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Der Noah, die Noah
Kim ist nur einer von vielen Namen, die von Jungen und von Mädchen gleichermaßen getragen werden dürfen. Foto: dpa
Unisex-Namen

Der Noah, die Noah

Vornamen, die sowohl von Jungen als auch von Mädchen getragen werden können, sind im Kommen. Vorbilder für solche Unisex-Namen sind auch Prominente.

02.04.2017
  • PIA REISER

Fußballer Luca Toni, Moderatorin Kim Fisher und Komiker Helge Schneider haben eines gemeinsam: Sie tragen alle einen Vornamen, der sowohl für Jungen als auch für Mädchen passt. In den USA oder England sind geschlechtsneutrale Vornamen wie Cameron oder Taylor schon länger verbreitet, nun sind sie laut dem Internet-Portal vornamen.com auch in Deutschland im Kommen. Weit vorne in der Beliebtheitsskala: Luca, Noah und Mika.

Diese Entwicklung hat auch Gabriele Rodríguez von der Namenberatungsstelle der Universität Leipzig beobachtet: „Es gibt immer mehr Namen, die ursprünglich einem Geschlecht zugeordnet waren, nun aber auch dem anderen.“ Ein Grund: Kurze Namen sind im Trend. „Da passiert es oft, dass die Kurzform von Mädchen und Jungen getragen werden kann.“ Leo kann für Leonhard oder Leonie stehen. Einfluss haben auch andere Sprachen. Max, in Deutschland ein typisch männlicher Name, passt im Englischen auch für Mädchen.

Glamour-Faktor übertragen

„Vielen Eltern ist nicht bewusst, dass der Name, den sie sich ausgesucht haben, geschlechtsneutral ist“, erzählt Rodríguez. Russen seien oft erstaunt, dass Nikita auch als Mädchenname genutzt wird, denn in Russland heißen meist Männer so. Nicht ganz unschuldig an dieser Entwicklung wird Elton John mit seinem Hit „Nikita“ im Jahr 1985 sein.

Berühmte Lieder oder Prominente spielen bei der Namensgebung eine Rolle, wenn auch nur eine kleine, meint Rodríguez. Damaris Nübling, Sprachwissenschaftlerin an der Uni Mainz, sieht diesen Einfluss ebenfalls: Indem Eltern ihre Kinder wie Schauspieler oder Fußballstars nennen, wollen sie etwas von deren „Glamour-Faktor“ auf das Kind übertragen. „Eltern nehmen dann den Unisex-Namen in Kauf, denn das Geschlecht ist bei der Namensgebung immer noch wichtig“, sagt Nübling, die in den Unisex-Namen keinen wirklichen Trend sieht.

Dass Eltern einen Unisex-Namen wählen, weil sie ihrem Kind bewusst keine Geschlechterrolle zuweisen wollen, passiert kaum, darin sind sich die Expertinnen einig. In den seltenen Fällen, in denen Kinder mit beiden Geschlechtsmerkmalen zur Welt kommen – in Deutschland passiert das laut einer Studie der Uni Lübeck bei zwei von 10 000 Geburten – lassen Eltern mit einem Unisex-Namen bewusst offen, in welche Richtung sich ihr Kind entwickeln kann. Hier würde dann auch kein zweiter, eindeutiger Vornamen verlangt, sagt Rodríguez.

„Maria ist übrigens der einzige weibliche Vorname, der Jungen als zweiter Vorname gegeben werden darf“, sagt sie. Die Schauspieler Günther Maria Halmer und Christoph Maria Herbst sind nur zwei prominente Beispiele. Herbst kommt aus einer sehr religiösen Familie, dies ist der Grund für seinen zweiten Vornamen, sagte er dem Medienmagazin „pro“.

Stellt sich die Frage, welche Namen überhaupt Unisex-Namen sind. Dies ist schwer zu entscheiden, sagt Namensforscherin Nübling. Denn auch Heike sei ein Name für Jungen und Mädchen, werde jedoch zu 98 Prozent als weiblicher Name genutzt. Ebenso Andrea: in Deutschland heißen hauptsächlich Mädchen so, in Italien Jungen. Nübling: „Keiner der Unisex-Namen ist in Deutschland hälftig verteilt.“

Oft setzt sich ein Geschlecht bei einem Namen durch, meist die Jungen. Etwa bei Luca: Im Namens-Ranking der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) war Luca im Jahr 2015 auf Rang 8 der beliebtesten Jungennamen, jedoch nur auf Platz 512 der Mädchennamen. Ähnliches Spiel bei Mika, Noah oder Robin.

Regionale Unterschiede

Am geschlechtsneutralsten ist nach Damaris Nüblings Untersuchungen der Name Nikola. Gabriele Rodríguez von der Uni Leipzig berichtet, dass Janne als Name bei Mädchen und Jungen gleich häufig ist. Jedoch mit regionalen Unterschieden: Im Norden heißen mehr Jungen Janne, in anderen Regionen mehr Mädchen.

„Übrigens schützt selbst ein eindeutiger Name nicht davor, ins andere Geschlecht eingeordnet zu werden“, sagt Rodríguez. Einmal habe ein Malte beantragt, seinen typisch norddeutschen Männernamen zu ändern. Der Grund: Bei seiner Arbeit in München wurde er oft als Frau angesprochen.

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02.04.2017, 06:00 Uhr

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