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Radsport: Sieben Tage absolut am Limit

Der Ofterdinger Jochen Käß blickt nach seinem Transalp-Gesamtsieg schon wieder voraus

Falsch abgebogen, hinter einer Kuh ins Tal gejagt – und dennoch gewonnen. Jochen Käß hat bei seinem zweiten Sieg beim härtesten Etappenrennen für Mountainbiker so einiges erlebt und noch vieles vor.

01.08.2014
  • Moritz Hagemann

Riva/Ofterdingen. Seit 2008 konnte kein Team bei der Transalp-Rundfahrt seinen Titel verteidigen. Jochen Käß, ursprünglich aus Rangendingen, seit zwei Jahren in Ofterdingen lebend, und seinem Partner Markus Kaufmann (32, Meckenbeuren) ist dies gelungen. Nach 588 Kilometern und unfassbaren 19.147 Höhenmetern hatten die beiden Amateure vom Team Centurion-Vaude am vergangenen Sonntag vor der malerischen Kulisse am Gardasee wieder allen Grund zum Jubeln. „Wir verstehen uns einfach blind“, sagt der 33-jährige Käß über das Erfolgsgeheimnis mit seinem Team-Partner. Der Erfolg basiert jedoch auf harter Arbeit: 250 Trainingstage im Jahr – neben der normalen täglichen Arbeit als CNC-Fräser und -Dreher in einer Mössinger Firma. „Die Profis trainieren und legen sich danach ins Bett“, sagt Käß, „ich kann das nicht“. Umso höher ist der Erfolg auf dem Weg von Oberammergau nach Riva einzuschätzen.

Der Ofterdinger Jochen Käß blickt nach seinem Transalp-Gesamtsieg schon wieder voraus
Im Zweifelsfall hat auf dem steinigen Weg über die Alpen das gehörnte Vieh die Vorfahrt.

Zumal nicht alles ganz nach Plan lief. Auf der fünften Etappe hat sich das Duo verfahren. „Drei, vier Minuten“, schätzt Käß, dürfte das gekostet haben – „und den Etappensieg“. Den holten sich Käß und Kaufmann dafür auf den Etappen sechs, vier und drei. Besonders die dritte Etappe, vom Veranstalter als „Königsetappe“ ausgewiesen, hatte es in sich. Alleine der 1000-Meter-Schlussanstieg zur Marzonalm würde viele Hobbyfahrer zum Absteigen zwingen. In einer Abfahrt, erzählt Käß, habe er am Hinterrad seines Teamkollegen gehangen, als plötzlich eine Kuh vor ihm herrannte. „Da muss man vorsichtig und ruhig bleiben“, weiß Käß, „das hat ein bisschen Zeit gekostet, aber etwas spaßig war es schon auch.“

Hin und wieder gönne er sich einen Blick in die Landschaft, aber der Fokus läge ganz klar auf dem Rennen. Dafür ließ Käß sogar die Weltmeisterschaft in Südafrika vor knapp drei Wochen aus. „Aus Kostengründen“, verrät Käß, „aber auch, weil man sich da auf die Nase legen könnte und die Transalp dann vorbei gewesen wäre.“ Rentabel sei das Rennen durch die Alpen nicht. 695 Euro Startgebühr pro Fahrer werden fällig, für ihren Sieg bekamen beide Biker je 1500 Euro Preisgeld – das deckt die Ausgaben in der Woche bei weitem nicht. Beide tourten im Wohnmobil mit eigenem Betreuer und Koch herum. „Wir können nur dank der Sponsoren überleben“, sagt Käß.

Der Ofterdinger Jochen Käß blickt nach seinem Transalp-Gesamtsieg schon wieder voraus
Vor dem Start auf die buckelige erste Etappe in Oberammergau: Der Ofterdinger Jochen Käß (rechts) und Teamkollege Markus Kaufmann.

Wie stark das württembergische Tandem ist, beweist die Tatsache, dass sie unter anderem Alban Lakata, den aktuellen Mountainbike Europa- und Vize-Weltmeister, und dessen Kollegen Kristian Hynek (Tschechien), hinter sich gelassen haben. „Natürlich ist Platz drei bei diesem starken Feld nicht schlecht, aber wir sind natürlich angetreten, um zu gewinnen“, sagt der 35-jährige Österreicher Lakata.

Um die Anstrengungen zu verdeutlichen, zieht Käß, einst selbst Straßenradfahrer, einen Vergleich zur Tour de France: „Wir können nicht auf einer Flachetappe mal 200 Kilometer im Feld absitzen“, sagt der 33-Jährige. „Beide Rennen sind hart, aber auf der Straße rollt es sich eben viel leichter.“

Käß liebt das Gelände, die Qualen, die schmalen Pfade der Alpen. Olympia 2016 in Rio hat er abgehakt, die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in Kirchberg (Österreich) nicht. Zweimal war er schon nah dran an einer WM-Medaille. Einmal stoppte ihn eine Magenverstimmung, einmal wurde er Fünfter. Oben auf der Agenda steht jedoch das Triple bei der Transalp: „Es wird von Jahr zu Jahr härter, aber das wäre ein Traum“, sagt Käß. Noch nie gab es ein Team, das dreimal hintereinander siegte. Käß: „Wir würden Geschichte schreiben!“

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01.08.2014, 12:00 Uhr

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