Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Musik

Der Osten singt anders

Die Weihnachtslieder im Osten und Westen unterscheiden sich.

24.12.2016
  • MICHAEL GABEL

Berlin. Zu keiner anderen Zeit wird in Deutschland so viel gesungen wie in der Weihnachtszeit. Der Advent und die Festtage sind die große Zeit für Auftritte in Konzertsälen, Schulaulen und Kirchen. Und auch zu Hause erklingt spätestens Heiligabend in vielen Familien weihnachtliches Liedgut. Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid zeigt: 27 Jahre nach der Wende unterscheidet sich die Weihnachtslieder-Landkarte immer noch nach Ost und West.

So liegt das betont christliche „Stille Nacht, heilige Nacht“, das von Bayern bis Schleswig-Holstein am liebsten gesungen wird, im Osten hinter dem eher weltlichen „O Tannenbaum“ nur auf Platz zwei. Und „O du fröhliche“, im Westen Nummer zwei, belegt in der Ost-Rangliste nur Platz neun.

Noch deutlicher wird der Unterschied beim Blick auf Weihnachtslieder, die in der DDR entstanden sind. Sie haben bis heute nur im Osten eine große Fangemeinde, zum Beispiel „Sind die Lichter angezündet“ und „Tausend Sterne sind ein Dom“.

Wieso zieht sich aber gerade bei Weihnachtsliedern immer noch eine Art Mauer durch Deutschland? Jan Olberg, ein Musiklehrer am Berliner Händel-Gymnasium und Chorleiter, hat beobachtet, dass in der DDR entstandene Weihnachtslieder noch von den Eltern und in den Kindergärten an die Kinder weitergegeben werden. Das habe ihn selbst überrascht, sagt er. Er sei überzeugt, dass diese Trennung noch über Generationen hinweg erhalten bleibt.

Einer der Komponisten ostdeutscher Weihnachtslieder war der 1989 gestorbene Hans Sandig. Er leitete den Rundfunkkinderchor Leipzig (heute MDR-Kinderchor) und schrieb Mitte der 50er-Jahre das Lied „Sind die Lichter angezündet“. Der Text von Erika Engel verzichtet auf religiösen Bezug, er beschwört eine ruhige Dezemberstimmung, verbunden mit dem Wunsch: „Überall soll Friede sein.“

„Das war der Geist der Zeit“, sagt Olberg. „Christliches Gedankengut durfte in der Ideologie des Sozialismus nicht im Vordergrund stehen. Deshalb wollte man das Thema auch aus den Liedern heraushalten.“

Die Marburger Musikwissenschaftlerin Friederike Lepetit spitzt diese These zu: Mithilfe der Lieder habe die DDR-Führung versucht, aus dem Weihnachtsfest ein „sozialistisches Friedensfest“ zu machen. Michael Gabel

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

24.12.2016, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball