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Leitartikel · Sport

Der Profi und das Foul

Von Armin Grasmuck Jetzt hat auch die Krone des Kaiser dicke Kratzer. Franz Beckenbauer, dieser natürlich charmante und allseits beliebte Gewinner aus Fleisch und Blut, kennt offensichtlich auch Mittel und Wege, dem Glück auf die Sprünge zu helfen.

11.11.2015

Von SWP

Die Lichtgestalt des deutschen Fußballs steht plötzlich unter dem dringenden Verdacht, die Weltmeisterschaft des Jahres 2006 mit unfairen Tricks und einem Haufen Geld nach Deutschland gebracht zu haben. Es fällt ein dunkler Schatten auf die Festspiele, die von den Zuschauern rund um den Globus als frisches und fröhliches Sommermärchen bejubelt wurden.

Der seit Tagen und Wochen andauernde Skandal um die Vorwürfe und Verfehlungen der Verantwortlichen rund die WM 2006 ist eine Tragödie für die Anhänger des reinen Sports, die im stetigen Rhythmus von immer neuen Hiobsbotschaften ereilt werden. Schwarzgeld und Bestechung, Doping und Betrug. Die Radfahrer tun es, die Leichtathleten. Mancher Schwerathlet der Spitzenklasse wirkt wie eine wandelnde Apotheke, aufgepumpt mit wahren Wundermitteln, die Stabilität verleihen. Warum sind die Stars von der iberischen Halbinsel durch die Bank so ausdauernd? Wie schaffen es die Russen, in mancher Disziplin über Jahrzehnte zu dominieren? Ist Usian Bolt wirklich der Mann aus einer schnelleren Welt? Und Blatter? Warum scheint er die Dollarzeichen in den Augen zu tragen? Oder sind es Schweizer Franken? Der böse Verdacht, so weit sind wir schon, dieser böse Verdacht spielt einfach immer mit.

Strahlend wirkt das Bild des sauberen Athleten, der mit reiner Muskelkraft, starkem Charakter und eisernem Willen obsiegt und den aufrichten Beifall des Publikums kassiert. Doch im Spitzensport gehört das mehr oder weniger böse Foul seit jeher dazu. Der kleine Rempler, die derbe Grätsche, das verdeckte Handspiel. Mancher preist den bewussten Regelbruch als wertvolles und durchaus legitimes Stilelement, das es unbedingt einzusetzen gilt, um den Triumph zu sichern. Es gibt Rekordmeister, die den Akt des Hinterfotzigen als Alleinstellungsmerkmal glorifizieren und in ihrer Klub-DNA verankert haben. Der Profisportler tritt an, um zu gewinnen. Hochmotiviert kämpft er um den größtmöglichen Erfolg. Es geht um die Bestzeit, das entscheidende Tor - und darum, den Widersacher knallhart auf die Bretter zu schicken. Die Spitzensportler kämpfen aus Leidenschaft, aber selbstverständlich auch für den Lebensunterhalt. Jeder Volltreffer ist für sie Gold wert, jede Medaille bare Münze.

Elf Freunde müsst ihr sein, der Ball ist rund und das Spiel dauert 90 Minuten - die Weisheiten des legendären Bundestrainers Sepp Herberger gelten bis heute. Der Vater des Wunders von Bern stand und steht für den aufrichtigen Kampf auf dem Spielfeld. Doch auch Herberger wusste, dass der Stiefel mit den langen Stollen bei starkem Regen in dem tiefen Rasen besser als der glatte Noppenschuh greift. Er zog alle Register, seine Spieler rannten bis zum Umfallen und sie beglückten mit ihren beherzten Auftritten die Anhänger im ganzen Land.

Die Spitzensportler und natürlich auch die Spielmacher in den Vereinen und Verbänden der Gegenwart müssen den Spagat zwischen Rekord und reinem Gewissen meistern. Sie wirken mehr denn je als Vorbilder in allen Lebensbereichen und über alle Gesellschaftsschichten hinweg. Der Superstar, der falsch spielt, besitzt keine Strahlkraft. Auch die Medaille, die unter dem Einfluss von Tabletten erzielt wird, verliert schnell den Glanz. Der Kaiser kann seine Krone noch retten, wenn er endlich auspackt.

Der Superstar, der falsch spielt, besitzt keine Strahlkraft

leitartikel@swp.

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Erstellt:
11. November 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
11. November 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 11. November 2015, 12:00 Uhr

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