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Umwelt-Experten zeigten es der Politik

Der Natur richtig helfen

Vorhaben für den Artenschutz im Neckartal ließen sich der Grünen-Abgeordnete Daniel Lede Abal und Rottenburgs Oberbürgermeister Stephan Neher im Neckartal erläutern.

08.08.2012
  • Gert Fleischer

Rottenburg. Der Landtagsabgeordnete Lede Abal kam im Rahmen seiner Sommertour zu einer naturkundlichen Wanderung nach Rottenburg. Die Tübinger Landschaftsökologin Sabine Geißler-Strobel von der Initiative Artenvielfalt Neckartal (IAN) leitete die Tour, an der rund 30 Interessierte teilnahmen. Sie beschrieb, wie die Grünen in einer Pressemitteilung berichten, das Neckartal zwischen Hirschau, Rottenburg und Wurmlingen als eines der letzten Refugien im Landkreis Tübingen für ehemals weit verbreitete Feldvogelarten wie Braunkehlchen, Grauammer, Rebhuhn und Kiebitz.

Ackerbrachen und Stoppelbrachen fehlen

In den vergangenen Jahren sind die Bestände dieser Vogelarten im Kreis Tübingen laut Geißler-Strobel dramatisch zurückgegangen, obwohl gerade er ein traditioneller Verbreitungsschwerpunkt der Feldvögel innerhalb Baden-Württembergs ist. So konnten Mitte der 1980er Jahre von dem Tübinger Ornithologen Rudolf Kratzer noch 264 Reviere des Braunkehlchens ermittelt werden. Inzwischen ist die Art hier nahezu ausgestorben. Auch die Bestände der Grauammer haben sich von 159 auf 20 Reviere reduziert. Große Verluste auch beim Rebhuhn. In ganz Europa zählen diese charakteristischen Feldvögel zu den am stärksten gefährdeten Arten. Inzwischen seien sie auch landesweit vom Aussterben bedroht oder stark gefährdet.

Die wenigen verbliebenen Vorkommen wie hier im Neckartal haben deshalb große Bedeutung für den Erhalt der Artenvielfalt, sagte Geißler-Strobel. Sollen sie nicht völlig verschwinden, sei gezielter Artenschutz nötig. Wie er aussehen kann, erläuterten Verena Kienzle, die Vorsitzende des Natur- und Vogelschutzvereins Wurmlingen, und Michael Koltzenburg als Vertreter des Landesnaturschutzverbands. Erforderlich sei das Anlegen mehrjähriger Ackerbrachen und der Erhalt von Stoppelbrachen über den Winter. Sie verschaffen den Vögeln Nahrung und Deckung, wenn die Wiesen gemäht und die Äcker abgeerntet sind.

Die Wandergruppe sah sogar Rebhühner

Unerlässlich sei es, hochwachsende Hecken wieder regelmäßig zu pflegen. Oder auch, Bäume zu entfernen, weil sie Greifvögeln als Ansitz dienen und deshalb von den sogenannten „Kulissen flüchtenden“ Feldvögeln mit teilweise großer Distanz gemieden werden.

Das Management, die fachliche Begleitung, die teilweise notwendige Pflege der Flächen, die Öffentlichkeitsarbeit und das Beschaffen von Geld fordern der Initiative Artenvielfalt Neckartal viel Engagement ab, berichtete Geißler-Strobel. Es gehe an die Grenze ehrenamtlichen Engagements. Belohnt würden sie aber durch erste Erfolge. So lägen alle aktuellen Rebhuhnreviere im Bereich der Maßnahmenflächen im Neckartal. Erstmals seit 2008 konnte jetzt wieder der für den Erhalt der Art entscheidende Bruterfolg des Rebhuhns nachgewiesen werden: zwei Familienverbände mit vier und mindestens acht Jungvögeln wurden beobachtet. Auch die Teilnehmer der Führung hatten das Glück, Rebhühner zu sehen.

Dem Grünen-Abgeordneten Lede Abal gab Sabine Geißler-Strobel zwei Anliegen mit: Bei der Förderung des ländlichen Raums wäre es wichtig, die Agrarumweltprogramme auf die Belange charakteristischer Tierarten der Äcker und Wiesen abzustimmen. Viele wichtige Vorhaben zum Erhalt der Artenvielfalt seien gar nicht oder nicht auskömmlich für die Landwirte förderfähig. Zudem sollten bei der Umsetzung des landesweiten Biotopverbunds nicht noch mehr Hecken und Bäume gepflanzt werden, denn gerade diese würden die letzten Bestände der Vogelarten des Offenlandes zusätzlich gefährden. Hingegen mangele es an Vernetzungselementen, etwa an mehrjährigen Ackerbrachen, ungemähten Altgrasstreifen, Vernässungsstellen in Wiesen und Äckern und extensiv genutzten Grünland- und Ackerflächen.

Der Natur richtig helfen
Da wurde nicht etwa zufällig das Ackern vergessen, sondern planvoll ein Stück Natur angelegt: Eine Ackerbrache bei Wurmlingen.Bild: Sabine Geißler-Strobel

Der Natur richtig helfen
Ein Rebhuhnhahn. Erstmals wieder Zuwachs im Bestand.Archivbild: Eyck

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08.08.2012, 12:00 Uhr

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