es zahlreiche Grußworte: „Verhandlungen mit Ihnen waren nicht immer vergnügungssteuerpflichtig, aber stets zielführend“, scherzte Helga Roesgen, Präsidentin des Bundesamts für Familien und zivilgesellschaftliche Aufgaben. Mit großem Engagement habe sich Seyfarth für mehr gesellschaftliches Miteinander eingesetzt. Maßgeblich wirkte er laut Roesgen bei der „Umwandlung vom Zivildienst in den Bundesfreiwilligendienst“ mit.

Seyfarth habe eine ausgesprochen spannende Zeit gestaltet, in der sich viel zum Positiven veränderte in Sachen Engagement für Menschen mit Behinderung: Das wiederum erklärte der neue Regierungspräsident Klaus Tappeser: „Sie sind ein Mann der Transformationen.“ Und weiter: „Sie machen einen guten Job mit Empathie, Sympathie und Respekt für Menschen, die halt a bissle anders sind.“ Thomas Lorenz bedankte sich im Namen der Angehörigen für Seyfarths Einsatz: „Sie waren ein wichtiger und kompetenter Ansprechpartner, hatten immer ein offenes Ohr und Verständnis für die Situation der Betroffenen.“

Hans-Peter Färber, Leiter des Therapeutikums, würdigte, dass Seyfarth anderen stets auf Augenhöhe begegnet sei. Färber lobte das „Bestreben, zu verstehen und in den eigenen Entscheidungen transparent zu sein“ – und das „tiefes Verständnis für die besonderen Bedürfnisse von Menschen“. Betriebsratsvorsitzende Annegret Lang sagte, Seyfarth habe „gute Arbeitsplätze für die verschiedensten Berufsgruppen geschaffen und gestaltet“.

„Es ist nicht ganz einfach, nach 40 Jahren KBF Abschied zu nehmen“, erklärte Seyfarth selbst. Der scheidende Chef dankte Wegbegleitern und Unterstützern aus den vergangenen vier Jahrzehnten: „Das gemeinsame Menschenbild war mir immer das wichtigste. Werte, die der Einrichtung eine Seele geben.“ Er wisse, dass die KBF ihm einiges verdanke - noch mehr aber verdanke er der KBF. Während seiner 40 Arbeitsjahre sei er keinen einzigen Tag krank gewesen: „Ich hatte das Glück, immer gesund zu sein. So konnte ich dicke Bretter langsam, beharrlich und mit Demut bohren.“

Dem Nachfolger Gert Mohler und der gesamten Geschäftsführung wünschte Seyfarth gutes Gelingen. Er selbst wird an den Geschicken der KBF weiter teilhaben: als Stiftungsrat.

Thomas Seyfarths Werdegang bei der KBF

Thomas Seyfarth kam 1976 als Zivildienstleistender zur KBF. Freunde von damals charakterisierten den Seyfarth von einst als „wilden und aufmüpfigen jungen Mann“, so Gerd Weimer in seiner Laudatio. Als Sprecher aller Zivildienstleistenden organisierte er zum Beispiel ein Protest-Camp mit Zelten gegen die Zwangskasernierung in der ZdL-Unterkunft. Nach seinem Zivildienst arbeitete Seyfarth zunächst als Schulpsychologe bei der KBF. 1993 wurde er vom Vorstand als Stellvertreter in die Geschäftsführung gewählt. Zwei Jahre später wurde Seyfarth Geschäftsführer. „Man könnte also auch sagen: Nicht vom Tellerwäscher zum Millionär, aber immerhin vom Zivi zum Chef eines mittelständischen Unternehmens mit 1400 Mitarbeitern, 300 FSJlern und 200 Bundesfreiwilligen“, zählte Weimer auf. 1995 gehörten zur KBF 23 Einrichtungen - mittlerweile sind es 80.

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10.12.2016, 01:00 Uhr

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