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Ratskeller bleibt vorerst zu - Raum für einen neuen Club?

Der Pächter hatte genug vom Regenwasser und kündigte

Seit Oktober herrscht gähnende Leere im Ratskeller in der Tübinger Innenstadt. Das wird auch noch eine Weile so bleiben. Was dann aus der Gaststätte im Gewölbe wird, ist bisher noch nicht klar.

19.12.2014
  • Sabine Lohr

Tübingen. Nach jedem starken Regen hatte Josip Gujic ein echtes Problem: „Das Wasser stand manchmal zentimeterhoch am Eingang von der Haaggasse und floss die Treppe runter“, sagt der Wirt, der zehn Jahre lang seinen Gästen im Ratskeller kroatisches und schwäbisches Essen servierte. In den letzten Monaten, berichtet er, sei das Wasser auch auf die Tische getropft und ein paar Mal sogar in die Küche und in den Hauptsicherungskasten. „Da hat es dann mitten im Betrieb die Hauptsicherung rausgehauen.“

Der Pächter kündigte vor einer Regulierung

Vor vier Jahren, als es zum ersten Mal in die Gaststätte geregnet hatte, beschwerte er sich bei der städtischen Baugesellschaft GWG, die den Ratskeller verwaltet. Geschehen sei daraufhin aber nichts, sagt Gujic. Über die Jahre bahnte sich das Wasser nicht nur den Weg bis in den Keller, sondern stieg auch in die Wände. Er habe sich immer wieder beschwert, so Gujic. Doch offenbar hätten Stadt und GWG nicht entscheiden können, wer eigentlich zuständig sei. Schließlich drohte er mit der Minderung der Pacht. „Das hab ich dann aber doch nicht gemacht.“

Wenigstens aber kümmerte sich jemand. „Am 5. Februar gab es eine Begehung“, sagte Oberbürgermeister Boris Palmer am Donnerstag in der Gemeinderatssitzung, wo sich Sabine Lüllich (CDU) nach dem Stand der Dinge im Ratskeller erkundigt hatte. Eigentlich wollten Stadt und GWG dem Pächter dann Regulierungsvorschläge machen. „Aber bevor es dazu kam, hat der Pächter gekündigt“, sagte Palmer.

Das bestätigt Josip Gujic. „Es hat einfach keinen Spaß mehr gemacht.“ Am 31. März schickte er deshalb der GWG die Kündigung und wollte eigentlich den Ratskeller ein halbes Jahr später, also Ende September, verlassen. Doch schon im August machte er die Gaststätte kaum noch auf. „Ich hab Betriebsferien gemacht und beschlossen, früher zu gehen, um alles in Ruhe regeln zu können.“ Dazu sei gekommen, dass seine Mutter, die im Ratskeller mitgearbeitet hat, einen Bandscheibenvorfall erlitt und ausfiel.

Schon seit einem Jahr hat Gujip ein zweites Standbein: Er pachtete die Sportgaststätte in Ergenzingen, die er zunächst parallel zum Ratskeller betrieb. Seit er die Gaststätte in Tübingen aufgab, kümmert er sich nur noch um die Sportgaststätte. „Es ist schade“, sagt er. Vor allem wegen seiner Stammkundschaft täte es ihm leid.

Ein einfaches Abwickeln sei es am Ende auch nicht gewesen. „Die wollten, dass ich alles raus reiße.“ Dabei habe er die gesamte Möblierung für viel Geld maßanfertigen lassen. „Ich kann sie nicht mehr verwenden und der nächste Pächter muss viel Geld in Hand nehmen, um alles wieder einzurichten“, wundert sich Gujip. Er wandte sich schließlich an Palmer, der ihm versprach, dass er nicht alle Möbel entfernen muss. So kam es dann auch.

Gewölbe könnte auch Studentenclub werden

Einen neuen Pächter indes wird es so schnell nicht geben. Die GWG habe nach der Kündigung mit mehreren potenziellen Nachmietern gesprochen, sagte Palmer im Gemeinderat. Allerdings seien alle diese Verhandlungen erfolglos gewesen. Zudem habe es Anfang Januar 2014 auch ein Gespräch mit den Anwohnern in der Haaggasse gegeben – denn Palmer kann sich in dem Gewölbekeller auch etwas anderes als eine Gaststätte vorstellen. „Es geht um das Tübinger Nachtleben, um Ausgeh-Möglichkeiten für Studenten“, sagte er im Gemeinderat. „Dabei spielt auch der Ratskeller eine Rolle.“

Konkret heißt das: Im ersten Vierteljahr 2015 wird die Stadtverwaltung dem Gemeinderat Vorschläge machen, in welchen Gebäuden sich eventuell Clubs etablieren könnten. Das Gremium muss dann entscheiden, welche davon sich am ehesten für das studentische Nachtleben in der Innenstadt eignen.

„Das bedeutet zwar zunächst einen Leerstand im Ratskeller“, räumte Palmer ein. „Aber sonst heißt es hinterher, der Gemeinderat hätte lieber eine andere Lösung gehabt.“

Der Pächter hatte genug vom Regenwasser und kündigte
„Wegen Krankheit bleibt das Restaurant vorübergehend geschlossen“, steht auf dem Zettel am Fenster. Das ist nicht die ganze Wahrheit: Es war vor allem der Wassereinbruch. Und was aus dem Ratskeller wird, ist noch nicht klar. Bild: Sommer

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19.12.2014, 12:00 Uhr

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