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Der Roboter mit der Sensorhaut
Das ist der „Octopus Gripper“ der Esslinger Firma Festo. Foto: dpa Foto: dpa
Hannover Messe

Der Roboter mit der Sensorhaut

Die Schutzzäune zwischen Mensch und Maschine fallen. Damit es dabei nicht zu Kollisionen kommt, braucht es neue Sicherheitstechnik.

25.04.2017
  • KAREN EMLER

Hannover. Wie ein Elefantenrüssel bewegt sich der Roboterarm durch den Raum. Dabei hält er einen Gummiball fest. Und weil nicht nur der Elefant, sondern auch der Oktopus Pate standen für den Octopus Gripper des Industrieunternehmens Festo (Esslingen am Neckar), hält er diesen mit Saugnäpfen fest. Der pneumatische Leichtbauroboter wird über Druckluft gesteuert und kann so die fließenden Bewegungsabläufe seiner tierischen Vorbilder nachahmen.

Roboter sind Trendthema auf der Hannover Messe. Die Industriehelfer ermöglichen Vorstöße in immer neue Dimensionen. Ob in der Fertigung, der Logistik oder im Privathaushalt: Die Zusammenarbeit von Mensch und Roboter wird ausgefeilter. 6500 Aussteller und voraussichtlich um die 200 000 Besucher erhoffen sich von der fünftägigen Leistungsschau Antworten auf die Frage, wie die neuen Roboter der Industrie nutzen können.

Eine der wichtigsten Fragen ist dabei, wie Mensch und Maschine miteinander kooperiern können. Die Schutzzäune zwischen Menschen und Robotern sollen niedergerissen werden. Das klingt revolutionär und ist es auch. Denn die Maschine muss entweder Rücksichtnahme lernen oder so beschaffen sein, dass sie keinem Menschen weh tun kann.

Darauf setzt Festo: Die Roboterarme sind mit drei Kilogramm extrem leicht und sie bestehen aus gestrickten Kammern. Greift man in den Bewegungsradius des Roboters, arbeitet der zwar dagegen, aber mit so wenig Druck, dass er de facto stoppt.

In einer anderen Halle bei Bosch (Stuttgart) arbeitet ein 1,70 Meter großer mobiler Roboter namens Apas Hand in Hand mit einem Menschen an einer Werkbank. „Bei Bosch wird der Roboter zum Kollegen“, preist Daniel Hug, Bereichsleiter bei Bosch, die Neuentwicklung an. Damit diese unfallfrei bleibt, setzen die Entwickler auf eine spezielle Sensorhaut. Kommen sich Mensch und Maschine zu nahe, unterbricht der Roboter seine Arbeit, um eine Kollision zu vermeiden.

Auch bei Pilz (Ostfildern) wird Sicherheit groß geschrieben. Mit dem „Safety Eye“ wird die Umgebung des Roboters überwacht. Tritt ein Mensch in den definierten Sicherheitsbereich, arbeitet der Roboter viel langsamer. „Ein Zusammenstoß ist zwar immer noch möglich, aber er wird ohne Folgen für den Menschen bleiben“, erklärt ein Firmensprecher.

Roboter sollen dem Menschen aber nicht nur schwere und monotone Arbeit abnehmen. Sie lernen auch von ihm. Präsentiert man dem Bosch-Roboter Apas verschiedene Werkstücke – solche, die in Ordnung sind, aber auch solche, die die Qualitätsprüfung nicht bestehen – kann er nach einiger Zeit diese Prüfung selbst übernehmen. Bis dato schenkt Apas auf der Hannover Messe Kaffee aus und dreht Zuckerwatte.

Lernbegierig ist auch Franka. Im Moment fährt sie zielsicher über das Display eines Telefons um es zu entsperren, macht ein Foto von sich, begutachtet das Ergebnis und wendet sich dem nächsten Telefon zu. Mit diesem Roboterarm wollen die Münchner Entwickler von Franka Emika den Markt aufrollen: Sie soll nicht nur mit Menschen kooperieren, ihr Design ist in seiner Beweglichkeit auch dem menschlichen Arm nachempfunden.

Und sie soll die anderen Angebote auf dem Markt deutlich unterbieten. „Mit 12 000 Euro“ sei man dabei, könne Arm und Steuerungseinheit erwerben, so Firmenchef Philipp Zimmermann. Außerdem soll die einfache Steuerung die Robotik sozusagen demokratisieren. Innerhalb nur eines Tages könne jeder lernen, wie man Franka programmiert, das Anpassen an eigene Wünsche soll nur wenige Minuten dauern.

So könnte der Roboterarm bei Bedarf alle paar Stunden für eine andere Aufgabe eingesetzt werden. Und Franka kann nicht nur Nüsse reichen, Smartphones testen und Schräubchen reindrehen, wie sie es auf der Messe präsentiert. Franka kann bei Bedarf sogar neue Frankas bauen, erklärt Zimmermann nicht ohne Stolz

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25.04.2017, 06:00 Uhr

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